Washington - Sechs Jahre lang hat ein Team von rund 300 Wissenschaftlern in 25 Ländern daran gearbeitet, das Genom einer Kuh zu analysieren. Die Forscher hatten sich eine Kuh der in der Fleischproduktion eingesetzten braunbunten Rasse Hereford vorgenommen. Nun liegt das Ergebnis des Teams um Richard Gibbs vom Baylor College of Medicine in Texas vor - und damit zum ersten Mal eine Information dieser Art über einen Wiederkäuer.
Kühe, so wissen die Forscher nun, haben mindestens 22.000 Gene. Im Fachjournal "Science" (Vol. 324 S. 522) berichten Gibbs und seine Kollegen, dass die Tiere laut einem ersten Vergleich näher mit dem Menschen verwandt sind als etwa mit Mäusen oder Ratten. Von den mindestens 22.000 Genen, die im Kuhgenom die Herstellung verschiedener Proteine regeln, kennen die Wissenschaftler 14.345 von anderen Säugetierarten.
Diese Gene könnten für die medizinische Forschung besonders interessant sein, glauben die Forscher. Die Kuh hat 29 Chromosomen und die Geschlechtschromosomen. Die Wissenschaftler hatten nur das weibliche X-Chromosom, nicht das männliche Y-Chromosom analysiert.
Das Kuhgenom scheint sich seit der Abspaltung von den anderen Säugern deutlich umgebildet zu haben, berichten die Forscher. Es verfüge über auffallend viele Regionen mit Wiederholungen und Dopplungen, die auf vielfältige Anpassungen an die besondere Lebensform der Wiederkäuer hindeuten. Gibbs und seine Kollegen hoffen, dass die Besonderheiten im Genom der Kühe auch beim Verständnis von Erkrankungen beim Menschen und deren möglicher Behandlung helfen. Außerdem hoffen sie auf Fortschritte in der Fleisch- und Milchproduktion.
chs/dpa
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