Von Heike Le Ker
Streng geht es zu auf einer Bootstour zwischen den Galápagos-Inseln: Kein Sandkorn darf mit einem Touristenturnschuh seinen Weg von einer Insel auf das Schiff finden. Steine oder Muscheln als Andenken zu sammeln ist tabu, Tiere zu berühren zählt zu den schwersten Vergehen. Auf den mehr als 130 Inseln des Archipels, auf denen sich Leguane, Pinguine, Kormorane und Riesenschildkröten ihren Lebensraum teilen, hat alles seinen Platz - der Mensch soll diese Ordnung nicht stören.
Unermüdlich warnen die Fremdenführer ihre neugierigen Gäste, keine Sträucher oder Insekten zu verschleppen, zahlreiche Schilder und Broschüren mahnen die Touristen, auf die Natur Rücksicht zu nehmen.
Doch die Artenvielfalt auf Galápagos ist in Gefahr. Rund 150.000 Touristen besuchten 2006 die pazifische Inselgruppe, die gut tausend Kilometer vor der Küste von Ecuador liegt. Dazu kommen 27.000 Einwohner auf den fünf besiedelten Inseln. Und die Invasion des Menschen hat Spuren hinterlassen.
Die Hälfte aller endemischen Tierarten und jede fünfte einheimische Pflanze ist bedroht. Seit 2007 stehen die Galápagos-Inseln auf der Roten Liste des bedrohten Welterbes der Uno-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (Unesco).
Das größte Problem sind die fremden Pflanzen, Insekten und Säugetiere, die der Mensch einschleppt. Mittlerweile gibt es auf den Inseln mehr eingeführte Sträucher und Gewächse (rund 720 Arten) als einheimische (rund 500), und auch fast jedes vierte Insekt ist fremd, wie die Unesco 2006 über Galápagos berichtete.
Den "Schaukasten der Evolution" schützen
Dabei ist gerade die Artenvielfalt der einheimischen Tiere das Besondere der Inseln. Hier gibt es die Galápagos-Riesenschildkröte, den Galápagos-Landleguan, die Galápagos-Winterkrabbe, den Galápagos-Pinguin. Die reiche Flora und Fauna der Inseln hatten einst Charles Darwin, Begründer der Evolutionstheorie, zu seiner Selektionstheorie und seinem revolutionären Werk "Über die Entstehung der Arten" inspiriert. Rund 40 Prozent der Tierarten sind endemisch, das heißt, sie leben nur auf dem Archipel. Sterben sie hier aus, sind sie für immer von der biologischen Inventarliste der Welt gestrichen.
Um das zu verhindern, kämpfen Wissenschaftler, Tierschützer und Ökoaktivisten in mehreren Organisationen für den Erhalt des "Schaukastens der Evolution", wie die Unesco die Galápagos-Inseln 2007 nannte. Vor allem den kontinuierlich anschwellenden Strom von Reisenden wollen sie eindämmen: "Wir haben die Regierung eindringlich gebeten, die Zahl der Touristen gesetzlich zu limitieren", sagt Felipe Cruz, technischer Direktor der 1959 gegründeten Charles Darwin Foundation, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Die Anzahl der Touristen hängt ganz eng mit der Zahl der gefährdeten Arten zusammen."
Dort, wo Darwin einst einsam über die Vulkanlandschaften strich, stehen heute Hotels, Internet-Cafés, Bars und Bungalows. Marc Patry vom Welterbe-Zentrum der Unesco beklagt im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE, dass "die Einheimischen trotzdem noch mehr Hotels wollen".
Die gut 50.000 Touristen, die sich in den Hotels und Pensionen auf den Inseln einmieten, bringen jedes Jahr knapp 30 Millionen Euro. Bei den rund 100.000 Schiffsreisenden, die sich ein paar Tage von einer Insel zur anderen fahren lassen, fällt noch deutlich mehr ab: jährlich rund 88 Millionen Euro. "Tourismus sollte nur auf die Boote beschränkt sein", fordert Patry. Zahl und Verhalten der Reisenden ließen sich dann optimal kontrollieren.
Doch nicht nur die Gäste, auch die Schiffe selbst und Fischerboote können Arten verschleppen. Die Charles Darwin Station hatte 2006 genau 171 Insektenarten identifiziert, die von Schiffslichtern bei Nacht angezogen werden und so Gefahr laufen, von einem Eiland zum anderen transportiert zu werden.
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Ich halte nicht viel von dem Argument, dass die Gesetze zum Schutz der Natur gewissermaßen unmenschlich seien, da sie die Not und Armut der Leute außer acht ließen. Das wird gerne Europäern oder Angehörigen aus Industrieländern [...] mehr...
Ich war letztes Jahr auf den Galapagos Inseln und habe auf einer biologischen Station gearbeitet. Das Problem beginnt schon beim Hinflug. Ingala kontrolliert zwar das Gepäck und sprüht im Flugzeug alle Gepäckstücke ein, aber was [...] mehr...
Hallo, auf den Galápagos steht ganz deutlich Ökonomie gegen Ökologie. Doch bevor wir werten, sollte bedacht werden, dass Ecuador der zweitärmste Staat Südamerikas ist, enorm viele Emigranten hat, keine eigene Währung besitzt [...] mehr...
Es ist schon ironisch, daß die Insel, die Darwin zur Formulierung der Evolutionstheorie veranlasst hat, jetzt vor der Evolution beschützt werden muß. Denn so sehr man dafür ist, seltene und einzigartige Tierarten zu erhalten, im [...] mehr...
Das ganze Problem nur auf den Tourismus zu beschränken, ist etwas naiv. Natürlich schleppen Touristen ungewollt fremdes Leben irgendwo ein - ich bin auch schon in Zürich los geflogen, mit einer Stubenfliege im Flugzeug als treuen [...] mehr...
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