ThemaSchweinegrippeRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
02.05.2009
 

Schweinegrippe

Experten geben vorsichtig Entwarnung

Trotz steigender Zahlen sind die Seuchenexperten leicht optimistisch: Das neue Grippevirus ist offenbar weniger gefährlich als der Erreger der verheerenden Spanischen Grippe von 1918. Die Weltgesundheitsorganisation mahnt weiter zur Wachsamkeit. In Deutschland sind sechs Fälle bekannt.

Genf - Von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kommen einigermaßen beruhigende Signale: Die WHO hebt ihre Pandemiewarnstufe wegen der Schweinegrippe einstweilen nicht auf den Höchstwert sechs an. WHO-Abteilungsleiter Michael Ryan sagte am Samstagnachmittag, es gebe bisher keine Anzeichen für nachhaltige Ausbreitung außerhalb Nordamerikas. Deswegen werde man vorerst weiter mit der Warnstufe fünf arbeiten. Eine Anhebung auf die Stufe sechs sei aber weiterhin möglich, eine Pandemie stehe möglicherweise noch unmittelbar bevor.

H1N1-Test in Großbritannien: "Insgesamt verlaufen die bisherigen Infektionen relativ milde."
AFP

H1N1-Test in Großbritannien: "Insgesamt verlaufen die bisherigen Infektionen relativ milde."

Nach Einschätzung der WHO besteht aber kein Anlass für eine voreilige Entwarnung. "Diese Viren mutieren, sie ändern sich, sie können sich mit anderem genetischen Material neu gruppieren, mit anderen Viren", sagte Ryan. Es wäre deshalb unklug, sich zu diesem Zeitpunkt von Hinweisen beruhigen zu lassen, das neue Virus sei schwächer als zunächst befürchtet.

Tatsache ist: Die Erkrankung breitet sich derzeit zwar weltweit aus, aber vergleichsweise langsam. In den USA berichten die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) über 160 bestätigte Fälle in 21 Bundesstaaten. CDC-Mitarbeiter erklärten, das neue Virus sei offenbar weit weniger gefährlich als der Erreger der verheerenden Spanischen Grippe von 1918. Mit ihm ist A/H1N1 eng verwandt. An der spanischen Grippe waren vor 90 Jahren mehr als 25 Millionen Menschen gestorben.

Erste Fälle in Asien

In Mexiko, wo das Virus im April erstmals aufgetreten war, wurde der Erreger laut WHO inzwischen bei 397 Menschen festgestellt. 16 Menschen starben dort bisher nachweislich an A/H1N1. Die tatsächlichen Zahlen dürften aber um einiges höher liegen. In dem lateinamerikanischen Land steht das öffentliche Leben weiter still. Inzwischen sind auch die ersten Fälle aus Asien bekannt. In Hongkong und in Südkorea bestätigten die Behörden die ersten Infektionen mit dem Influenza-Virus vom Typ A/H1N1. In Hongkong wurde ein 25-jähriger Mexikaner am Freitag positiv auf das Virus getestet. Er war über Shanghai nach Hongkong gereist und am Donnerstagabend mit Fieber in ein Krankenhaus eingeliefert worden. In Südkorea bestätigte sich ein Verdachtsfall.

In Hongkong stellten die Behörden als Vorsichtsmaßnahme 300 Gäste und Angestellte eines Hotels unter Quarantäne, in dem sich der junge Mann aufgehalten hatte. Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden in weißen Schutzanzügen bewachten die Lobby des Hotels, vor dem Gebäude sind Polizisten im Einsatz. Das Hotel soll sieben Tage lang unter Quarantäne bleiben. Bislang zeigt niemand Krankheitssymptome.

Die Behörden verteidigten aber ihre scharfe Reaktion auf den Schweinegrippefall: "Weil dies der erste bestätigte Fall in Hongkong ist, entschieden wir uns für eine strikte Maßnahme, um die Verbreitungskette des Virus zu durchschlagen", erklärte Thomas Tsang vom Hongkonger Zentrum für Gesundheitsschutz. Nach dem Ausbruch der Lungenkrankheit Sars im Jahr 2003 wurde das chinesische Territorium wegen zu langsamer Reaktion und zu später Quarantänemaßnahmen kritisiert. Damals waren weltweit 800 Menschen gestorben, 650 von ihnen in China und in Hongkong.

In Hongkong versuchen die Behörden nun, weitere Insassen der Maschine ausfindig zu machen, in der der infizierte Mann nach Hongkong gereist war. Als Konsequenz aus dem Schweinegrippefall stoppte China sämtliche Flugverbindungen von Mexiko nach Shanghai. Es werde von der Entwicklung der Schweinegrippe-Pandemie abhängen, wann die Flüge wieder aufgenommen werden könnten, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Die Schweinegrippe wurde laut WHO bisher in mindestens 18 Ländern weltweit bei Menschen nachgewiesen. Am Samstagabend wurde ein erster Fall in Irland offiziell bestätigt. In Frankreich wurden zwei Fälle offiziell bestätigt. Einen ersten Fall gibt es auch in der italienischen Toskana. In Spanien stieg die Zahl der Verdachtsfälle auf 116. In Kanada wurden innerhalb eines Tages 17 Menschen behandelt, bei denen Verdacht auf die Infektion besteht. In Japan wurde ein vier Monate altes Baby aus den USA auf Schweinegrippe untersucht.

In Deutschland gibt es insgesamt sechs Infizierte. RKI-Präsident Jörg Hacker sagte: "Insgesamt verlaufen die bisherigen Infektionen in Deutschland relativ milde, ähnlich wie bei der saisonalen Influenza." Die Bundesbehörde sehe weiterhin keine allgemeine Gefährdung der Bevölkerung. Am Samstag wurde allerdings der zweite deutsche Fall bekannt, bei dem die Krankheit außerhalb Mexikos von Mensch zu Mensch übertragen wurde. Ein 38-jähriger Mann hatte sich in einem niederbayerischen Krankenhaus bei einem kürzlich aus Mexiko zurückgekehrten Zimmergenossen angesteckt, der auch eine Krankenschwester angesteckt hatte. "Einige weitere Verdachtsfälle" werden laut RKI noch untersucht. Ab Sonntag wird die Schweinegrippe meldepflichtig. Das Bundesgesundheitsministerium ordnete per Rechtsverordnung an, dass Ärzte Verdachtsfälle und Erkrankungsfälle an das Gesundheitsamt melden müssen.

Angst vor Medikamentenknappheit

Bei der Beschaffung von Grippemedikamenten wie Tamiflu wird nach SPIEGEL-Informationen auf Länderebene ein Lieferengpass befürchtet. Der Pharmakonzern Roche suche schon nach einer Sprachregelung, um den Ausdruck "nicht mehr lieferbar" zu umgehen, heißt es in einer E-Mail des thüringischen Gesundheitsministeriums, aus der das Nachrichtenmagazin zitierte. Der britische Arzneimittelhersteller GlaxoSmithKline, der mit dem Grippemedikament Relenza auf dem Markt vertreten ist, kündigte an, seine Produktion auszuweiten.

Die Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Virus vom Typus A/H1N1 könnte nach Ansicht von US-Experten sechs oder sieben Monate dauern. Es dauere allein mindestens einen Monat, um den "Keim" für den Impfstoff zu entwickeln, sagte die Direktorin der Pan-Amerikanischen Gesundheitsorganisation, Mirta Roses-Periago, in Washington.

Das Schweinegrippe-Virus

Der Erreger

Es handelt sich um ein Influenza-A-Virus mit der Bezeichnung H1N1, das sich von Mensch zu Mensch übertragen kann - vor allem durch Händeschütteln, Niesen und Husten. Ein H1N1-Virus war auch der Auslöser der Spanischen Grippe, die zwischen 1918 und 1920 weltweit mindestens 25 Millionen Menschen getötet hat.

Die Symptome

Die Gefahr

Antivirale Mittel

Wandlungsfähigkeit von Grippeviren

chs/ore/dpa/AFP/AP/Reuters

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 6380 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
26.11.2009 von Schwarzfalke: Ach doch...

ich schau immer 'mal hier rein. Einerseits belustigt es mich (rkinfo) oder es wird mir zu viel (Elke Ospert). Generelles Schmunzeln oder Kopfnicken enstehen bei Ihnen und krasso. Also nix für Ungut, ich beobachte alles. ;-) mehr...

26.11.2009 von willhy:

Gute Geschäfte dank Schweinegrippe Eigentlich sah es für die Pharmakonzerne nicht gut aus: Steigende Konkurrenz durch Generika-Verschreibungen drückten auf Umsätze und Gewinne. Doch die Schweinegrippe sorgt für [...] mehr...

26.11.2009 von KPunkt:

...und zwar gleich neben den Verkehrstoten. Die sind nur eine Erfindung der Verkehrsschilderlobby im Verband mit den Ampelherstellern. mehr...

26.11.2009 von KPunkt:

Wissen Sie, was wirklich toll wäre? Wenn Sie wortwörlich, bzw. 1:1 irgendwelche Passagen übernehmen, diese als Zitat kennzeichnen und auch die Quelle anzugeben würde. Ansonsten ist es sehr missverständlich, man [...] mehr...

26.11.2009 von rkinfo:

a) Schon unsere Vorfahren hatte ähnliche Zahlen. Und Epidemien gabs schon immer zu verzeichnen. b) Die Grippesaison in Euro ist der kalendarische Winter und nicht der November oder Sommer (Mallorca 2009). Nur grippale [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
alles aus der Rubrik Natur
alles zum Thema Schweinegrippe

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP