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01.06.2008
 

"Copenhagen Consensus"

Wie ein Trupp von Star-Ökonomen die Welt retten will

Von Christoph Seidler

12. Teil: Die Lösungsvorschläge

Am Ende der viertägigen Gespräche hatten die Experten eine Liste erstellt, auf der sie die 30 diskutierten Lösungsmöglichkeiten priorisiert hatten. Die Idee dabei: Besonders attraktiv sind Lösungen, die mit besonders kleinem Finanzeinsatz vergleichsweise große positive Effekte erzielen. Auf einer neuen Liste führten sie dann all diejenigen Projekte auf, für die - zumindest nach Expertenschätzungen - das verfügbare Geld reichen würde: 18,75 Milliarden Euro pro Jahr. Diese Summe ergibt sich, wenn man den Gesamtbetrag von 75 Milliarden Dollar gleichmäßig auf vier Jahre verteilt. Übrig bleiben in diesem Fall 13 Projekte:

DER SPIEGEL

Eigentlich wären für den 13. Punkt auf der Liste, die Tuberkulosebekämpfung, mindestens eine Milliarde Dollar nötig, so die Mitglieder des "Copenhagen Consensus". Weil aber rechnerisch nur noch 419 Millionen Dollar zur Verfügung standen, habe man eben die angesetzt - besser als nichts. Das Thema Klimawandel landete hingegen erst auf dem 14. Platz der Agenda - und damit auf dem ersten Platz, für den keine Förderung mehr möglich wäre, weil die Finanzressourcen des Planspiels bereits ausgereizt waren.

Vor vier Jahren hatten die Teilnehmer an Lomborgs akademischer Tafelrunde noch den Kampf gegen Aids als wichtigste Aufgabe erkannt, diesmal taucht dieses Unterfangen erst auf Platz 19 der Liste auf. Soll sich die Welt so schnell geändert haben? Noch wichtiger ist indes eine andere, eine fundamentalere Frage: Wie belastbar sind die Annahmen des "Copenhagen Consensus", allen voran die Kostenschätzungen, die zur Lösung eines bestimmten Problems angesetzt wurden? Ökonomen mögen oft dazu verleitet sein, an allen Dingen in der Welt ein kleines Preisschild zu erkennen. Mit diesen Zahlen lässt sich dann leicht rechnen, verlässlicher werden sie dadurch allerdings nicht.

Die Experten-Gruppe befasst sich auch nicht mit institutionellen Fragen, etwa danach, wie - und vor allem wie effektiv - die vorgesehene Hilfe eigentlich zu den Betroffenen gelangt. Für mindestens zwei Dinge ist der "Kopenhagen Konsensus" aber auf jeden Fall gut: Über die Frage der Priorisierung von Entwicklungshilfe neu nachzudenken und Einschätzungen zu Problemen zu hinterfragen, die in Stein gesetzt scheinen. Die Welt mag nicht so sein, wie Lomborg und seine Wirtschaftsexperten sie sehen. genausowenig muss sie deswegen so sein, wie es der Durchschnittsbürger oder -politiker annimmt.

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insgesamt 84 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
09.06.2008 von wkoch: Ein bisschen Polemik

Das kann man nur nochmal unterstreichen: wir brauchen einen Wandel in der Einstellung und unserem (insb. westlichen) Lebensstil. Ein solcher Paradigmenwechsel zeichnet sich gerade dadurch aus, dass man nicht Bekanntes intensiver [...] mehr...

08.06.2008 von sittingbull: Wo bleibt der Wirkungsgrad?

Ich stimme Ihren Ausführungen zu! Die Eingangsfrage des Threads "...die Welt retten" läßt auch eher an Bruce Willis denken, als an eine ernsthafte Diskussion. Vielleicht war dies ja sogar das Anliegen von @sysop, der [...] mehr...

07.06.2008 von wkoch: Banane

Ein generelles Wort zu diesem "Copenhagen Consensus": Auch wenn der Spiegel titelt "Das Ergebnis überrascht - vor allem, weil der Klimawandel quasi keine Rolle spielt." - es überrascht irgendwie gar nicht. [...] mehr...

02.06.2008 von sam clemens: Gut, lieber kro, ...

... rüsten wir ab. Zum Verständnis meiner Ansicht: Ich bin skeptisch bei Lösungsansätzen, die suggerieren, dass wir diese Probleme in den Griff bekommen, ohne das System zu ändern. Forschungsergebnisse wie in Kopenhagen [...] mehr...

02.06.2008 von kro: Mal daran gedacht ...

Haben sie vielleicht mal daran gedacht, dass 99% der Wirtschaftswissenschaftler sich nicht mit Prognosen beschäftigen ? Oder daran, dass Wirtschaftswissenschaftler ihre Zeit lieber damit verwenden, Paper zu schreiben als [...] mehr...

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