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26.02.2009
 

Interne Befruchtung

Fische hatten schon vor 380 Millionen Jahren Sex

Eiablage und anschließende Befruchtung: So lief Fortpflanzung bei Wirbeltieren vor 380 Millionen Jahren ab - dachten Forscher zumindest bisher. Stimmt nicht, sagen britische und australische Paläontologen. Sie haben anhand von Fossilien herausgefunden: Die Fische befruchteten damals schon intern.

"Sex hat sehr viel früher begonnen, als wir gedacht haben", sagte Zerina Johanson vom Naturhistorischen Museum in London. Die Paläontologin und australische Wissenschaftler stießen beim Studium von 380 Millionen Jahre alten Fischfossilien auf Embryonen. Bislang wurde angenommen, dass die Befruchtung von weiblichen Eizellen innerhalb des Körpers und Lebendgeburten erst vor 350 Millionen Jahren bei Wirbeltieren einsetzte - zuvor war die Eiablage und die anschließende Befruchtung die vermutete Regel. Nun ist klar: Die fischähnlichen Plattenhäuter befruchteten ihre Weibchen schon vor 380 Millionen Jahren direkt, anstatt den Samen in die gelegten Eier zu legen.

In der westaustralischen Gogo-Formation hatten Wissenschaftler bereits vor knapp 30 Jahren schwangere Plattenhäuter gefunden. Bisher hielt man die fossilen Embryonen jedoch für Mageninhalt. Neue Funde sind jedoch eindeutiger: Im fossilen Mutterleib der Spezies Incisoscutum ritchiei sind zweifellos Embryonen erkennbar, sagen die Forscher. Und sie halten dies für den ältesten Hinweis auf Befruchtung im Mutterleib und Lebendgeburt in der Plattenhäuter-Ordnung der Arthodira, wie sie in der Fachzeitschrift "Nature" berichten. "Wir haben erwartet, dass diese frühen Fische eine primitivere Fortpflanzungsart gehabt hatten, bei der sich Spermien und Eier im Wasser verbinden und die Embryonen sich außerhalb des Fisches entwickeln", sagte Johanson.

Ihr Kollege John Long vom Museum Victoria in Melbourne sagte: "Sobald wir in dieser Gruppe Embryonen gefunden hatten, wussten wir, dass sie eine interne Befruchtung hatten." Danach blieb die Frage: "Wie haben sie das angestellt?"

Anhand der neuen Entdeckungen konnten die Wissenschaftler nicht nur vormalige Embryofunde als solche identifizieren, sondern auch neue Annahmen über den Körperbau der Arthodira machen: Bei Flossen im Beckenbereich handelt es sich möglicherweise um sogenannte Klaspern - Fortpflanzungsorgane, wie sie bei Haien oder Rochen vorkommen. Unklar ist, warum sich solche Flossen auch bei Arten finden, die bekanntermaßen nicht lebend gebären. Trotz dieser Ungereimtheit sind die neuen Daten ein wichtiger Hinweis für die Rekonstruktion des Stammbaums der frühen Wirbeltiere, erklären die Forscher.

Incisoscutum ritchiei gehört zur Klasse der Plattenhäuter(Placodermi), die im Erdaltertum bis zum Devon lebten. Jetzt wollen die Forscher erkunden, welchen Platz die Placodermi in der Evolutionsgeschichte einnahmen und untersuchen, ob sie eher mit Haien und Rochen oder eher mit anderen Knochenfischen wie dem Thunfisch und dem Schwertfisch verwandt sind.

lub/AP/ddp

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