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Sprit aus Stroh Mit Superhefe Treibstoff brauen

2. Teil: Die Konkurrenz schläft nicht

Boles konnte nun aus Pflanzenabfällen Ethanol machen. Das aber reicht ihm nicht - er will Butanol. Aber warum eigentlich Butanol?

"Ein Auto könnte man zu hundert Prozent mit Butanol betanken", sagt Boles. Mit Ethanol ist das nicht so ohne weiteres möglich. "Butanol ist auch energiedichter als Ethanol." Mit einem Liter Ethanol kommt man nur 60 Prozent so weit wie mit der gleichen Menge Benzin. Butanol hingegen hat immerhin 80 Prozent der Benzin-Power. Weitere Vorteile: Butanol ist nicht so korrosiv und wasserlöslich wie Ethanol, daher kann man es besser in bestehenden Pipelines transportieren.

Die Hefe auf Butanol-Vergärung umzurüsten war also Boles' nächste Hürde. Eigentlich kann Hefe das schon, aber nur in verschwindend geringen Mengen. Die Stoffwechselwege scheinen im Laufe der Evolution mehr oder weniger deaktiviert worden zu sein. Boles versucht, sie wieder freizulegen. Dennoch bleibt ein Problem: "Butanol ist für die Hefe sehr giftig." Noch giftiger als Ethanol. Will man eine effiziente Ausbeute - und die muss bei mindestens sieben Prozent Butanol liegen, sonst lohne sich das Ganze nicht, meint Boles - muss man einen Weg finden, die Hefe von ihrem Produkt zu trennen. Auch hierbei ist die schlechtere Wasserlöslichkeit des Butanols von Vorteil: "Man kann Butanol aus dem Gärgemisch leichter abtrennen, zum Beispiel mit Membrantechniken.". Damit würde eine energieaufwendige Destillation wie beim Ethanol entfallen. Die Ausbeute und Energieeffizienz würde damit deutlich steigen.

In die Zellulose-Ethanol-Produktion könnte Boles schon jetzt einsteigen, wenn er wollte. Zwei seiner Mitarbeiter planen eine Pilotanlage im Münsterland, die das Prinzip demonstrieren soll. Auch Boles ist schon zum Kleinunternehmer geworden - gemeinsam mit dem Ökonom und Chemiker Gunter Festel hat er die Firma Butalco mit Sitz in der Schweiz gegründet. Investoren hat er auch schon, einige seiner Mitarbeiter in den Frankfurter Labors werden mit Geldern des Windenergieproduzenten Volkswind bezahlt. Dennoch: Für ihn bleibt Butanol das Endziel.

Butanol ist nicht der einzige Kandidat für die Benzin-Nachfolge: Elektroantrieb, Wasserstoff, Bioethanol, Biomethan, Biodiesel aus Raps oder aus Holz. Fragt man Boles, ob ihn der derzeitige Trend zu Elektroautos nervös macht, bleibt der Frankfurter Professor ganz cool: "Da hapert es ja noch an der Reichweite und der Dauer der Aufladung." Er glaubt, dass es ohnehin nicht einen einzigen Energieträger geben wird, sondern viele.

Die Konkurrenz schläft nicht

Boles hat seine Zucker-Allesfresser-Hefen bereits patentiert. Allerdings sind die Laborhefen noch nicht für die Großproduktion geeignet: "Wir müssen noch einen Hefe-Stamm herstellen, der robust genug ist, auch unter industriellen Maßstäben Alkohol herzustellen." Seine ersten Zellulose-Butanol-Hefen will er jedenfalls in drei Jahren einsatzbereit haben.

Die Konkurrenz schläft nicht: Auch Chemieriese DuPont und das junge Unternehmen Gevo wollen Zellulose-Butanol herstellen, die ostdeutsche Firma Choren setzt auf die chemische Umwandlung von Holz zu Diesel. LS9 und Amyris, zwei kalifornische Firmen, sind vielleicht Boles härteste Konkurrenz - auch sie produzieren mit Bakterien und Hefe Treibstoff - allerdings nicht Butanol, sondern ein synthetisches Benzin, das dem herkömmlichen sogar noch überlegen sein soll.

Welche Antriebsart und welches Verfahren letztlich das Rennen machen wird, ist unklar. Vielleicht, so Boles, wird es auch nicht nur einen Sieger geben, sondern viele verschiedene Treibstoffe - auf Standort und Bedarf angepasst. Nur an Wasserstoff glaubt er nicht mehr.

Die Chancen für Zellulose-Sprit stehen gut. Im Jahr 2006 veröffentlichten US-Wissenschaftler im Fachmagazin " PNAS" eine Studie, in der Zellulose-Treibstoffe als effizienteste Treibstoffquellen abschnitten.

Wie auch immer - diese Art der Spriterzeugung würde einen totalen Umbruch bedeuten: Die Quelle der Treibstoffe läge nicht mehr in den Händen großer Mineralölkonzerne. Bauern könnten sich kleine Butanol-Reaktoren kaufen und ihre Pflanzenabfälle gleich vom Acker zur Hefe-Verarbeitung bringen. Der Bauernhof würde somit gleich zur Tankstelle. Mit attraktiven Preisen an der Bauernhof-Zapfsäule: 20 Cent pro Liter Zellulose-Butanol hält Boles für realistisch.

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