Der schwarze Kiefernprachtkäfer (Melanophila acuminata) gehört zu den wenigen Insekten, die Feuer magisch anzieht: Dort legt er sein Eier ab, damit die Larven - ungefährdet durch Fressfeinde - nach dem Schlüpfen ihre Leibspeise, das frisch verbrannte Holz, genießen können. Wissenschaftlern war bekannt, dass sich auf beiden Seiten des Käferrumpfs Dutzende Vertiefungen mit Sinnesorganen befinden. Forscher der Universität Bonn haben nun deren Struktur aufgeklärt und festgestellt, dass das Insekt Feuer buchstäblich hören kann.
Die Sinnesorgane sind kleine, mit winzigen Mengen Wasser gefüllte Kügelchen, deren Hülle durch eine mehrlagige Hautschicht, der sogenannten Kutikula, gebildet wird. In die Flüssigkeit ragt ein kleines Sinneshärchen hinein, berichten Helmut Schmitz und seine Kollegen im Fachmagazin "Journal of Experimental Biology" (Bd. 211, S. 2567).
Durch eine detaillierte Untersuchung der Hülle fanden die Wissenschaftler heraus, dass die äußeren Lagen extrem steif und hart sind. Die feste Hülle kann daher die Rolle eines Druckgefäßes spielen: Treffen Wärmestrahlen auf die inneren, flexibleren Lagen und die Flüssigkeit, so dehnt sich das Wasser leicht aus. Da sich die Hülle wegen der Steifheit nicht verformen kann, wird nur das weichere Sinneshärchen verformt.
Diese Wahrnehmung der Druckschwankung vergleichen die Forscher mit dem Hören. Über den Sinnesreiz könne der Käfer auf ein mehr als zehn Kilometer entlegenes Feuer schließen, berichten sie. Der Feuermelder des Kiefernprachtkäfers sei extrem empfindlich. Der Mechanismus soll sogar deutlich schneller als industrielle Infrarotsensoren ansprechen. Manche Forscher gehen sogar davon aus, dass das Insekt Brände in Entfernungen bis zu 80 Kilometern aufspüren kann.
hda/ddp
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