Berlin - Ärzte müssen ab Sonntag alle Fälle von Infektionen mit dem Influenza-Erreger A/H1N1 den Behörden melden. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums tritt dann eine Rechtsverordnung in Kraft, mit der die Arztmeldepflicht nach dem Infektionsschutzgesetz auf die neue Grippe ausgedehnt wird.
Isolierstation in Dorsten: Sechs bestätigte Fälle der neuen Grippe in Deutschland
Die Schweinegrippe greift unterdessen weltweit weiter um sich. Die Zahl der bestätigten Fälle stieg am Samstag in Europa auf 39. Neun Länder der EU und die Schweiz sind betroffen. In Deutschland gibt es bislang sechs bestätigte Fälle.
Ein mit dem H1N1-Virus infizierter Mexiko-Reisender habe nicht nur wie bereits bekannt eine Krankenschwester, sondern auch einen Zimmernachbarn in der Klinik im niederbayerischen Mallersdorf angesteckt, sagte der Chef des Robert-Koch-Instituts (RKI), Jörg Hacker. Es handle sich um einen Mann aus Bayern, so Hacker. Er war bisher bereits als Verdachtsfall geführt worden. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit erklärte, der neu infizierte Patient zeige inzwischen keine Grippe-Symptome mehr.
Damit wurden bereits zwei Menschen in Deutschland mit dem Virus infiziert, die selbst nicht im Ursprungsland Mexiko waren. Die bisher bundesweit nachgewiesenen sechs Fälle, darunter fünf in Bayern und einer in Hamburg, verliefen milde, sagte Hacker. Insgesamt gebe es 30 weitere Verdachtsfälle.
Weltweit sind inzwischen mindestens 635 Menschen mit dem Erreger infiziert, teilte das Europäische Seuchenbekämpfungszentrum ECDC in Stockholm mit. Schwerpunkte bleiben Mexiko und die USA: In beiden Ländern zusammen starben bislang 17 Menschen an dem Virus. Von den Ansteckungen sind laut ECDC allein in Europa vier Menschen betroffen, die zuvor nicht in Mexiko gewesen sind. Eine Krankenschwester aus Niederbayern steckte sich bei einem Patienten an. Ein 24 Jahre alter Schotte holte sich das Virus von einem befreundeten Ehepaar, das seine Flitterwochen in Mexiko verbracht hatte.
Erste bestätigte Fälle in Frankreich
Unterdessen wurden auch in Frankreich am Freitag die ersten Schweinegrippe-Fälle bestätigt. Laut Gesundheitsministerin Roselyne Bachelot wurden zwei Erkrankungen nachgewiesen. Auch in Italien gibt es nach Medienberichten inzwischen den ersten bestätigten Fall.
Die Gesundheitsbehörden warnen weiter vor Panik. Ein Sprecher der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sagte am Freitagabend in Genf, die Menschen hätten noch viele Möglichkeiten, sich selbst vor dem Erreger zu schützen. Die Mehrzahl der Fälle verlaufe sehr milde. RKI-Chef Jörg Hacker warnte allerdings vor einer möglichen zweiten Welle der Grippe. Das Virus könne mutieren und dadurch gefährlicher werden. So war es zum Beispiel im Fall der sogenannten Spanischen Grippe im Jahr 1918 geschehen, die erst bei ihrer zweiten Reise um den Globus ihre volle tödliche Wucht entfaltet hatte.
Bei der Beschaffung von Grippemedikamenten wie Tamiflu wird nach SPIEGEL-Informationen auf Länderebene ein Lieferengpass befürchtet. Der Pharmakonzern Roche habe "soeben telefonisch und per Fax mitgeteilt, dass sie noch über einen Bestand von 180.000 Packungen Tamiflu verfügen", heißt es etwa in einer E-Mail des thüringischen Gesundheitsministeriums. Roche suche schon nach einer Sprachregelung, um den Ausdruck "nicht mehr lieferbar" zu umgehen. In der Basler Zentrale von Roche hieß es lediglich, es sei "eine Erhöhung der Produktion eingeleitet" worden. Doch in erster Linie gehe es darum, die Krisenregion Lateinamerika mit Tabletten zu versorgen.
Die Seuchenbekämpfung ist hierzulande vor allem Ländersache: Der nationale Pandemieplan in Deutschland sieht vor, dass die Länder antivirale Medikamente ordern, die für etwa 20 Prozent der Bevölkerung ausreichen. Sie können die Symptome einer Influenza deutlich abmildern. Zugleich soll damit Zeit überbrückt werden, bis es einen wirksamen Impfstoff gegen das Virus gibt. Die ersten Schritte für die Impfstoffentwicklung laufen derzeit. Ein endgültiger Beschluss zur Massenherstellung des Vakzins ist noch nicht gefallen. Nachdem die Pharmakonzerne grünes Licht für die Impfstoffentwicklung erhalten haben, dürften nach Ansicht von Experten etwa drei Monate vergehen, bis die Substanz auf dem Markt ist.
300 Hotelgäste und -mitarbeiter in Hongkong in Quarantäne
Viele Länder treffen derzeit weitere Sicherheitsvorkehrungen, um die Ausbreitung des Influenzaerregers einzudämmen. In China wurden die 200 Gäste und hundert Mitarbeiter eines Hotels in Quarantäne genommen. In dem Haus in Hongkong hatte ein Mexikaner übernachtet, der an der Schweinegrippe erkrankt ist und derzeit behandelt wird.
China strich Samstag alle direkten Flüge aus Mexiko, um die Möglichkeiten von Infektionen einzudämmen. Auch in Singapur werden Ankömmlinge aus Mexiko in Quarantäne genommen. Der Stadtstaat führte zudem eine Visumpflicht für Mexikaner ein. In Südkorea wurde der zweite asiatische Fall von Schweinegrippe nach Hongkong nachgewiesen.
Die Gesundheitsminister südostasiatischer Staaten wollen am kommenden Freitag in Bangkok Beratungen über den Kampf gegen die Schweinegrippe aufnehmen, teilte ein Sprecher des thailändischen Außenministeriums mit. Neben Vertretern der zehn ASEAN-Mitglieder seien auch Minister aus China, Japan und Südkorea eingeladen. Im Mittelpunkt der Beratungen stünden Möglichkeiten zur Aufstockung der Grippemittel in den einzelnen Ländern.
Im Kampf gegen eine weitere Ausbreitung der Grippe schloss Mexiko am Freitag für fünf Tage alle Behörden und privaten Betriebe, die keine lebenswichtigen Dienstleistungen verrichten. Die sonst so belebte Metropole Mexiko-Stadt wirkte daraufhin vielerorts wie ausgestorben. Als Vorsichtsmaßnahme wurden auch in den USA Dutzende weiterer Schulen geschlossen. Insgesamt ruht der Unterricht bereits in mehr als 400 Schulen in 18 US-Staaten.
Eine Maschine der US-Fluggesellschaft United Airlines legte am Freitag auf dem Flug von München nach Washington eine unplanmäßige Zwischenlandung in Boston ein, weil eine Passagierin über grippeähnliche Beschwerden geklagt hatte. Die 53-Jährige habe den Flugbegleitern von ihren Symptomen berichtet, sagte ein Sprecher des Flughafens von Boston. Das US-Zentrum für Seuchenkontrolle habe daraufhin vorsichtshalber zur nächstmöglichen Landung geraten. Die Frau verließ den Angaben zufolge das Flugzeug und wurde zur Untersuchung in ein Krankenhaus in Boston gebracht
chs/AP/dpa/AFP
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ich schau immer 'mal hier rein. Einerseits belustigt es mich (rkinfo) oder es wird mir zu viel (Elke Ospert). Generelles Schmunzeln oder Kopfnicken enstehen bei Ihnen und krasso. Also nix für Ungut, ich beobachte alles. ;-) mehr...
Gute Geschäfte dank Schweinegrippe Eigentlich sah es für die Pharmakonzerne nicht gut aus: Steigende Konkurrenz durch Generika-Verschreibungen drückten auf Umsätze und Gewinne. Doch die Schweinegrippe sorgt für [...] mehr...
...und zwar gleich neben den Verkehrstoten. Die sind nur eine Erfindung der Verkehrsschilderlobby im Verband mit den Ampelherstellern. mehr...
Wissen Sie, was wirklich toll wäre? Wenn Sie wortwörlich, bzw. 1:1 irgendwelche Passagen übernehmen, diese als Zitat kennzeichnen und auch die Quelle anzugeben würde. Ansonsten ist es sehr missverständlich, man [...] mehr...
a) Schon unsere Vorfahren hatte ähnliche Zahlen. Und Epidemien gabs schon immer zu verzeichnen. b) Die Grippesaison in Euro ist der kalendarische Winter und nicht der November oder Sommer (Mallorca 2009). Nur grippale [...] mehr...
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