Ohne Sauerstoff gibt es kein Leben. Das gilt auch für den Golf von Mexiko, in dem sich derzeit eine sogenannte Todeszone bildet - wie fast in jedem Sommer. Aus dem Salzwasser verschwinden große Mengen Sauerstoff, Wissenschaftler sprechen von Hypoxie. Das Phänomen tritt vor der Küste von Louisiana auf - an der Mündung des Mississippi. "Es ist definitiv die schlimmste Situation, die wir in den letzten fünf Jahren hatten", sagte Steve DiMarco, Ozeanograf an der Texas A&M University.
Vor wenigen Tagen erst hatten Experten der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) und Forscher der Louisiana State University (LSU) vor einer Todeszone in Rekordausmaßen gewarnt. "Die Prognose einer großen Todeszone ist Folge einer Kombination von hohem Stickstoffzufluss und außergewöhnlicher Wassermengen der Flüsse Mississippi und Atchafalaya", sagte LSU-Wissenschaftler Eugene Turner.
Der sinkende Sauerstoffgehalt führt dazu, dass fast alles Leben in Bodennähe stirbt. Ausgelöst wird die Hypoxie von hohen Nährstoffanteilen im Wasser. Diese haben ein starkes Algenwachstum zur Folge, die Algen sinken zu Boden und werden zersetzt. Dabei sinkt die Sauerstoffkonzentration dramatisch. An der Küste vor Louisiana wird viel Fischfang betrieben, sowohl von professionellen Fischern als auch von Hobby-Anglern.
Die NOAA-Wissenschaftler rechnen in diesem Jahr mit einer fast 23.000 Quadratkilometer großen Todeszone. Im Jahr 2007 erreichte sie 20.000 Quadratkilometer. Den bisherigen Rekord maßen die Forscher 2002 mit 22.000 Quadratkilometern. Die Prognose für 2008 beruht auf einer mathematischen Simulation.
DiMarco von der Texas A&M University stützt sich bei seiner Vorhersage auf neue Messungen an insgesamt 74 Stellen im Golf von Mexiko. In verschiedenen Wassertiefen hätten er und seine Kollegen den Sauerstoffgehalt bestimmt. "An einer ganzen Reihe von Punkten haben wir geringe Sauerstoffwerte oder gar den Wert Null gemessen", sagte er. Weil das meiste aus dem mittleren Westen kommende Wasser aber noch Richtung Golf von Mexiko unterwegs sei, könne die Hypoxie bis September andauern. Zu diesem Zeitpunkt sei sie normalerweise zu Ende, erklärte DiMarco.
hda/AP
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