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02.05.2009
 

Grippemedikamente

Bundesländer befürchten Tamiflu-Lieferengpass

Sechs bestätigte Fälle der Schweinegrippe gibt es derzeit in Deutschland. Sie können, so versichern Mediziner immer wieder, mit den aktuell erhältlichen Medikamenten gut behandelt werden. Allerdings fürchtet man auf Länderebene nach SPIEGEL-Informationen Lieferengpässe.

Berlin - Zumindest für manche hat die Furcht vor einer neuen Influenzapandemie durchaus auch angenehme Seiten: Pharmakonzerne, die Grippemedikamente herstellen, können sich derzeit über massiv steigende Absatzzahlen freuen. Der Großteil der Bestellungen konzentriert sich auf das Medikament "Tamiflu" des Herstellers Roche, in niedrigerem Umfang kann auch das Unternehmen GlaxoSmithKline vom verstärkten Verkauf seines Produkts "Relenza" profitieren.

Grippemittel "Tamiflu": "Roche zerbricht sich derzeit den Kopf, nach außen nicht einen 'stock out' melden zu müssen."
DPA

Grippemittel "Tamiflu": "Roche zerbricht sich derzeit den Kopf, nach außen nicht einen 'stock out' melden zu müssen."

Beispielhaft zeigt sich das an einer Bestellung, die das US-Gesundheitsministerium kürzlich angekündigt hat. Washington wolle weitere 13 Millionen Dosen an Antiviralen Medikamenten für insgesamt 251 Millionen Dollar bestellen, hieß es. Von der Order würden 80 Prozent auf "Tamiflu" und 20 Prozent auf "Relenza" entfallen. Auch in Deutschland macht das Roche-Präparat den Großteil der eingelagerten Grippemedikamente aus, wie Jörg Hacker, der Chef des Robert-Koch-Instituts am Mittwoch auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE noch einmal bestätigt hatte: "Die Einlagerung hat sich im wesentlichen mengenmäßig auf 'Tamiflu' konzentriert, wenn auch nicht ausschließlich."

In Deutschland gibt es derzeit sechs bestätigte Fälle mit dem neuen Influenzaerreger und rund 30 Verdachtsfälle. Ärzte müssen ab Sonntag alle Fälle von Infektionen mit dem Influenza-Erreger A/H1N1 den Behörden melden. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums tritt dann eine Rechtsverordnung in Kraft, mit der die Arztmeldepflicht nach dem Infektionsschutzgesetz auf die neue Grippe ausgedehnt wird.

RKI-Chef Hacker hatte beim täglichen Pressebriefing am Samstagvormittag den zweiten Fall einer Mensch-zu-Mensch-Infektion bekanntgegeben. Zudem gebe es derzeit 30 Verdachtsfälle. Neu bestätigt wurde die Krankheit jetzt bei einem Mann aus Bayern, der im Krankenhaus des niederbayerischen Ortses Mallersdorf im selben Zimmer wie ein infizierter Mexiko-Urlauber lag. Dieser hatte auch eine Krankenschwester angesteckt. Der Mexiko-Urlauber lag laut Hacker wegen einer anderen Erkrankung in der Klinik. Die Grippe wurde deshalb erst später diagnostiziert. Nach Angaben des RKI-Chefs sind alle sechs Patienten entweder austherapiert oder befinden sich auf dem Weg der Besserung. Die eingesetzten Medikamente wie etwa "Tamiflu" wirkten gut, heißt es immer wieder.

Bestellboom und beginnende Lieferschwierigkeiten

Fakt ist: Auch in deutschen Amtsstuben werden derzeit oder in den kommenden Tagen hektisch Bestellzettel für neue Grippemedikamente ausgefüllt werden. Das liegt unter anderem daran, dass längst nicht alle Bundesländer derzeit die angepeilten Lagerbestände für 20 Prozent der Bevölkerung vorrätig haben. Und offenbar erhöht das Bundesgesundheitsministerium den Druck auf solche Länder, die bisher nicht genügend antivirale Medikamente eingelagert haben.

So kündigte etwa Baden-Württembergs Gesundheitsministerin Monika Stolz (CDU) an, man wolle die Vorräte an "Tamiflu" aufstocken. Sie werde dem Kabinett am Montag vorschlagen, genügend Medikamente für die Versorgung von 20 Prozent der Bevölkerung vorzuhalten. Bislang beträgt die Versorgungsquote 14 Prozent. Dies entspricht 1,4 Millionen Therapieeinheiten.

So löblich der Plan von der Aufstockung der Reserven ist, gibt es doch ein Problem: Nach SPIEGEL-Informationen fürchtet man auf Länderebene Lieferengpässe. So heißt es in einer E-Mail des thüringischen Gesundheitsministeriums an die Zuständigen in den Bundesländern: Roche habe "soeben telefonisch und per Fax mitgeteilt, dass sie noch über einen Bestand von 180 000 Packungen Tamiflu verfügen". Gerade mal eine Stunde bleibe Zeit, um von dem Angebot Gebrauch zu machen. Weiter in der Mail: "Roche zerbricht sich derzeit den Kopf, nach außen nicht einen 'stock out' melden zu müssen, und möchte hierzu mit dem Bundesgesundheitsministerium eine Sprachregelung finden."

In der Basler Zentrale von Roche heißt es lediglich, es sei "eine Erhöhung der Produktion eingeleitet" worden. Doch in erster Linie gehe es darum, die Krisenregion Lateinamerika mit Tabletten zu versorgen. Auch GlaxoSmithKline hat versprochen, seine Produktionskapazitäten zu erhöhen. Das Unternehmen erklärte, man peile eine Kapazität von fünf Millionen Therapieeinheiten pro Woche an. Die Aufstockung des Medikamentenausstoßes werde aber 12 bis 14 Wochen dauern.

Nach aktuellen Zahlen des Informationsdienstleisters "Insight Health" boomt der "Tamiflu"-Absatz in Deutschland. Vom 22. bis 28. April seien rund 115.000 Packungen des Grippemittels über den pharmazeutischen Großhandel an Apotheken verteilt worden. Damit wären innerhalb einer Woche so viele Packungen über den Ladentisch gegangen wie sonst in einem ganzen Winter.

Der Bundesverband des Apothekenhandels erklärte, die Apotheken seien "grundsätzlich noch lieferfähig". Aus einzelnen Regionen wie Hamburg und dem Raum Regensburg war gemeldet worden, dass in Apotheken die Vorräte an Mundschutz sowie den verschreibungspflichtigen Grippemitteln "Tamiflu" und "Relenza" knapp würden.

Verbraucherschützer und Gesundheitsexperten warnen vor einer Selbstmedikation mit den Arzneien. RKI-Chef Jörg Hacker warnte: "Mit falscher Dosierung könnten resistente Varianten angereichert werden." Denn das ist ein Problem, über das niemand gern nachdenkt: Noch, so versichern die Forscher, spricht der neue Erreger gut auf die antiviralen Mittel an, die die Behörden - je nach Bundesland in verschieden großen Mengen - vorhalten. Doch was passiert, wenn sich Resistenzen bilden? Auf die Möglichkeit hatten US-Forscher bereits im März nach Analyse der saisonalen Grippeerkrankungen der vergangenen beiden Winter hingewiesen.

Dazu kommen bei einem eigenmächtigen Kauf des Mittels im Internet mögliche Qualitätsprobleme. Zahlreiche Betrüger im Internet nutzen die Grippeangst einiger Menschen aus. Im Netz wimmelt es derzeit von dubiosen Angeboten. "Drohende Epidemien werden von Betrügern genutzt", sagt auch Evelyn Keßler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Es sei dringend davon abzuraten, über das Internet besorgte Grippemittel ohne ärztlichen Rat einzunehmen. "Da ist das Risiko zu groß", warnt Keßler.

Es sei zwar nicht grundsätzlich gefährlich, über das Internet Arzneien zu bestellen. Bei außereuropäischen Versendern sei aber Vorsicht geboten, empfahl die Verbraucherschützerin. "Außerdem ist es viel wichtiger, sofort zum Arzt zu gehen, wenn man Symptome hat."

Das Schweinegrippe-Virus

Der Erreger

Es handelt sich um ein Influenza-A-Virus mit der Bezeichnung H1N1, das sich von Mensch zu Mensch übertragen kann - vor allem durch Händeschütteln, Niesen und Husten. Ein H1N1-Virus war auch der Auslöser der Spanischen Grippe, die zwischen 1918 und 1920 weltweit mindestens 25 Millionen Menschen getötet hat.

Die Symptome

Die Gefahr

Antivirale Mittel

Wandlungsfähigkeit von Grippeviren

chs/AP/dpa/AFP

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26.11.2009 von Schwarzfalke: Ach doch...

ich schau immer 'mal hier rein. Einerseits belustigt es mich (rkinfo) oder es wird mir zu viel (Elke Ospert). Generelles Schmunzeln oder Kopfnicken enstehen bei Ihnen und krasso. Also nix für Ungut, ich beobachte alles. ;-) mehr...

26.11.2009 von willhy:

Gute Geschäfte dank Schweinegrippe Eigentlich sah es für die Pharmakonzerne nicht gut aus: Steigende Konkurrenz durch Generika-Verschreibungen drückten auf Umsätze und Gewinne. Doch die Schweinegrippe sorgt für [...] mehr...

26.11.2009 von KPunkt:

...und zwar gleich neben den Verkehrstoten. Die sind nur eine Erfindung der Verkehrsschilderlobby im Verband mit den Ampelherstellern. mehr...

26.11.2009 von KPunkt:

Wissen Sie, was wirklich toll wäre? Wenn Sie wortwörlich, bzw. 1:1 irgendwelche Passagen übernehmen, diese als Zitat kennzeichnen und auch die Quelle anzugeben würde. Ansonsten ist es sehr missverständlich, man [...] mehr...

26.11.2009 von rkinfo:

a) Schon unsere Vorfahren hatte ähnliche Zahlen. Und Epidemien gabs schon immer zu verzeichnen. b) Die Grippesaison in Euro ist der kalendarische Winter und nicht der November oder Sommer (Mallorca 2009). Nur grippale [...] mehr...

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