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150 Jahre Evolutionstheorie Ist Darwin gescheitert?

3. Teil: Papst gegen Wissenschaftler: Sind Religion und Forschung miteinander vereinbar oder prinzipiell gegensätzlich?

Dass sie kann, werden die meisten Fachleute bejahen. Dass sie darf, erst recht. Benedikt aber hat mit diesem Satz denjenigen Munition geliefert, die argumentieren, dass Religion und Wissenschaft in letzter Konsequenz eben nicht kompatibel sind. Dass es zum Kern der institutionalisierten Religion gehört, zu glauben statt zu fragen und bestimmte Fragen zu verbieten. Und dass sie damit nicht nur mit der Wissenschaft, sondern mit der Moderne an sich über Kreuz liegt - so sehr sie sich auch manchmal verrenkt, um den gegenteiligen Eindruck zu erwecken.

"Darwin ist einer der großen Autoren des modernen Denkens", sagte der Zürcher Historiker Philipp Sarasin kürzlich im Interview mit der "Zeit". "Diese Moderne akzeptiert nichts Gegebenes, auch keine göttlich abgeleitete Ordnung." Deshalb ringen die Kirchen bis heute mit Darwins Lehre.

Doch zur anfangs gefürchteten Bedrohung für die Religionen ist sie, global betrachtet, nicht geworden. Gelassen können die Kirchen beobachten, dass zahlreiche Atheisten glaubhaft von sich behaupten, auch ohne Gott glücklich zu leben und nicht dem Bösen verfallen zu sein. Deren Argument, organisierter Glaube habe zu viel mehr Hass, Tod und Leid geführt als Unglaube, ist nur schwer von der Hand zu weisen. Doch geschadet hat das den Religionen kaum.

Warum die Wissenschaft schlechte Karten hat

Ironischerweise findet die Wissenschaft inzwischen Antworten darauf, warum die Evolutionslehre in Sachen gesellschaftlicher Akzeptanz kaum Chancen gegen die Religion hat. Immer zahlreicher werden die Hinweise, dass der Mensch aufgrund seines Denkorgans geradezu prädestiniert ist, an höhere Mächte zu glauben - und das nicht nur wegen seiner Furcht vor dem Tod.

So könnte die menschliche Schwäche für Götter unter anderem in den enormen sozialen Fähigkeiten von Homo sapiens wurzeln. "Menschen sind sehr gut darin, Beziehungen zu Personen jenseits ihrer physischen Präsenz zu unterhalten", schrieb der amerikanische Psychologe Pascal Boyer kürzlich im Wissenschaftsmagazin "Nature". Nur so könnten Hierarchien und Bündnisse dauerhaft funktionieren.

Zudem tragen Religionen trotz aller konfessionellen Unterschiede verblüffend universale Züge - etwa dass Götter aussehen, denken und fühlen wie Menschen. Auch rituelle Handlungen könnten der Architektur des Gehirns geschuldet sein. Es sei bekannt, dass das menschliche Denkorgan Netzwerke besitzt, die der Vermeidung von Gefahren dienen, meint Boyer. Religiöse Riten, die sich um körperliche Reinheit, räuberische Bösewichte und verborgene Bedrohungen drehen, seien vermutlich nichts weiter als ein Echo der vergangenen Jahrmillionen.

Der US-Psychologe Michael McCullough wiederum hat nach der Auswertung von Studien aus den Sozial- und Neurowissenschaften Hinweise dafür gefunden, dass religiöse Überzeugungen und Verhaltensweisen helfen, strategisch zu planen und Emotionen zu kontrollieren. Religiöse Rituale wie Gebete und Meditation, schreibt McCulloughs in der aktuellen Ausgabe des Fachblatts "Psychological Bulletin", "beeinflussen die Teile des menschlichen Gehirns, die am wichtigsten für Selbstregulierung und Selbstkontrolle sind."

Abgesehen davon, bemerkt Boyer, sei religiöses Denken "der Weg des geringsten Widerstands für unser kognitives System". Unglaube dagegen sei meist das Ergebnis bewusster, harter Arbeit gegen die natürliche Veranlagung - "keine Ideologie, die sich am leichtesten verbreiten ließe".

Bisher deutet vieles darauf hin, dass die erstaunliche Neigung des Menschen zum Glauben ein Nebenprodukt der Evolution des Gehirns ist. Vielleicht aber, meint Boyer, findet man eines Tages Beweise dafür, dass der Glaube aktiv beim Überleben der Spezies Homo sapiens geholfen hat. Auf diese Art hätte Gott bei der Evolution des Menschen tatsächlich seine Finger im Spiel gehabt.

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Atheismus und Religion
AFP
Als Charles Darwin 1859 mit seinem Buch "Die Entstehung der Arten" ("On the Origin of Species") die Evolutionslehre begründete, revolutionierte er nicht nur die Naturforschung. Er versetzte auch den theistischen Religionen einen schweren Schlag: Trete die natürliche Auslese an die Stelle der göttlichen Schöpfung, so die Befürchtung von Kirchenvertretern, könnte sie Gott überflüssig machen.





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