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24.02.2009
 

Niederlande

Kreationisten verteilen Anti-Evolutions-Broschüre

Heute hatten alle niederländischen Haushalte Post im Briefkasten. Der Absender: Christliche Fundamentalisten, die in einer Broschüre gegen Darwins Evolutionslehre wettern. Kirchenvertreter distanzierten sich von der Aktion.

Amsterdam - In den Niederlanden ist der seit langem schwelende Streit von fundamentalistischen Christen und Anhängern der Evolutionslehre nun öffentlich ausgebrochen. Anlass ist nach Medienberichten vom Dienstag die Verteilung einer Broschüre an alle Haushalte des Landes. 30 christliche Organisationen greifen darin Darwins Evolutionslehre an. Die Evolution sei wissenschaftlich nicht bewiesen, heißt es darin - ungeachtet der Tatsache, dass praktisch kein seriöser Biologe die Existenz der Evolution bestreitet.

Artenvielfalt (Zeichnung): "Evolution oder Schöpfung? Was glaubst Du?"
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Corbis

Artenvielfalt (Zeichnung): "Evolution oder Schöpfung? Was glaubst Du?"

Die massenhafte Verbreitung "religiöser Meinungen" per Wurfsendung werde vielfach kritisiert, schrieb die Zeitung " De Telegraaf". Dagegen erklärte der Koordinator der Broschürenaktion, Kees van Helden, dass es gerade im Darwin-Jahr erlaubt sein müsse, "offene Fragen" anzusprechen. Der Humanistische Verband der Niederlande bezeichnete die Broschüre "Evolution oder Schöpfung? Was glaubst Du?" als "Ausdruck orthodoxen Übermuts". Verbandsvorsitzender Rein Zunderdorp: "Ärgerlich ist vor allem, wie respektlos darin mit wissenschaftlichen Erkenntnissen umgegangen wird."

Atheismus und Religion

Evolution und göttliche Schöpfung

AFP
Als Charles Darwin 1859 mit seinem Buch "Die Entstehung der Arten" ("On the Origin of Species") die Evolutionslehre begründete, revolutionierte er nicht nur die Naturforschung. Er versetzte auch den theistischen Religionen einen schweren Schlag: Trete die natürliche Auslese an die Stelle der göttlichen Schöpfung, so die Befürchtung von Kirchenvertretern, könnte sie Gott überflüssig machen.

Kreationismus

Intelligent Design

Weltweite Verbreitung der Religion

Atheismus

Der Soziologie-Professor Wout Ultee von der Universität Nijmegen, der zu den Organisatoren des Darwin-Jahres gehört, sprach von einem "schweren Geschütz". Es sei falsch, die Menschen aufzufordern, sich zwischen Evolution und Schöpfungsglaube zu entscheiden. Die Protestantische Kirche in den Niederlanden distanzierte sich von der Broschürenkampagne. "Die Wissenschaft liegt nicht im Streit mit dem Glauben an Gott", erklärte Kirchensekretär Arjan Plaisier. "Die Bibel spricht von Gott als Schöpfer, aber man darf die Bibel nicht als biologisches Handbuch lesen."

Den meisten Niederländern dürfte der Inhalt der Broschüren ohnehin herzlich egal sein: Bei einer groß angelegten Erhebung der EU vor drei Jahren stellte sich heraus, dass nur etwa jeder dritte Niederländer überhaupt an einen Gott glaubt.

lub/dpa

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