• Drucken
  • Senden
  • Feedback
21.05.2008
 

Südkoreanisches Klonprojekt

Die Hundeklone des Dr. Hwang

Resozialisierung eines Betrügers: Der südkoreanische Genforscher Hwang Woo Suk, vor drei Jahren spektakulär als Fälscher enttarnt, drängt zurück ins Geschäft. Er will Hunde klonen - und damit viel Geld machen.

Hwang Woo Suk war eigentlich erledigt. "The King of Cloning" hatten sie den Mann genannt, der angeblich als erster einen menschlichen Embryo geklont und daraus maßgeschneiderte embryonale Stammzellen gewonnen hatte. Dann aber stürzte Südkoreas Forscherstar - denn es stellte sich heraus, dass seine spektakulären Klonerfolge alle gefälscht waren. Fast alle. Nur den Hund "Snuppy" soll er im Jahr 2005 tatsächlich geklont haben, wie man im Nachhinein bestätigte.

Hwang verlor alle seine Ämter, wurde der Veruntreuung von Forschungsgeldern angeklagt. Das hielt ihn aber nicht davon ab wieder zu klonen: Wie das Fachmagazin "Nature" berichtete, beantragte Hwang im Frühjahr 2008 eine Lizenz um an dem privaten Forschungsinstitut Sooam Biotech Research Foundation zu arbeiten.

Nun offenbar wagt Hwang auch das Comeback auf internationalem Parkett: Zusammen mit dem kalifornischen Biotech-Unternehmen BioArts International will Hwangs Firma insgesamt fünf Hunde klonen. Der poetische Name für das Projekt: "Best Friends Again" - wieder beste Freunde.

Lou Hawthorne, Vorsitzender von BioArts, sagte der "New York Times": "Ich weiß, dass die Verbindung zu Hwang Kontroversen auslösen wird. Aber Hwang ist beim Klonen von Hunden einfach der beste." Für Hwangs Expertise im Klonen von Hunden spricht, dass erst kürzlich der südkoreanische Zoll einen Drogenspürhund sieben Mal hat klonen lassen. Geleitet wurde das Klonprojekt von Lee Byeong-chun von der Seouler Nationaluniversität. Lee war Mitglied von Hwangs Team gewesen, das "Snuppy" geklont hatte. Nach Hwangs Fälschungsskandal hatte sich Lee von ihm losgesagt.

Die Klonaufträge sollen versteigert werden, das Startgebot bei 100.000 Dollar liegen. Die Summe ist nicht als Mindestpreis zu sehen, meint Hawthorne. Falls zu wenige Interessenten bieten sollten, könnte der Preis auch noch fallen. Hawthorne hat Erfahrung im Klonen von Hunden. Vor wenigen Monaten klonte er aus Genproben eines im Jahr 2002 verstorbenen Border-Collies die drei Hunde Chin-Gu, Missy und Sarang.

Gesundheit garantiert

BioArts wolle seinen Kunden Qualität und Sicherheit bieten. Das Geld werde erst ausgegeben, wenn der Kunde den Klon annehme, so Hawthorne. Die Güte des Klons, die Ähnlichkeit zum Original-Tier werde garantiert: "Wenn der Kunde nicht das Gefühl einer hohen Übereinstimmung hat, vergleichbar der von Zwillingen, dann kann er sein Geld zurückverlangen", sagte Hawthorne. Vor Auslieferung würden die Klonhunde von einem Tierarzt untersucht, zudem werde für ihre Gesundheit ein Jahr lang garantiert. Klone sind bekannt für gesundheitliche Beeinträchtigungen. Klonschaf Dolly litt an Arthritis, auch andere klonierte Tiere waren übergroß, dick und krank.

Hawthorne hat sich schon einmal im kommerziellen Klonen versucht: Mit seiner früheren Firma Genetic Savings & Clone bot er an, Katzen zu klonen - für einen Preis von 50.000 Dollar. Im Jahr 2006 machte Genetics Savong pleite - zu wenig Nachfrage und saftige Rückzahlungen waren der Grund. "Die Technik war noch nicht reif genug", begründet Hawthorne den Misserfolg. Nun aber sei die Zeit gekommen: Bei einem bis vier Prozent der transferierten Klonembryos gelinge eine Schwangerschaft, so Hawthorne. Die Überlebensrate der Welpen betrage 80 Prozent.

Der Markt für Klonhunde scheint vielversprechend: Im März hatte Hwangs Ex-Mitarbeiter Lee den verstorbenen Pitbull einer Kalifornierin geklont - für 100.000 Dollar.

lub

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
alles aus der Rubrik Natur

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP