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29.04.2009
 

Washington

Heiße Luft beim Klimagipfel

Von Christian Schwägerl

Ernüchterung in Washington: US-Präsident Obama hatte die 17 größten Umweltsünder-Staaten zum Klimagipfel eingeladen - und keine konkreten Ergebnisse erzielt. Es ist ein erster Dämpfer für die Hoffnung, dass im Dezember in Kopenhagen ein neues Weltklimaabkommen zustande kommt.

Washington - Offiziell überschlagen sich die Teilnehmer des Klimagipfels in Washington mit Lob. "Ich bin sehr zufrieden", sagt Michael Froman, einer von US-Präsident Barack Obamas führenden Umweltschutzstrategen. "Wir preisen den Gastgeber USA", sagte der Repräsentant der EU-Kommission, Joao Vale de Almeida. "Es gab eine substantielle Diskussion", behauptete Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD).

Greenpeace-Protest beim Klimagipfel: Warten auf Ergebnisse
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AFP

Greenpeace-Protest beim Klimagipfel: Warten auf Ergebnisse

Nach dem "Major Economies Forum on Energy and Climate", zu dem Obama Vertreter der 17 Nationen mit dem höchsten CO2-Ausstoß nach Washington eingeladen hatte, wird Optimismus vorgegaukelt. Die EU, Kanada, USA, Indien, China, Indonesien, Russland, Japan, Brasilien, Mexiko und Südkorea behaupten, sie hätten an einem Strang gezogen, damit wie geplant im Dezember ein neues Weltklimaabkommen auf den Weg gebracht werden kann. "Wir haben wirklich geredet, nicht nur vorgefertigte Manuskripte vorgetragen", sagte US-Chefunterhändler Todd Stern.

Prima Klima also? Mit greifbaren Ergebnissen konnten die Länder, die drei Viertel des weltweiten Kohlendioxidausstoßes verursachen, nicht aufwarten. Groß ist zumindest bei den Europäern die Erleichterung darüber, dass sich die USA nach den Bush-Jahren wieder aktiv an den Klimaschutzverhandlungen beteiligen. Die Amerikaner beanspruchten sogar die Führungsrolle in der Klimafrage.

Wie jedoch ein neues Weltklimaabkommen aussehen könnte, das einer gefährlichen Erwärmung der Erdatmosphäre entgegenwirkt, bleibt weiterhin offen. Nur noch halb so viel Kohlendioxid wie 1990 dürfe die Menschheit zur Jahrhundertmitte in die Atmosphäre blasen, solle die Erwärmung auf durchschnittlich zwei Grad Celsius beschränkt bleiben, meinen Forscher.

EU besteht auf ambitionierten Zielen

Obamas Chefwissenschaftler - der Nobelpreisträger und Energieminister Steven Chu und der Präsidentenberater John Holdren - referierten vor den Umweltministern und Klimaunterhändlern im US-Außenministerium zwar akribisch den Stand der Wissenschaft. Der Plan, für das Jahr 2020 eine verbindliche Zwischenetappe einzulegen - wie beim Klimagipfel auf Bali im Dezember 2008 gefordert - fand aber zu wenig Unterstützung. Die EU pocht darauf, dass alle Industriestaaten, auch die USA, ihre Emissionen schon bis 2020 um 25 bis 40 Prozent gegenüber 1990 reduzieren und bis 2050 um 80 Prozent. Zudem sollen auch Länder wie China konkrete Ziele verfolgen. Obama aber will am liebsten gar kein verbindliches Ziel bis 2020. Erst für 2050 will er sein Land auf eine international gültige Zahl verpflichten.

China, inzwischen weltweit größter CO2-Emittent, weigert sich weiterhin, überhaupt Verpflichtungen einzugehen. Die Chinesen trugen in Washington ambitionierte nationale Klimaziele vor, aber international zusagen wollen sie davon nichts. Amerikaner und Chinesen haben Angst davor, sich gegenseitig Wettbewerbsvorteile zu verschaffen und die Bevölkerung inmitten der Wirtschaftskrise zu überfordern.

Bundesumweltminister Gabriel deutete nach dem Treffen an, dass die EU zu Zugeständnissen bereit sei - etwa den USA für das Mittelfristziel bis 2030 statt bis 2025 Zeit zu lassen. "Die haben durch Bush einfach zehn Jahre verloren, das ist schwer wettzumachen", sagte Gabriel. China könne mit erheblichen Finanzhilfen für den Klimaschutz rechnen - aber nur, wenn es dafür nachweisliche CO2-Reduktionen im Rahmen eines neuen Weltklimaabkommens gebe.

Doch gerade beim Thema Geld hat der Gipfel wenig gebracht. "Wir haben so lange über CO2-Minderung geredet, dass dafür keine Zeit blieb", sagte US-Unterhändler Stern. Keine Bewegung habe es bei der Frage gegeben, wie die vielen Milliarden Euro jährlich in den Klimaschutz investiert werden müssen, sagte Gabriel. Davon aber hängt ab, wie konstruktiv sich die Entwicklungsländer an den Verhandlungen beteiligen werden.

Die Teilnehmer des Klimagipfels boten als Trost nur an, dass ihre Zusammenkunft lediglich das erste von drei ähnlichen Treffen war, die bis zum G-8-Gipfel im Juli in Italien stattfinden. Spätestens dann beginnt der Endspurt zum Weltklimagipfel Mitte Dezember in Kopenhagen. Gabriel warnte vor "Mikadospielen" vor dem Kopenhagen-Gipfel: "Verhandeln nach dem Motto 'wer sich zuerst bewegt, verliert', das funktioniert nicht."

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insgesamt 36 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
09.10.2009 von realist01:

Augenwischerei und Ablenkung ist Deine Bemerkung. Verbraucht ein Mensch in Indien pro Kopf mehr fossile Brennstoffe, als einer in Deutschland? Und hilft es dem Leser, wenn man nach Ausreden sucht, die gar nichts mit der Aussage [...] mehr...

01.05.2009 von Diomedes: Die Kurzsichtigkeit des Marktes...

Allenfalls, wenn man die gesetzlichen Vorgaben und Regeln so einrichtet, dass tatsächlich energiesparende und schadstoffarme Produktion rentabel sind, könnte der Markt beim Klima- und Umweltschutz helfen; in allen anderen Fällen [...] mehr...

29.04.2009 von Interessierter0815:

So ist er halt, der mündige VERBRAUCHER.... mehr...

29.04.2009 von Interessierter0815:

Das hat nichts mit hysterische Augenwischerei zu tun - die Kunden sollen kaufen, auch wenn die alten Geräte noch brauchbar sind. Und McK & Co. propagieren genau diesen Schwachsinn. mehr...

29.04.2009 von CMH:

Diesen Satz kann man gar nicht groß genug schreiben! Danke dafür! Immer wieder lustig, wenn sich unsere Weltverbesserer darüber aufregen, daß ich ein Auto fahre, daß 2 Liter mehr als der Durchschnitt verbraucht. Und danach [...] mehr...

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