Von Christoph Seidler und Jens Lubbadeh
Beispielhaft für das Scheitern eines Kontakts mit der Außenwelt sind die Erfahrungen der Yanomami. Dieses Indianervolk mit etwa 25.000 Mitgliedern lebt am Oberlauf des Orinoco, im Grenzgebiet zwischen Brasilien und Venezuela. Die Yanomami traten erstmals Mitte des 20. Jahrhunderts in Kontakt mit Weißen.
Die Yanomami leben als Ackerbauern vom Brandrodungsfeldbau, sowie als Jäger und Sammler. Zum Verhängnis wurde ihnen, dass in den achtziger Jahren in ihrem Gebiet Gold und Uran gefunden wurden. Die Folge war, dass Anfang der Neunziger Tausende Goldsucher und Kleinbauern ihr Gebiet überrannten. 20 Prozent der Yanomami starben daraufhin - innerhalb von nur sieben Jahren.
Doch immerhin, den verbleibenden Yanomami gelang es, ihren Lebensraum zu verteidigen - mit Unterstützung Prominenter. Der Musiker Sting beispielsweise setzte sich damals für die Sache ein, bis Brasilien den Ureinwohnern eine Schutzzone versprach. In Deutschland wurden die Yanomami durch Rüdiger Nehberg bekannt, der in den achtziger Jahren zu ihnen reiste und mit ihnen lebte. Nehberg schrieb mehrere Bücher über die Yanomami und die Ausbeutung ihres Lebensraumes.
Trotz Schutzzonen sind die Yanomami noch immer bedroht: In den vergangenen Jahren kamen die Goldsucher wieder und scherten sich nicht um die Gesetze. Die brasilianische Hauptstadt ist weit weg, die Polizei machtlos. "Die Garimpeiros [illegale Goldsucher] bringen Alkohol, Prostitution und Krankheit", klagte Dario Yanomami, der Sohn des Häuptlings. "Unser Volk stirbt."
Ende 2007 traf sein Vater, Häuptling Davi Yanomami, auf einer Konferenz Brasiliens Regierungschef Lula da Silva. Der Indianer sah dem Präsidenten in die Augen. Und dann sagte er: "Deine Regierung muss sehr vorsichtig sein. Denn ihr wisst nicht, wie man mit der Natur umgeht. Aber ich sage dir, dass die Maschine, die die Löcher gräbt, die Lunge der Erde beschädigt. Die ganze Welt wird bluten."
Die Brasilianer wollen dem neu entdeckten Stamm solche unerfreulichen Begegnungen mit der Zivilisation ersparen. Niemand soll erfahren, wo genau der neu entdeckte Indianerstamm lebt. "Ich glaube, dass das einzigartige Fotos sind", sagt Indianerschützerin Watson. Niemand außer den Funai-Mitarbeitern wüsste, wo genau im riesigen Urwaldgebiet die Indianer zu finden seien. "Solch einen Flug wird es vorerst nicht wieder geben."
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