• Drucken
  • Senden
  • Feedback
24.08.2008
 

Archäologie

Troja-Ausgräber finden Tor im Verteidigungsgraben

Und wieder neue Entdeckungen aus Troja: Kurz vor dem Ende der diesjährigen Grabungskampagne haben Archäologen in der legendären antiken Stadt eine weitere Toranlage im Verteidigungsgraben gefunden. Bei einem anderen Fund erlebten die Forscher allerdings eine Enttäuschung.

Troja - Der Verteidigungsgraben um die Unterstadt der spätbronzezeitlichen Festung weist in südöstlicher Richtung eine Unterbrechung auf. Damit hält Grabungsleiter Ernst Pernicka eine weitere Toranlage in dem äußeren Bollwerk für erwiesen. Der Tübinger Experte erläuterte, dass bisher eine Unterbrechung des Grabens für ein Tor im Süden gefunden worden sei. Im Südwesten wurde bisher eine Toranlage durch magnetometrische Messungen festgestellt.

Der Verlauf des vier Meter breiten und zwei Meter tiefen Verteidigungsgrabens ist von großer Bedeutung für die in der Wissenschaft seit Jahren umstrittene Frage, wie groß die Stadt in der Spätbronzezeit (1750 bis 1300 v. Chr.) war. Die Forscher haben den Graben inzwischen auf 1,4 Kilometern Länge nachgewiesen. Nach Pernickas Berechnungen könnte die Stadt damit eine Fläche von bis zu 35 Hektar umfasst und bis zu 10.000 Einwohner gehabt haben.

Die Archäologen hatten erst vor wenigen Tagen eine größere Ausdehnung der antiken Stadt belegen können: Bei einem Geländeschnitt im Nordosten fanden die Forscher die lange gesuchte Fortsetzung des Verteidigungsgrabens. Bis dahin waren die Forscher davon ausgegangen, dass Troja maximal 27 Hektar groß war.

"Planvoll und mit sternförmigen Straßen angelegt"

Überraschend stellten die Archäologen zudem fest, dass ein außerhalb des Grabens freigelegtes Straßenpflaster älter als der Graben selbst ist. So datiert die darauf gefundene Keramik aus der Zeit um 1700 v. Chr. Vermutlich war der Verteidigungsgraben erst nach dem Bau der Straße ausgehoben worden. Pernicka sagte: "Es deutet sich an, dass die Unterstadt planvoll und mit sternförmigen Straßen auf die Festung hin angelegt wurde. So liegt beispielsweise das Südtor in einer Linie mit dem Haupttor der Burg."

Ein ebenfalls außerhalb des Grabens freigelegtes großes Tongefäß hat sich nach Pernickas Worten als leer erwiesen. Es war bedeckt mit einer Lage Steinen gefunden worden, die nach und nach abgetragen wurden. Ob es einst als Vorratsgefäß genutzt wurde, kann nur mit weiteren Analysen geprüft werden.

Archäologische Methoden der Datierung

Bodenradar

Von einem Sender aus werden elektromagnetische Wellen mit einer Frequenz von einigen 100 Megahertz in den Boden gelenkt und die reflektierten Signale von einer Antenne aufgefangen. Die Stärke des Signals und seine zeitliche Verzögerung wird gemessen. Diese hängen von der Bodenbeschaffenheit, besonders aber vom Wassergehalt ab. Die Informationstiefe beträgt zwei bis vier Meter.

Geomagnetismus

Geoelektrik

Radiokarbondatierung

Lumineszenzdatierung

Troja liegt an der Nordwestspitze Kleinasiens, in der Türkei. Lange Zeit war unklar, ob es den mythischen Ort aus der "Ilias" von Homer wirklich gab und wo er lag. Den Spaten an der richtigen Stelle setzte als erster der Brite Frank Calvert an, gefolgt vom legendären, aber auch umstrittenen deutschen Kaufmann und Hobbyarchäologen Heinrich Schliemann.

Die jüngste Grabungskampagne läuft seit 20 Jahren und ist die erste seit mehr als 140 Jahren.

lub/dpa

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
alles aus der Rubrik Natur

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP