Bonn - Sie wird länger und länger: Auf der Roten Liste vom Aussterben bedrohter Vögel befinden sich weltweit 1226 Arten, das sind 12 Prozent der etwa 10.000 Vogelarten. Dies geht aus einer am heutigen Montag in Bonn vorgestellten Studie der Weltnaturschutzunion IUCN und der Organisation BirdLife International hervor.
Im Vergleich zum vergangenen Jahr mussten acht zusätzliche Arten als vom Aussterben bedroht eingestuft werden. Dazu gehören der Tristan-Albatros, der Löffelstrandläufer und die Floreana-Spottdrossel. Weitere 24 Arten kletterten eine Gefährdungskategorie höher. In Deutschland stehen 40 Prozent aller Vogelarten auf der Roten Liste.
Die Hauptursachen für das Aussterben sieht der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) in der Intensivierung der Landwirtschaft und dem wachsenden Flächenverbrauch. Nabu-Präsident Olaf Tschimpke sagte, nannte die Liste ein "alarmierendes Signal für den fortschreitenden Verlust der Artenvielfalt." Auch Deutschland trage eine weltweite Verantwortung, da bestimmte bedrohte Populationen wie der Rotmilan ihre Heimat dort hätten. Der Nabu gehört als Unterorganisation zum Dachverband BirdLife International.
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat für die am Montag in Bonn begonnene Weltnaturschutzkonferenz "substanzielle Erfolge" angemahnt. Die Uno-Konvention über die biologische Vielfalt stehe am Scheideweg, sagte Gabriel zum Konferenzauftakt. Ohne Erfolge für den Wald- oder Artenschutz werde sich die Weltgemeinschaft zu Recht fragen, was es bewirke, wenn 191 Staaten entsprechende Absichtserklärungen unterzeichneten.
Bis zum 30. Mai wollen mehr als 5000 Experten in Bonn darüber beraten, wie die weltweit fortschreitende Vernichtung der Natur gestoppt werden kann. Dabei geht es unter anderem um den Erhalt der Urwälder und der Meere mit ihrer hohen Artenvielfalt. Gabriel forderte ein Umdenken der Menschheit. "Wenn wir so weitermachen wie bisher, wird es 2050 keinen kommerziellen Fischfang mehr geben", führte er als Beispiel an. Doch seien schon heute mehr als eine Milliarde Menschen von Fisch als einziger Proteinquelle abhängig.
Auch der Exekutivsekretär der UN-Umweltkonvention, Ahmed Djoghlaf, warnte vor unabsehbaren Folgen eines weiteren Artenschwunds. Die Menschheit verliere durch das Artensterben nicht nur ihre wirtschaftliche Sicherheit, sondern büße auch kulturelle Werte ein. Darüber hinaus sei der Klimawandel nicht ohne den Erhalt der biologischen Vielfalt und der Wälder zu stoppen.
hda/dpa/ddp
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