Mittwoch, 10. Februar 2010

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23.01.2009
 

Jahresbilanz

Menschheit vertilgt bis zu eine Milliarde Frösche

Fröschen könnte es bald ganz ähnlich ergehen wie Fischen, warnen Biologen. Der massenhafte Verzehr der Tiere lässt ihre Populationen sinken - das Überleben vieler Arten ist in Gefahr.

Seit etwa 300 Millionen Jahren besiedeln Amphibien die Erde, 5500 Arten sind bekannt. Anfang 2008 warnten Biologen jedoch vor einem massenhaften Froschsterben. Der Chytrid-Pilz stelle eine große Gefahr für die Tiere dar. Jedes Jahr sterben nach Angaben der Tierschutzorganisation Amphibian Ark mindestens zehn Froscharten allein durch den für sie verhängnisvollen Pilz aus. Weltweit gilt ein Drittel aller Amphibien als unmittelbar vom Aussterben bedroht.

Korallenfinger-Laubfrosch: "Ganzjähriger internationaler Markt"
AFP

Korallenfinger-Laubfrosch: "Ganzjähriger internationaler Markt"

Nun haben Wissenschaftler eine weitere, nicht weniger große Gefahr ausgemacht: den Menschen. Weltweit würden pro Jahr mindestens 200 Millionen, womöglich aber sogar eine Milliarde Frösche verspeist, berichten Corey Bradshaw von der University of Adeleide in Australien und seine Kollegen im Fachblatt "Conservation Biology".

"Frösche landen auf den Speiseplänen von Schulkantinen in Europa und auf Esstischen in ganz Asien", sagte Bradshaw. Amphibienarten stünden bereits jetzt wegen der Pilzerkrankung, dem Klimawandel und dem Verlust von Lebensräumen unter großem Druck. "Der große Appetit des Menschen auf ihre Beine hilft da nicht."

Das Forscherteam hat Uno-Statistiken ausgewertet, um die Menge der pro Jahr gehandelten Frösche abschätzen zu können. Frankreich und die USA sind demnach die größten Importeure, aber auch in Ostasien würden viele Froschschenkel vertilgt. Als größter Exporteur gilt Indonesien. Der Handel mit Wildfröschen sei bislang unterschätzt worden, betonen die Wissenschaftler. Er habe in den vergangenen 20 Jahren auch zugenommen. Von den Handelsstatistiken würde jedoch nur ein Teil der tatsächlich von Land zu Land verkauften Frösche erfasst.

"Der Froschschenkel-Handel hat sich von einem saisonalen Geschäft für den Konsum vor Ort zu einem ganzjährigen internationalen Markt entwickelt", sagte Bradshaw. Er befürchtet, dass die Jagd nach Fröschen sich bald ähnlich entwickeln wird wie der Fischfang. Am Anfang kollabierten die Bestände in Europa und Nordamerika, dann folgten Populationen in Indien, Bangladesh - und nun möglicherweise Indonesien. Das Fehlen von grundlegenden Fangstatistiken rufe bei ihm große Besorgnis hervor, sagte der australische Ökologe.

Wohin ein unkontrollierter Fang führen kann, zeigt sich in den Weltmeeren. Sie wurden in der Vergangenheit regelrecht geplündert. In bestimmten Regionen ist kein Fischfang mehr möglich, 77 Prozent aller Bestände weltweit gelten als überfischt. Nach Ansicht von Tierschützern muss die Menschheit ihren Hunger auf Fisch deutlich reduzieren, um den Fischpopulationen die Chance zu geben, sich zu erholen.

hda

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