• Drucken
  • Senden
  • Feedback
16.06.2008
 

Tauchroboter

Auf der Jagd nach Tiefseekreaturen

"ROV Kiel 6000" ist der Stolz Kieler Meereswissenschaftler: Mit dem 3,2 Millionen Euro teuren Tauchroboter wollen die Forscher den Meeresboden erkunden - auf der Suche nach geheimnisvollen Lebewesen und dem begehrten "weißen Gold" Methanhydrat.

Kiel - Es ist paradox, aber der Mond ist besser kartografiert als die Erde. Der Grund: Er besitzt keine Ozeane. Denn die bedecken immerhin 70 Prozent des blauen Planeten. Die Meere - das ist noch immer terra incognita. Oder besser gesagt: mare incognitum.

Kieler Meereswissenschaftler wollen nun mit einem neuen leistungsstarken Tauchroboter wenigstens ein paar der weißen Flecke auf der Tiefsee-Landkarte erkunden. "ROV Kiel 6000" heißt das Gerät. Der Name ist Programm: Bis zu 6000 Meter tief kann der Roboter tauchen, dort Aufnahmen machen und auch Proben entnehmen. Es ist nach Institutsangaben das weltweit modernste Gerät seiner Art.

95 Prozent des Meeresbodens der Weltozeane werden damit den Experten des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-Geomar) zugänglich, wie Direktor Peter Herzig bei der offiziellen Übernahme am Montag verkündete. Nur Extrembereiche wie der 11.000 Meter tiefe Marianengraben bleiben nach wie vor unzugänglich. Seine "Feuertaufe" habe "ROV Kiel 6000" bereits im vergangenen August bestanden - vor der Ostküste Neuseelands.

Der 30 Tonnen schwere "ROV Kiel 6000" hat einen stolzen Preis: 3,2 Millionen Euro hat er gekostet, 1,5 Millionen Euro investierte das Institut darüber hinaus in technische Systeme. Der Tauchroboter - "ROV" steht für "Remotely Operated Vehicle" - wird vom Forschungsschiff aus über ein mit Stahl ummanteltes, 6500 Meter langes Glasfaserkabel ferngesteuert.

Mit Hilfe von zwei elektrohydraulischen Greifarmen kann er in der Tiefsee Messungen und Experimente vornehmen sowie Wasser-, Sediment- und Gesteinsproben sammeln. Mit einer hochauflösenden Kamera filmen die Wissenschaftler die geheimnisvollen Lebenswelten in der Tiefsee. Daten und Bilder werden in Echtzeit über das Glasfaserkabel zu den Piloten und Forschern im Kontrollraum an Bord des Schiffs geschickt.

"Für uns eröffnen sich damit ganz neue Dimensionen", sagt Projektleiter Colin Devey. "Wir können unseren neuen Tauchroboter einsetzen, um Fragen über globale Stoffkreisläufe, die Entstehung von mineralischen und biologischen Rohstoffen oder auch der möglichen Deponierung von CO2 am Meeresboden nachzugehen."

Dies ist eines der spannendsten Projekte. "CO2 rein, Methan raus", formuliert Direktor Herzig als Kurzmotto. Hintergrund: Im Meer lagern in gefrorener Form aus Methan und Wasser bestehende Gashydrate. Würde dort Kohlendioxid eingebracht, würde dieses das Methan verdrängen und könnte als fester Stoff permanent unten im Meer deponiert werden. Das freigewordene Methan wiederum könnte zur Energieerzeugung genutzt werden - China und Indien haben großes Interesse an einer Förderung des "weißen Goldes" angemeldet.

Wolfgang Schmidt, dpa

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
alles aus der Rubrik Natur

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP