Washington - Eigentlich ist der Trick ganz einfach: Die Korallen der Gattung Leiopathes wachsen äußerst langsam. Pro Jahr legen sie im Schnitt vier Mikrometer zu, also weniger als die Größe eines Staubkorns. Forscher um Brendan Roark von der Stanford University berichten im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences", wie sie dem Wachstum in Superzeitlupe auf die Spur gekommen waren.
Vor Hawaii sammelten die Wissenschaftler in einer Tiefe von 400 bis 500 Metern mit Hilfe von Tauchbooten lebende Korallenstücke ein. Die Gattung Leiopathes gehört zu den Schwarzen Korallen und wächst in Kolonien aus zigtausend winzigen Einzelorganismen, sogenannten Polypen. Alle Tiere stehen miteinander in Verbindung und bilden so eine einzige große, lebende Einheit, die in ihrer Struktur an einen Baum erinnert und mehrere Meter groß werden kann.
Die Korallen wachsen, indem sich die Polypen teilen. Das machten sich die Forscher zunutze: Mit Hilfe der Radiokarbonmethode bestimmten sie das Alter einiger Polypen und zwar sowohl von der Korallenbasis, also den ältesten Teilen, als auch von den Spitzen, wo die jüngsten Polypen sitzen. Aus der Altersdifferenz und der Größe der Korallen errechneten sie dann die Wuchsgeschwindigkeit der Tiere. Dabei fanden die Wissenschaftler heraus, dass diese wesentlich langsamer wachsen, als sie erwartet hatten. Frühere Untersuchungen hatten sich an einer Art von Altersringen orientiert: Für die Gattung Gerardia, die ebenfalls zu den Schwarzen Korallen gehört, hatten Forscher auf diese Weise ein maximales Alter von 70 Jahren geschätzt. Damit lagen sie offenbar weit daneben: Den neuen Ergebnissen zufolge ist die Koralle 2700 bis 4200 Jahre alt - und wächst pro Jahr 35 Mikrometer.
Korallenkolonien sind für ihre Artenvielfalt bekannt. Bedroht sind sie vor allem durch die Schleppnetzfischerei, die ganze Riffe innerhalb kurzer Zeit dem Meeresboden gleichmacht. Doch auch das Abernten für die Schmuckindustrie hat vielerorts deutliche Spuren hinterlassen. Hinzu kommt seit einigen Jahren der Einfluss des Klimawandels, der die Meere versauern lässt - und damit die Lebensbedingungen für die Korallen verschlechtert.
Ihr hohes Alter und das extrem langsame Wachstum seien nur ein Grund mehr, warum die bedrohten Nesseltiere dringend unter Schutz gestellt werden müssen, erklärten die Forscher.
chs/ddp
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