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Wäre man abergläubisch, könnte man meinen, die Natur habe sich gegen die Olympischen Spiele in China verschworen. Katastrophen wie das schwere Erdbeben im Mai reihen sich an andere, mehr oder minder gravierende Probleme. Zunächst sorgte die massive Luftverschmutzung in chinesischen Städten für Schlagzeilen. Der australische Radsportler Stuart O'Grady sprach von "verrückten" Gesundheitsrisiken, der äthiopische Marathonweltrekordler Haile Gebrselassie hat deswegen sogar seine Teilnahme an den Spielen abgesagt. Das Internationale Olympische Komitee hatte zwischenzeitlich gar darüber nachgedacht, die Ausdauerwettbewerbe aus China abzuziehen.
Derzeit hält eine Algenpest die Organisatoren in Atem. Der riesige grüne Pflanzenteppich, der vor der Küste der ostchinesischen Hafenstadt Qingdao im Wasser dümpelt, bedroht die Segelwettbewerbe. Fünf Wochen vor Beginn der Spiele am 8. August ist das Training von Segelmannschaften aus 30 Ländern bereits beeinträchtigt. Die Algengewächse bedecken ein Drittel der für die Wettbewerbe vorgesehenen Wasserfläche und blockieren einige Rennstrecken, berichteten amtliche chinesische Medien am Dienstag.
Mehr als 10.000 Hilfskräfte und 1000 Boote wurden mobilisiert, um in einer groß angelegten Säuberungsaktion die Algen aus dem Wasser zu fischen. Bis Mitte Juli sollen die grünen Gewächse beseitigt sein, kündigten die Behörden an. Einige Zehntausend Tonnen sollen bereits an Land gebracht worden sein. Staatliche Medien zeigten große Haufen grüner Algen. Insgesamt sind 13.000 Quadratkilometer Meeresfläche betroffen.
Es kam auch der Verdacht auf, dass das Problem hausgemacht ist - wie auch die Luftverschmutzung. Chinesische Küstengewässer haben in der Vergangenheit mehrfach schlimme Algenplagen erlebt, die häufig durch unbehandelte Abwässer, chemische Verunreinigungen und hohe Konzentrationen von Düngemitteln begünstigt werden.
Die Verantwortlichen der Olympiastadt bestritten allerdings einen Zusammenhang zwischen der Wasserverschmutzung und der aktuellen Algenpest. "Es handelt sich um verschiedene Sorten von Algen, die sich bei einer bestimmten Wassertemperatur und einem ausreichenden Salzgehalt stark vermehren", sagte Wang Shulian, Vizedirektor der zuständigen Meeres- und Fischereibehörde. Es gebe "keine substantielle Verbindung" mit der Wasserqualität. Auch ein Gesundheitsrisiko bestehe nicht.
Für einen vorbildlichen Umgang mit den Folgen der Umweltverschmutzung ist China freilich nicht bekannt. Erst kürzlich wurde bekannt, dass die Zahl der missgebildeten Babys aufgrund der Verschmutzung dramatisch gestiegen ist. Im Juli 2007 wurden Vorwürfe laut, Peking habe 750.000 umweltbedingte Todesfälle vertuscht. Auch die weltweite Spitzenposition beim CO2-Ausstoß hat China mittlerweile eingenommen.
33.000 Kammerjäger gegen Heuschreckeninvasion
Als ob dicke Luft und Algenteppiche noch nicht genug wären, steigt nun auch die Tierwelt in die Olympiabelästigung ein. Im Norden Chinas ist eine Heuschreckenplage ausgebrochen. Inzwischen sind nicht weniger als 33.000 Kammerjäger in Stellung gegangen, um eine Wanderung der gefräßigen Insekten in Richtung der Hauptstadt Peking zu verhindern.
Die Heuschrecken fallen regelmäßig über die Innere Mongolei her und haben zuletzt rund 13.000 Quadratkilometer Weideland verwüstet. Das entspricht in etwa der Fläche Schleswig-Holsteins. "Um einen reibungslosen Ablauf der Olympischen Spiele und eine stabile landwirtschaftliche Produktion zu garantieren, haben wir einen umfassenden Vorsorgeplan in Gang gesetzt, um eine weitere Wanderung der Heuschrecken zu verhindern", sagte ein Beamter der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua.
Was das bedeutet, dürfte die Sorgen um die Natur in China nicht eben zerstreuen: 100.000 Arbeiter und vier Flugzeuge sollen dem Bericht zufolge insgesamt 200 Tonnen an Pestiziden versprühen.
mbe/dpa/AP
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