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24.11.2008
 

Bremen

Universität darf Affen-Versuche zunächst fortsetzen

Die Universität Bremen darf ihre Versuche an Affen zunächst fortsetzen - bis zum Jahresende. Doch endgültig entschieden ist noch nichts, ein langwieriger Rechtsstreit zwischen Tierschützern und Forschern droht.

Ein weiteres Kapitel im Rechtsstreit um Versuche mit Makaken, die Hirnforscher an der Uni Bremen unternehmen: Die rechtliche Konstellation ist dabei etwas kompliziert. Wie das Verwaltungsgericht am Montag mitteilte, trat die Bremer Gesundheitsbehörde zwar einem Eilantrag der Uni und ihres Forschers Andreas Kreiter entgegen, Tierversuche weiter zu gestatten. Bis zum Erlass einer erstinstanzlichen Sachentscheidung in dem Eilverfahren und "längstens" bis 31. Dezember habe die Sozialbehörde den Wissenschaftlern aber eine Duldung ihrer Versuche erteilt. Damit sei eine Zwischenentscheidung des Gerichts nicht mehr notwendig - und Kreiter darf einstweilen weitermachen.

Am Institut für Hirnforschung in Bremen gibt es derzeit 24 Affen. Die Experimente mit ihnen laufen seit 1998, die Genehmigung war zuletzt 2005 verlängert worden und läuft Ende November aus. Die Universität will notfalls bis zum Bundesverfassungsgericht ziehen, um die Versuche fortsetzen zu dürfen. "Dies ist ein unzulässiger Eingriff in die grundrechtlich geschützte Wissenschaftsfreiheit", hatte der Rektor der Universität, Wilfried Müller, zur Begründung erklärt. Die Bremer Gesundheitsbehörde habe nicht richtig abgewogen zwischen der Bedeutung der Versuche für die Forschung und der Belastung für die Makaken.

Die Gesundheitsbehörde unter Leitung von Senatorin Ingelore Rosenkötter (SPD) erbat sich beim Verwaltungsgericht bis zum kommenden Montag Bedenkzeit, um auf den "äußerst umfangreichen Eilantrag" der Forscher reagieren zu können. Auch gilt die Duldung der Tierversuche den Angaben zufolge nur unter der Maßgabe, dass keine neuen Tiere in die Experimente miteinbezogen werden.

Der Hirnforscher Andreas Kreiter experimentiert seit seiner Berufung 1997 mit Primaten. Nach Angaben von Reinhard Fischer, Makaken-Beauftragter der Bremer Universitätsleitung, ging es in dem nun abgelehnten Antrag um die Erforschung von Wahrnehmung und um die Entwicklung medizintechnischer Komponenten für die drahtlose Übertragung von Hirnsignalen. Bislang müssten Parkinson-Patienten dauerhaft Kabel tragen, die ins Hirn führten, sagte Fischer im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Über diese Kabel erfolgt die sogenannte Tiefenhirnstimulation. Durch gezielte Stromstöße an der richtigen Stelle tief im Gehirn können der Tremor, das für Parkinson charakteristische Zittern, oder Bewegungsstörungen unter Kontrolle gebracht werden. Die Erkenntnisse aus Affenversuchen seien für die Heilung kranker Menschen von großer Bedeutung, sagte Fischer.

chs/ddp

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