Von Heike Le Ker
Gefährlich werden die Fischerboote aber vor allem für das marine Ökosystem, das ebenfalls unter dem Schutz der Unesco steht: Besonders Haifischflossen und Seegurken gelten in einigen Ländern der Welt als Delikatessen - viele Unterarten sind daher bedroht. Obwohl es auf den Galápagos-Inseln seit 1994 verboten ist, die 27 Haiarten zu jagen, fangen Fischer die Tiere noch immer, schneiden ihnen die Flossen ab und werfen sie blutend wieder ins Meer.
Auch die Seegurkenart Isostichopus fuscus ist schwer überfischt: Nachdem der Fang der bis zu 20 Zentimeter langen Tiere 1999 erlaubt wurde, lag die Zahl der gefischten Tiere innerhalb von drei Monaten zwischen sechs und zehn Millionen. Tierschützer vom Galápagos-Nationalpark fangen nun immer wieder illegal fischende Boote ab und versuchen so, die Unterwasserwelt zu schützen.
An Land treiben Katzen, Hunde, Ziegen, Ratten, Schweine, Pferde, Esel, Hühner und Enten ihr Unwesen. Die Population von Ziegen auf der Insel Isabela etwa war vor zehn Jahren auf bis zu 125.000 Tiere gewachsen. Sie konkurrierten mit den 15.000 Riesenschildkröten um Nahrung, machten ihnen den Raum für Nistplätze streitig und bedrohten das Überleben von Vögeln, Insekten und Pflanzen.
Frohlocken über 16 Eier
Beherzt entschieden sich die Artenschützer, die Ziegen auszurotten. Mit Jägern zu Lande und in der Luft schossen sie einzelne Tiere ab. Ganze Herden lockten sie mit sogenannten Judasziegen zusammen, die Peilsender trugen und auffällig farblich markiert waren. So ausgestattet verrieten die Tiere den Aufenthaltsort ihrer Artgenossen an die Jäger. Das Projekt endete erfolgreich: Seit 2006 ist Isabela frei von Ziegen, kurz darauf folgten die Inseln Floreana und Santiago.
Die mittlerweile berühmte Schildkröte "Solitario George" bereitet dem Galápagos-Nationalpark (GNP) hingegen Probleme. Der "Einsame George" - letztes bekanntes Exemplar der Unterart Geochelone nigra abingdoni - will sich einfach nicht fortpflanzen. Die GNP-Mitarbeiter hatten ihm zwei Weibchen von nah verwandten Arten vorgesetzt, doch 20 Jahre lang passierte so gut wie nichts. Im vergangenen Jahr entdeckte das Team plötzlich 16 intakte Eier, freute sich schon und steckte sie allesamt in den Inkubator. Doch drei Monate später folgte die Enttäuschung: Fast alle verloren an Gewicht - ein schlechtes Zeichen. Felipe Cruz von der Charles Darwin Foundation bestätigte gegenüber SPIEGEL ONLINE: "Aus keinem Ei ist eine Schildkröte geschlüpft, jetzt können wir wieder nur auf neue Eier hoffen."
Die Liste der Artenschutz-Projekte ist lang: Mit Malaria befallene Pinguine müssen behandelt, der Lebensraum von Land- und Wasser-Leguanen geschützt und Feuerameisen ausgerottet werden. Trotz aller Herausforderungen und Rückschläge arbeiten die Naturschützer unermüdlich.
Seit Rafael Correa vor zwei Jahren Präsident Ecuadors wurde, setzt sich auch die Regierung klar für den Erhalt der Artenvielfalt auf Galápagos ein. "Jetzt arbeiten der private Sektor, Naturschützer und die internationale Gemeinschaft zusammen", sagt Felipe Cruz. "Ich glaube, dass wir eine bessere Zukunft vor uns haben."
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