Der lange Marsch des Waschbären hat selbst Wissenschaftler beeindruckt. Es sei die längste Wanderung weltweit, die bisher dokumentiert wurde, sagte der Leiter des Forschungsprojekts "Waschbär". Das Tier war im Müritz-Nationalpark in Mecklenburg-Vorpommern mit einer Ohrmarke und einem Sender versehen worden und auf der Suche nach einer Partnerin. "Der elf Monate alte Rüde wurde in Oerel bei Bremen gefangen, 285 Kilometer weiter." Bisher habe der Streckenrekord bei 95 Kilometern Luftlinie gelegen, sagte Michler. Dieses Tier sei dann allerdings überfahren worden.
Bei seinem "Rekordmarsch" ist der Waschbär Michler zufolge vermutlich insgesamt rund 800 Kilometer umhergelaufen. "Männchen sind reproduktionsorientiert. Sie wandern immer weiter, um ein geeignetes Weibchen zu finden", erklärte der Experte von der Gesellschaft für Wildökologie und Naturschutz. Jährlich gingen vom Müritz-Nationalpark aus etwa 500 Waschbärrüden auf Wanderschaft. Bahngleise, Autobahnen oder Bundesstraßen sind dabei prinzipiell kein Hindernis.
"Bei den Weibchen ist das anders, diese achten auf gute Lebensbedingungen und laufen nicht weiter als nötig", sagte Michler. Er und seine Kollegen fangen, kennzeichnen und beobachten die Tiere in einem Teilgebiet des Nationalparks. Dort leben zwischen Sümpfen, kleinen Seen und uralten Bäumen rund tausend Waschbären.
Das in Oerel gefangene Männchen sei so weit westlich gefunden worden wie kaum ein Waschbär zuvor in Deutschland. Das Tier mit der Nummer 5002 habe sich bereits im Herbst 2008 auf den Weg nach Niedersachsen gemacht. "Weiter nördlich oder westlich gab es bisher nur ganz vereinzelte Waschbär-Nachweise", sagte Michler.
Waschbären haben sich in den vergangenen Jahren immer schneller in Deutschland ausgebreitet, besonders in Brandenburg. Die Kleinbären haben hierzulande keine natürlichen Feinde, denn sie sind nicht heimisch. 1934 wurden die ersten Tiere aus Nordamerika eingeführt. In manchen Städten wie Kassel haben sie sich zu einer regelrechten Plage entwickelt.
hda/dpa
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