Den Haag - Mit den Temperaturen der Atmosphäre steigen auch die Meeresspiegel. Das Schmelzwasser von Gletschern ergießt sich in die Meere, deren Pegel durch thermische Ausdehnung zusätzlich steigt. Insbesondere in tiefgelegenen Küstengebieten löst das Sorgen aus - und das nicht nur in Ländern der Dritten Welt.
In den Niederlanden hat jetzt eine von der Regierung berufene Expertengruppe eindringlich vor den Folgen des Meeresspiegelanstiegs gewarnt. Um Katastrophen zu verhindern und das Land zu sichern, seien Milliardeninvestitionen für Gegenmaßnahmen erforderlich, erklärten die Fachleute der sogenannten Deltakommission am Mittwoch in Den Haag. Der Meeresspiegel werde voraussichtlich noch schneller ansteigen als bislang befürchtet, erklärte Ex-Agrarminister Cees Veerman, der Leiter der Kommission. Er überreichte am Mittwoch eine Langzeitstudie an Ministerpräsident Jan Peter Balkenende.
Danach müssen sich die Niederlande auf ein Ansteigen des Meeresspiegels zwischen 65 und 130 Zentimetern bis zum Jahr 2100 einrichten. Bis zum Jahr 2200 könnten es sogar zwei bis vier Meter sein. Um die "Wassersicherheit" des flachen Landes zu gewährleisten, das bereits jetzt zu rund einem Viertel unter dem Meeresspiegel liegt, seien für lange Zeit Investitionen von durchschnittlich 1,5 Milliarden Euro pro Jahr erforderlich.
Damit sollten nicht allein die Tausende Kilometer langen Deiche erhöht und neue Anlagen gebaut werden, die vor Überflutungen durch das Meer sowie große Flüsse wie Rhein und Maas schützen. Es gehe auch um "intelligente Wasserbauten", bei denen die Natur - beispielsweise durch die Erhaltung des Wattenmeeres und von Überlaufgebieten der Flüsse - gezielt eingebunden werde. Das Motto dafür lautet "Zusammenarbeiten mit dem Wasser".
Balkenende kündigte für das kommende Jahr ein Gesetz zur großzügigen Finanzierung der Wasserbauten an. Es gelte, für kommende Generationen das Leben in den Niederlanden abzusichern. "Wenn wir das vernünftig anpacken, werden die Niederlande aus dem Ringen mit dem Wasser erneut stärker als zuvor hervorgehen", sagte Balkenende.
Wissenschaftler hatten schon früher wiederholt davor gewarnt, dass die Wellen der Nordsee nach neueren Erkenntnissen eine größere Kraft entwickeln können als einst. Im Februar 1953 hatte eine Jahrhundertsturmflut im Südwesten des Landes katastrophale Zerstörungen angerichtet und 1835 Menschen getötet.
mbe/dpa
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