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13.01.2009
 

Grönlands Gletscherschmelze

Forscher warnen vor Panik-Prognosen

Von Christoph Seidler

Grönlands Gletscher sind dynamischer als bisher angenommen. Nach einem neuen Modell können sie nach Zeiten schneller Bewegung auch wieder zur Ruhe kommen. Forscher müssen nun die Frage beantworten, ob der massive Eisverlust der vergangenen Jahre nur eine Episode war.

Der Helheim-Gletscher in Südgrönland fließt so schnell wie kaum ein anderer Gletscher auf der Welt. Durch eine Spalte im Küstengebirge schiebt er sich mit einer Geschwindigkeit von mehreren Kilometern pro Jahr vom Inlandeis ins Meer. Zuletzt hatte es der weiße Riese besonders eilig: In den vergangenen Jahren, so berichteten Forscher, habe die Fließgeschwindigkeit vor allem im unteren Bereich massiv zugenommen. Satellitenbilder zeigten außerdem, dass die Abbruchkante des Gletschers schnell landeinwärts wanderte.

Die Beobachtungen galten als wichtiges Indiz dafür, dass sich der Klimawandel gefährlich beschleunigt haben könnte. Denn auch an anderen grönländischen Gletschern hatten sich ähnlich beunruhigende Phänomene gezeigt. Fachleute befürchteten, der beschleunigte Abfluss der Eismassen könne den weltweiten Anstieg des Meeresspiegels kräftig verstärken. Erst in der vergangenen Woche hatte ein Forscherteam im Fachmagazin "Climate Dynamics" einen Meeresspiegelanstieg von einem Meter innerhalb von 100 Jahren vorausgesagt - unter anderem mit Verweis auf den größeren Eisverlust bei Gletschern.

Neue Forschungsergebnisse eines Teams um Faezeh Nick und Andreas Vieli von der britischen Durham University legen nun aber nahe, dass die Dinge wohl komplizierter liegen. Die Wissenschaftler kommen im Fachmagazin "Nature Geoscience" zu dem Schluss, dass die Eismassen dynamischer reagieren als bisher vermutet. Auf ein paar Jahre schnellen Flusses könne durchaus auch wieder eine Zeit der Stabilität und Ruhe folgen. Die Wissenschaftler hatten in Modellrechnungen das Fließverhalten des Helheim-Gletschers untersucht und dabei verschiedene Szenarien durchgespielt, zum Beispiel:

  • Wie verändert sich das Fließen des Gletschers bei einer erhöhten Abschmelzrate infolge der Klimaerwärmung? Denn dass das kilometerdicke Inlandeis schwindet, steht in allen Diskussionen außer Frage. Doch bereits im Frühjahr hatten die US-Forscher Ian Joughin und Sarah Das im Fachmagazin "Science" berichtet, dass höhere Temperaturen an der Gletscheroberfläche den verstärkten Eistransport ins Meer nur teilweise erklären können.
  • Könnte Schmelzwasser am Grund des Gletschers als eine Art Gleitmittel agieren und so für einen beschleunigten Fluss der Eismassen ins Meer sorgen? Die Theorie ist nicht ohne Probleme. Der niederländische Forscher Roderik van de Wal hatte im Sommer 2008 in "Science" berichtet, er könne nach der Auswertung von Satellitendaten aus 17 Jahren keine Anzeichen für eine schnellere Eisabgabe von Grönland in die angrenzenden Meeresgebiete erkennen.

Weder mit den Parametern des ersten noch mit denen des zweiten Falls brachte das mathematische Modell die Ergebnisse, die sich in der Praxis hatten beobachten lassen: Der Gletscher war mehrere Jahre hintereinander besonders schnell geflossen, er hatte sich verdünnt, seine Zunge hatte sich weit landeinwärts zurückgezogen.

Erst als die Forscher untersuchten, wie sich Veränderungen an der Gletscherfront auf das Fließen des Eises auswirken könnten, gelang es ihnen, Theorie und Praxis in Übereinstimmung bringen. "Wir haben herausgefunden, dass der Gletscher selbst auf kleinste Veränderungen an der Zunge sehr stark reagiert", sagt Andreas Vieli im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Welche Prozesse in den vergangenen Jahren am Helheim-Gletscher genau abgelaufen seien, wisse man zwar nicht. Doch klar sei: "Der Gletscher ist sehr sensibel." Das bedeute auch, dass er sich nach ein paar Jahren schnellen Fließens wieder verlangsamen könne. "Wir müssen vorsichtig sein bei der Interpretation von Beobachtungsdaten", so Vieli. "Die vergangenen Jahre sind sicher kein Trend." Einige der Gletscher in Grönland seien seit 2005 wieder langsamer geworden. "Es ist schwer zu sagen, ob der beschleunigte Eisverlust vielleicht nicht nur eine Episode ist."

Klaus Grosfeld vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) lobt im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE die neuen Erkenntnisse. "Man muss vorsichtig sein mit katastrophalen Extrapolationen." Das neue Modell helfe bei besseren Vorhersagen für die Zukunft. Es sei eines der ersten Male, dass mit einem Modell die Dynamik eines grönländischen Auslassgletschers modelliert worden sei: "Großräumige Klimamodelle haben das bisher nicht erfassen können."

Die neuen Erkenntnisse lassen sich auf viele grönländische Gletscher anwenden, aber nicht auf alle. Forscher Vieli verweist darauf, dass zum Beispiel die Geometrie des Fjords am Jakobshavn Isbræ, dem schnellsten grönländischen Gletscher, so speziell sei, dass dort andere Bedingungen gelten. Forscher um David Holland von der New York University haben vor allem veränderte Meeresströmungen für die Beschleunigung dieses Gletschers verantwortlich gemacht. Sie sollen seit 1997 wärmeres Wasser an Grönlands Westküste gebracht und den Gletscher so auf eine Fließgeschwindigkeit von 14 Kilometern im Jahr 2006 beschleunigt haben.

Trotz aller räumlichen und sachlichen Einschränkungen: Die neuen Erkenntnisse werden die Diskussion wieder anfachen, wie schnell Grönlands Eispanzer tatsächlich schmilzt. AWI-Forscher Grosfeld warnt allerdings davor, die teils dramatischen Veränderungen der Gletscher nun komplett zu relativieren. "Man kann sich nicht beruhigt zurücklehnen." Ähnlich äußert sich auch Vieli: "Es ist definitiv nicht meine Absicht zu sagen, die Lage sei nicht schlimm. Ich mache mir Sorgen, dass unsere Ergebnisse von Klimaskeptikern missbraucht werden könnten."

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22.10.2009 von physik: Ach jeh...

...nichts als pauschale, unbewiesene Beschuldigungen. Vorverurteilung oder Lynchjustiz könnte man es auch nennen, wenn Sie noch einen Schritt weiter gehen... Mein wiederholter Aufruf doch eine konkrete Aussage auszudiskutieren [...] mehr...

22.10.2009 von MFKBoulder:

... Anstatt Ihr Feindbild in mich hineinzuprojizieren, sollten Sie sich besser die Frage stellen, wie weit die beiden Seen wirklich auseinander liegen, und ob es im Rahmen der Fehlerangaben nicht vielleicht doch möglich sein [...] mehr...

22.10.2009 von physik:

Wie unhöflich... aber vielleicht reicht es Ihnen ja, dass ich mich wenigstens für dieses Missverständnis entschuldige. mehr...

22.10.2009 von Yeph:

Das Problem ist, dass einige Klimawissenschaftler ganz schamlos die Leute belügen. Als Skeptiker glaube ich solchen Leuten erst einmal einige Zeit nichts mehr. Oder würden SIE ihr Geld bei "U.Geller Ltd" anlegen? [...] mehr...

22.10.2009 von Argosch: Sehen...

... Sie ich habe diesen Beitrag #2531 gelesen und direkt geantwortet und dann erst festgestellt (später), dass ihnen andere Mitforisten (unabhängig von mir) so ähnlich geantwortet hatten. Entschuldigen werde ich mich dafür [...] mehr...

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