Von Axel Bojanowski
Offen ist, was der Klimawandel in Deutschlands Wäldern anrichten wird. Während etwa die Buche nach Meinung von Forstexperten weiterhin zahlreich vertreten sein wird, können Fichten hohen Temperaturen schlecht trotzen. Die Experten empfehlen, Mischwälder zu pflanzen, um die Widerstandskraft der Forste gegen den Klimawandel zu erhöhen.
Auch Landwirte werden reagieren und in dem neuen Klima entsprechende Sorten anbauen müssen, beispielsweise mehr Hirse und weniger Weizen. Weil sich die Vegetationsperiode verlängert, können sie sich auf mehrere Ernten pro Jahr freuen. Bereits in 30 Jahren sprießen die ersten Knospen dem MPI zufolge regelmäßig Mitte Februar und nicht erst im März wie heutzutage. Dann könnten Bäume noch bis Mitte November ihr Laub tragen; also etwa einen halben Monat länger. "Ende des Jahrhunderts wird die Vegetationsperiode in Norddeutschland sogar fast übers ganze Jahr von Januar bis Dezember dauern", so die MPI-Forscher.
Reichere Ernten und neuen Getreidesorten
Die Landwirtschaft könne mit steigenden Erträgen rechnen, sagt Agrarforscher Olaf Christen von der Universität Halle-Wittenberg. Ursache seien nicht nur die wärmeren Winter, sondern auch die Zunahme von Kohlendioxid in der Luft, das als Dünger wirke. "Künftig könnten Winterformen von Hafer, Erbsen und Ackerbohnen angebaut werden, die die kalte Jahreszeit bislang selten überleben."
Zudem experimentiere man bereits mit neuen Getreidearten, die in wärmerem Klima mehr Ertrag versprechen, sagt Gerhard Wenzel von der Technischen Universität München. "Bei der Züchtung arbeiten wir mit Kollegen in Mexiko zusammen." Es herrsche Handlungsbedarf, denn in den vergangenen Jahren hätte sommerliche Hitze einen Teil der Weizenernte in Deutschland zerstört.
Deutscher Rotwein statt Mosel-Riesling
Freuen können sich derweil Liebhaber hiesiger Weine - denn "Deutschland wird zum Rotweinland", sagt MPI-Experte Kotlarski. Mit der Wärme verschiebt sich die Weinanbaugrenze nordwärts. Höhere Temperaturen sorgen für bessere Weine, da die Trauben zuckerreicher werden und ihr Destillat mehr Alkohol enthält. Begehrte Sorten aus Südeuropa werden Einzug halten, sagt Frank Eulenstein vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandforschung.
Merlot und Cabernet aus dem Rheinland? In 50 Jahren vermutlich kein Problem mehr. Ob dann aber noch Riesling an der Mosel wachsen wird, erscheint fraglich. Denn diese Traubensorte muss langsam reifen und verträgt keine Hitze. Zum Problem könnten lediglich vermehrte Niederschläge im Herbst werden. "Sie gefährden die Weinlese", sagt Eulenstein, "Fäulnis droht".
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