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30.04.2009
 

Virus A/H1N1

Schweinegrippe breitet sich in den USA aus

Die Zahl der Infektionen wächst: In den US-Bundesstaaten Nebraska und Alabama gibt es die ersten Schweinegrippe-Fälle, auch Spanien registriert weitere Infektionen. Mediziner warnen, das Virus könne mutieren - und dadurch noch viel gefährlicher werden.

Washington/Luxemburg/Berlin - Ein totes Kind, mehr als 100 bestätigte Infektionen - die USA sind nach Mexiko am stärksten von der Schweinegrippe betroffen. Das Virus ist nach offiziellen Angaben bereits in 20 Bundesstaaten in Menschen nachgewiesen worden. In Nebraska wurde der A/H1N1-Erreger bei einem 40-jährigen Mann mit Wohnsitz in Kalifornien identifiziert. Der Mann machte Urlaub in Nebraska, als er erkrankte. Er befinde sich aber bereits auf dem Weg der Besserung, sagte eine Sprecherin der Gesundheitsbehörde. Auch der Bundesstaat Minnesota hat einen ersten Infektionsfall gemeldet.

Weil sich das Virus immer weiter verbreitet, rechnen Beobachter damit, dass die Weltgesundheitsorganisation WHO schon bald die Pandemie-Warnstufe 6 ausrufen könnte. Jedoch bestehe derzeit dazu noch kein Anlass, sagte Keiji Fukuda, stellvertretender Generaldirektor der WHO, in einem Presse-Briefing am Donnerstag.

Erst in der Nacht zum Mittwoch hatte die WHO Stufe 5 beschlossen. Stufe 6 besagt, dass Infektionen weiter zunehmen und die gesamte Bevölkerung betroffen ist. Dies ist jedoch nicht gleichbedeutend mit vielen Todesopfern. Bislang verlaufen die Erkrankungen relativ mild, Patienten genesen binnen weniger Tage, so auch die drei betroffenen Deutschen. Mediziner warnen jedoch davor, dass sich das Virus ändern und doch noch viele Menschen töten könnte.

Die Gesundheitsminister der 27 EU-Staaten haben im Umgang mit der Schweinegrippe keine einheitliche Linie gefunden. Bei einem Krisentreffen der Minister am Donnerstag in Luxemburg wiesen Deutschland und eine Reihe weiterer Mitgliedstaaten die Forderung Frankreichs nach einem Flugverbot nach Mexiko zurück. Auch Italien erntete mit seinem Vorschlag einer gemeinsamen Beschaffung und Vorratshaltung von Anti-Grippe-Medikamenten und eines eventuellen Impfstoffs Ablehnung.

Die italienische Regierung rief Bürger auf, nach der Heimkehr aus Mexiko sieben Tage zu Hause zu bleiben und unverzüglich ihren Arzt zu informieren. Der Aufruf gilt vor allem Lehrern und Schülern. In dem Land gab es jüngst rund 20 Verdachtsfälle auf Schweinegrippe.

Frankreichs Ressortleiterin Roselyne Bachelot verlangte nachdrücklich ein Verbot von Flügen nach Mexiko. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt wies das Anliegen zurück. "Ich halte das im Moment nicht für die richtige Maßnahme, dass man sagt: 'Flüge nach Mexiko finden nicht statt'", sagte sie. Passagiere an Bord könnten gut informiert werden.

Die spanische Gesundheitsministerin Trinidad Jiménez sprach von einer "drastischen Maßnahme", die "vollkommen unnütz" sei. Spanien sei bereit, schärfere Kontrollen an Grenzen und Flughäfen zu akzeptieren, nicht aber Reisebeschränkungen. Aus Diplomatenkreisen hieß es, schon am Mittwoch habe sich im Kreise der 27 EU-Botschafter keine Mehrheit für den Vorschlag gefunden.

In einem Entwurf der gemeinsamen Schlussfolgerungen rief die Ministerrunde die EU-Mitgliedstaaten und die Europäische Kommission auf, im Kampf gegen die Seuche eng zu kooperieren. Die EU will auch prüfen, Mexiko und anderen "von der Krankheit am stärksten betroffenen Ländern" bei der Eindämmung der Schweinegrippe zu helfen. Außerdem soll so schnell wie möglich ein Impfstoff entwickelt werden.

Nach Angaben der WHO gibt es weltweit bislang 257 bestätigte Erkrankungsfälle durch Schweinegrippe, 99 davon in Mexiko, 27 innerhalb der Europäischen Union. In Spanien sind 13 Menschen erkrankt, in Großbritannien acht, in Deutschland drei und in Österreich, der Schweiz sowie in den Niederlanden einer. Bis auf einen Fall in Spanien, wo vermutlich eine Mexikoreisende ihren Partner ansteckte, waren alle Erkrankten in Europa zuvor in Mexiko gewesen. In Mexiko sind laut WHO bisher zwölf Menschen an der Schweinegrippe gestorben.

Keiji Fukuda sagte, dass der Pharmahersteller Roche die Produktion des antiviralen Mittels Tamiflu erhöht habe. Zudem habe Roche fünf Millionen Einheiten des Medikaments an die WHO gespendet, ein Teil davon werde an Mexiko geliefert.

Noch ist nicht geklärt, ob die Schweinegrippe möglicherweise erstmals innerhalb Deutschlands von Mensch zu Mensch übertragen worden ist. Eine Krankenschwester und ein ehemaliger Zimmernachbar eines 37-Jährigen, der das Virus aus Mexiko eingeschleppt hat, könnten infiziert worden sein, wie die Behörden am Donnerstag mitteilten. Der 37-jährige Mann wird derzeit in Regensburg in einem Krankenhaus behandelt. Er ist einer der drei in Deutschland bestätigten Grippefälle.

Den beiden unter Umständen an Schweinegrippe Erkrankten geht es den Behörden zufolge gut. Das Untersuchungsergebnis, ob sie sich wirklich infiziert haben, wurde noch am Donnerstag oder am Freitag erwartet.

WHO will nicht mehr von "Schweinegrippe" sprechen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird übrigens künftig nicht mehr die Bezeichnung Schweinegrippe verwenden. Dieser Name sei irreführend, erklärte WHO-Sprecher Dick Thompson am Donnerstag in Genf. Die Organisation werde künftig die wissenschaftliche Bezeichnung H1N1 A gebrauchen. Zuvor hatten sich bereits die EU und die USA für eine Umbenennung der Schweinegrippe ausgesprochen, da die Bezeichnung suggeriere, dass es sich um eine Lebensmittelinfektion handele. Auch Israel kritisierte den Begriff und bezeichnete ihn als Beleidigung für Juden und Muslime. In beiden Religionen gelten Schweine als unreine Tiere, ihr Verzehr ist verboten.

Das Schweinegrippe-Virus

Der Erreger

Es handelt sich um ein Influenza-A-Virus mit der Bezeichnung H1N1, das sich von Mensch zu Mensch übertragen kann - vor allem durch Händeschütteln, Niesen und Husten. Ein H1N1-Virus war auch der Auslöser der Spanischen Grippe, die zwischen 1918 und 1920 weltweit mindestens 25 Millionen Menschen getötet hat.

Die Symptome

Die Gefahr

Antivirale Mittel

Wandlungsfähigkeit von Grippeviren

hda/lub/ore/Reuters/dpa/AP

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