Wölfe gelten als gewandte Jäger von Wild und Huftieren. Doch dieses Bild treffe eigentlich gar nicht zu, berichten Chris Darimont von der University of Victoria in Kanada und seine Kollegen in der Fachzeitschrift "BMC Ecology". Das Forscherteam hatte acht Wolfsgruppen beobachtet, die in einem 3300 Quadratkilometer großen Gebiet in der Küstenregion von British Columbia lebten.
Wolf in einem Gehege im Wildpark Schorfheide (Archivbild): Lachs als Leckerbissen, der viel Energie liefert
Wie erwartet, jagten die Wölfe im Frühjahr und Sommer vor allem Rehe, Hirsche und andere Huftiere. Wenn jedoch im Herbst Lachse zum Laichen die Flüsse hinaufwanderten, stellten die Raubtiere ihre Ernährung um: In 40 bis 70 Prozent der Kotproben fanden sich nun auch Reste von Lachs. Dabei fraßen die Wölfe die Meeresfische nicht etwa nur dann, wenn ihnen wenig andere Nahrung zur Verfügung stand. Immer, wenn viele Lachse in den Flüssen schwammen, zogen sie die Fische den Huftieren vor und jagten in dieser Zeit weniger Vierbeiner.
Dieses Verhalten könnte für die Wölfe Überlebensvorteile bieten: "Lachs ist sehr nahrhaft und liefert ihnen mehr Fett und Energie", erklärt Darimont. "Außerdem ist es für die Wölfe sicherer, Fische zu fangen, denn beim Jagen verletzen sie sich oft ernsthaft oder sogar tödlich." Allerdings könnte diese zusätzliche Nahrungsquelle durch menschliche Einflüsse ernsthaft gefährdet sein: Durch die Überfischung der Meere nimmt die Anzahl der Lachse immer weiter ab. "Außerdem könnten Lachse aus Zuchtbetrieben Krankheiten auf die Wölfe übertragen", sagt Darimont.
hda/ddp
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