Von Holger Dambeck
Jordin Kare kennt sich aus mit tödlichen Waffen. Jahrelang arbeitete er als Physiker am Lawrence Livermore National Laboratory, in dem Wissenschaftler seit 1952 fürs US-Militär forschen. Kares Spezialgebiet sind Laserstrahlen, er engagiert sich seit einigen Jahren für das Projekt Weltraumfahrstuhl. Die Energie, mit der sich ein Lift an einem schmalen Band in die Höhe hievt, soll dabei mittels Laser übertragen werden.
Kares neuestes Projekt ist nun die Bekämpfung von Moskitos, welche die Malaria übertragen. Vor allem in Schwarzafrika tötet die Krankheit jedes Jahr Hunderttausende. Kare will das gemeinsam mit anderen Forschern ändern - mit einer Waffe, die er Weapon of Mosquito Destruction nennt. Eine Anspielung auf den Begriff Weapon of Mass Destruction, also Massenvernichtungswaffe.
Mit einem Laserstrahl wollen die Physiker dem Malaria-Überträger, der Anopheles-Mücke, den Garaus machen. Nach Angaben der Forscher werden die Insekten von dem Laser regelrecht getoastet und fallen tot zu Boden. Ironie der Geschichte: Vor mehr als 20 Jahren waren manche der Laser-Experten schon einmal an einem Projekt beteiligt, bei dem energiereiche Strahlen eine wichtige Rolle spielen sollten. Es ging darum, russische Raketen mit Lasern vom Himmel zu holen.
Dass ihr neues Konzept zur Malaria-Bekämpfung prinzipiell funktioniert, haben die Forscher bereits Anfang 2008 demonstriert. Mücken, die sich in einem 30-Liter-Aquarium befanden, wurden von einer Kamera erfasst. Für Licht sorgten mehreren kleine Taschenlampen. Ein PC wertete die Bilddaten der Kamera permanent aus - und lieferte die Zielinformationen für den kleinen Laserstrahl.
Laser tötet in Sekundenbruchteilen
"Wir können die Mücken sofort töten. Oder aber sie sterben bei geringerer Laserstärke binnen weniger Stunden", sagt Kare SPIEGEL ONLINE. Nach seinen Angaben reicht schon der Bruchteil einer Sekunde aus, um die Mücken zu bekämpfen, und in der Regel bewegen sich die Mücken auch während der kurzen Dauer des Pulses nicht stark. "Bei manchen Tests nutzen wir Niedrigenergie-Laser und verfolgen die Moskitos für ein paar Zentimeter."
Selbst wenn nur schwächere Laser zum Einsatz kommen, könne man den Insekten Schaden zufügen, etwa an ihren Augen. Man wisse aber nicht genau, ob dies die Tiere davon abhalte, Menschen zu stechen. Dies müsse noch erforscht werden, betont Kare.
Der Moskito-Laser stellt nach Angaben der Forscher für Menschen keine Gefahr dar. Und auch andere Tiere sollen nicht zu Schaden kommen. So kann das System angeblich sogar männliche und weibliche Moskitos unterscheiden - anhand der Flügelschlagfrequenz. Übertragen wird die Malaria nur von den Weibchen.
Mücken töten, Schmetterlinge schonen
Der Laserstrahl soll äußerst effektiv arbeiten: "Man könnte Milliarden von Mücken in einer Nacht töten, ohne Schmetterlingen Schaden zuzufügen", sagte Nathan Myhrvold dem "Wall Street Journal". Myhrvold, einst Manager bei Microsoft, arbeitet mittlerweile bei der Firma Intellectual Ventures, die Patente sammelt und Erfinder finanziert. Myhrvolds Engagement in den Moskito-Laser geht auf eine Bitte von Bill Gates zurück, nach neuen Wegen im Kampf gegen die Malaria zu suchen. Der ehemalige Microsoft-Chef finanziert über eine Stiftung unter anderem auch die Erforschung von Malaria.
Wie könnte der Moskito-Laser eingesetzt werden? Die Forscher denken beispielsweise an einen virtuellen Zaun bestehend aus mehreren Lasern. Mücken, die dem geschützten Gebiet zu nahe kommen, würden dann von Laserstrahlen getötet. "Unser Ziel ist, die Laser bis zu hundert Meter voneinander entfernt zu plazieren", erklärt Kare. Vier Laser würden dann ausreichen, ein oder mehrere Häuser zu schützen. Aber auch Drohnen, kleine unbemannte Flugzeuge oder Hubschrauber, könnten mit dem Laser bestückt werden und Moskitos jagen.
Die Kosten eines solchen Laser-Zauns sollen ähnlich niedrig sein wie bei anderen Schutzmaßnahmen, etwa Insektennetze oder das Versprühen von Insektiziden, hofft Kare. Wenn man ein ganzes Dorf mit einer Handvoll Systemen schützen könne, dann sollten ein paar Dollar pro Person reichen. Die Kosten für Sensoren, PC und Laser seien ohnehin in den vergangenen Jahren drastisch gesunken.
Der Moskito-Laser ist nicht die erste verrückt erscheinende Idee, um die gefährliche Tropenkrankheit in den Griff zu bekommen. So haben Forscher vorgeschlagen, die Anopheles-Mücke genetisch so zu verändern, dass sie dem Malaria-Verursacher Plasmodium keinen Lebensraum mehr bietet. Ein durchaus bedenkenswerter Ansatz: Im Laborversuch vermehrten sich derartig genveränderte Mücken besser als ihre normalen Artgenossen. Auch mit radioaktiver Strahlung glauben Wissenschaftler, das Malaria-Problem womöglich lösen zu können. Die Bestrahlung sterilisiert die männlichen Insekten und verhindert so die Fortpflanzung.
Korrektur: In diesem Text wurde ursprünglich ein Foto von einer Tigermücke gezeigt, die Malaria jedoch nicht übertragen kann. Der Fehler geht auf eine falsche Bildbeschreibung der Fotoagentur zurück. Das Foto ist nun durch eine Aufnahme von einer Anopheles-Mücke ersetzt.
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