Archäologie
Troja-Ausgräber finden Tor im Verteidigungsgraben
Und wieder neue Entdeckungen aus Troja: Kurz vor dem Ende der diesjährigen Grabungskampagne haben Archäologen in der legendären antiken Stadt eine weitere Toranlage im Verteidigungsgraben gefunden. Bei einem anderen Fund erlebten die Forscher allerdings eine Enttäuschung.
Troja - Der Verteidigungsgraben um die Unterstadt der spätbronzezeitlichen Festung weist in südöstlicher Richtung eine Unterbrechung auf. Damit hält Grabungsleiter Ernst Pernicka eine weitere Toranlage in dem äußeren Bollwerk für erwiesen. Der Tübinger Experte erläuterte, dass bisher eine Unterbrechung des Grabens für ein Tor im Süden gefunden worden sei. Im Südwesten wurde bisher eine Toranlage durch magnetometrische Messungen festgestellt.
Der Verlauf des vier Meter breiten und zwei Meter tiefen Verteidigungsgrabens ist von großer Bedeutung für die in der Wissenschaft seit Jahren umstrittene Frage, wie groß die Stadt in der Spätbronzezeit (1750 bis 1300 v. Chr.) war. Die Forscher haben den Graben inzwischen auf 1,4 Kilometern Länge nachgewiesen. Nach Pernickas Berechnungen könnte die Stadt damit eine Fläche von bis zu 35 Hektar umfasst und bis zu 10.000 Einwohner gehabt haben.
Die Archäologen hatten erst vor wenigen Tagen eine
größere Ausdehnung der antiken Stadt belegen können: Bei einem Geländeschnitt im Nordosten fanden die Forscher die lange gesuchte Fortsetzung des Verteidigungsgrabens. Bis dahin waren die Forscher davon ausgegangen, dass Troja maximal 27 Hektar groß war.
"Planvoll und mit sternförmigen Straßen angelegt"
Überraschend stellten die Archäologen zudem fest, dass ein außerhalb des Grabens freigelegtes Straßenpflaster älter als der Graben selbst ist. So datiert die darauf gefundene Keramik aus der Zeit um 1700 v. Chr. Vermutlich war der Verteidigungsgraben erst nach dem Bau der Straße ausgehoben worden. Pernicka sagte: "Es deutet sich an, dass die Unterstadt planvoll und mit sternförmigen Straßen auf die Festung hin angelegt wurde. So liegt beispielsweise das Südtor in einer Linie mit dem Haupttor der Burg."
Ein ebenfalls außerhalb des Grabens freigelegtes großes Tongefäß hat sich nach Pernickas Worten als leer erwiesen. Es war bedeckt mit einer Lage Steinen gefunden worden, die nach und nach abgetragen wurden. Ob es einst als Vorratsgefäß genutzt wurde, kann nur mit weiteren Analysen geprüft werden.
Archäologische Methoden der Datierung
Von einem Sender aus werden elektromagnetische Wellen mit einer Frequenz von einigen 100 Megahertz in den Boden gelenkt und die reflektierten Signale von einer Antenne aufgefangen. Die Stärke des Signals und seine zeitliche Verzögerung wird gemessen. Diese hängen von der Bodenbeschaffenheit, besonders aber vom Wassergehalt ab. Die Informationstiefe beträgt zwei bis vier Meter.
Dem Erdmagnetfeld überlagert sind minimale Abweichungen durch die unterschiedliche Magnetisierbarkeit verschiedener Materialien. So sind eisenhaltige Stoffe besser magnetisierbar und bilden deshalb selbst eine Art Magnet mit eigenem Feld. Besonders stark magnetisiert sind Strukturen aus gebranntem Lehm, weil sich beim Abkühlen die eisenhaltigen Minerale nach dem Erdmagnetfeld ausrichten und dadurch selbst zu einem stärkeren Magneten werden. Grabenfüllungen sind oft recht magnetisch, weil es Bakterien gibt, die in ihrem Körper ein magnetisches Mineral enthalten. Solche Bakterien findet man in Böden, wo Pflanzenreste verrotten. Die Informationstiefe beträgt einen bis zwei Meter.
Hierbei werden zwei Elektroden in den Boden gerammt, ein Gleichstrom angelegt und der elektrische Widerstand gemessen. Unterschiedliche Materialien haben verschiedene elektrische Leitfähigkeit. Auch hier spielt der Wassergehalt ein große Rolle. In der Archäologie misst man meist horizontal. Aus der Summe der Messwerte ergibt sich ein Bild, das Strukturen unter der Bodenoberfläche erkennen lässt. Die Informationstiefe kann bis zu etwa vier Meter betragen.
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
Sie beruht auf einem Strahlenschaden durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Elemente Uran, Thorium und Kalium. Die Halbwertszeiten der Radionuklide dieser Elemente sind so lang, dass man von einem konstanten Radioaktivitätspegel ausgehen kann. Als Sensoren für die Strahlenschäden verwendet man meist Quarz und Feldspäte, die in Keramik und in Sedimenten immer vorhanden sind. Diese Minerale senden Licht aus, wenn sie erhitzt werden (Thermolumineszenz) oder beleuchtet werden (optisch stimulierte Lumineszenz). Je älter die Keramik, desto stärker das Leuchten.
Troja liegt an der Nordwestspitze Kleinasiens, in der Türkei. Lange Zeit war unklar, ob es den mythischen Ort aus der "Ilias" von Homer wirklich gab und wo er lag. Den Spaten an der richtigen Stelle setzte als erster der Brite Frank Calvert an, gefolgt vom legendären, aber auch umstrittenen deutschen Kaufmann und Hobbyarchäologen Heinrich Schliemann.
Die jüngste Grabungskampagne läuft seit 20 Jahren und ist die erste seit mehr als 140 Jahren.
lub/dpa
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