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30.04.2009
 

Kampagne in deutschen Städten

Werbung für ein Leben ohne Gott

Von Jens Lubbadeh

Gottlos glücklich: In Großbritannien und Spanien rollten sie bereits, nun sollen auch in deutschen Städten Busse Werbung für ein glückliches Leben ohne Gott machen. Die atheistischen Initiatoren sehen sich als Aufklärer, nicht als Missionare.

Wohnen Sie in Köln, München oder Berlin? Dann wundern Sie sich nicht, wenn möglicherweise bald ein Stadtbus an Ihnen vorbeifährt, auf dem folgende ungewöhnliche Botschaft prangt: "Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott. Aufklärung heißt, Verantwortung übernehmen."

Philipp Möller, einer der Organisatoren der Kampagne, ist stolz: In den vier Tagen seit Start der Website sind schon über 3500 Euro zusammengekommen. Rund 16.000 Euro fehlen noch.

Konfessionslosen eine Stimme geben

Möller und sechs weitere Personen haben zusammen die Kampagne ins Leben gerufen. In der Gruppe sind mehrere Generationen vertreten: Der Älteste ist rund 60, Möller mit seinen 28 Jahren der Jüngste. Drei von ihnen arbeiten in PR-Agenturen, kennen sich also damit aus, wie man Botschaften unters Volk bringt. Möller, selbst Diplom-Pädagoge, will sich aber weder als Kreuzzügler noch als Missionar sehen: "Wir wollen die Menschen nur informieren - in einer aufgeklärten Gesellschaft sollte man so etwas öffentlich sagen können, ohne bestraft zu werden."

Atheismus und Religion

Evolution und göttliche Schöpfung

AFP
Als Charles Darwin 1859 mit seinem Buch "Die Entstehung der Arten" ("On the Origin of Species") die Evolutionslehre begründete, revolutionierte er nicht nur die Naturforschung. Er versetzte auch den theistischen Religionen einen schweren Schlag: Trete die natürliche Auslese an die Stelle der göttlichen Schöpfung, so die Befürchtung von Kirchenvertretern, könnte sie Gott überflüssig machen.

Kreationismus

Intelligent Design

Weltweite Verbreitung der Religion

Atheismus

Es sind viele, die sich keinem Glauben zugehörig fühlen oder sogar nicht an einen Gott glauben: nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gehören rund ein Drittel aller Deutschen keiner Religion an. Eine 2005 durchgeführte Erhebung von AP-Ipsos ergab, dass nur 22 Prozent der Deutschen keine Zweifel an der Existenz Gottes hegen. Atheisten und Agnostiker kommen dagegen gemeinsam auf 23 Prozent (siehe Fotostrecke). "Wir möchten diesen Leuten endlich eine Stimme geben", sagt Möller.

"Gott ist für mich eine Hypothese"

Die Giordano Bruno Stiftung unterstützt die Buskampagnen-Aktion, ebenso die Atheisten-Vereinigung " Brights". Welcher Spruch jedoch bald auf den Bussen prangen wird, muss sich noch zeigen - denn es wird nicht einfach der englische Slogan übernommen. Kandidaten sind:

  • "Gottlos glücklich - ein erfülltes Leben braucht keinen Glauben"
  • "Gott ist eine Behauptung. Menschenrechte sind real. Auf uns kommt es an"
  • "Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott. Aufklärung heißt, Verantwortung übernehmen."

Welcher dieser Sprüche letztlich auf den Bussen in Köln, Berlin und München zu lesen sein soll, können die Spender auf www.buskampagne.de selbst entscheiden. Dennoch sei man mit den englischen Kampagnen-Machern vernetzt: "Wir stehen mit Ariane Sherine in Kontakt", erzählt Möller.

Kennengelernt haben sich die sieben Organisatoren der Kampagne über die " Brights", jedoch nur einer von ihnen sei dort auch Mitglied, erzählt Möller. Er selbst sieht sich als überzeugter Skeptiker: "Gott ist für mich nur eine Hypothese", sagt er. Viel kritischer hingegen sieht er die selbsternannten Gottesvertreter: "Die christliche Religion, der Islam und das Judentum beruhen auf Grundannahmen, die falsch sind", meint Möller. Es gehe ihm und den anderen darum, zu zeigen, dass Religion nicht die Grundlage der Moral ist, dass es eine Moral ohne Glauben gibt.

Da die sieben Gottlosen nicht wussten, wie ihre Aktion ankommen würde, hatte man auch einen Plan B entwickelt: "Sollten wir das Spendenziel nicht erreichen, würden wir statt Bussen eine Fahrradkampagne starten", sagt Möller. Doch wenn es in dem Spenden-Tempo weiter geht, wird Plan B wohl nicht mehr benötigt werden und in wenigen Wochen schon könnten die Busse rollen. Womöglich nicht nur in Köln, Berlin und München. Sollte noch mehr Geld zusammenkommen, so Möller, wolle man das Ganze auch auf andere Städte ausdehnen.

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