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22.06.2009
 

Internationale Umfrage

Forscher nennen die größten Rätsel der Erde

Von Axel Bojanowski

Erdbeben, Klimawandel, Vulkanausbrüche: Die Gewalten der Erde sind bis heute in weiten Teilen kaum verstanden. In einer SPIEGEL-ONLINE-Umfrage haben Geoforscher eine Rangliste der größten Geheimnisse des Planeten erstellt - und fordern erstmals öffentlich einen Nobelpreis für ihr Gebiet.

Bei der Erforschung der Erde kratzen Wissenschaftler buchstäblich an der Oberfläche. Bohrungen durchstießen lediglich ein Fünfhundertstel der Strecke zum Erdmittelpunkt; Druck und Hitze verhinderten bislang tiefere Vorstöße. Das 21. Jahrhundert könnte das Jahrhundert der Geoforschung werden, die größten Entdeckungen stehen wohl noch bevor.

SPIEGEL ONLINE hat 753 Wissenschaftler nach den größten Rätseln der Geoforschung befragt. 288 Experten aus Deutschland, Dänemark, Finnland, Großbritannien, Norwegen, Österreich, Schweden, der Schweiz und den USA haben geantwortet, welche für sie die wichtigsten unbeantworteten Fragen der Geowissenschaften sind. Die Ergebnisse:

  • Platz 1 (20,8 Prozent der Stimmen): Wie lassen sich Erdbeben vorhersagen?
  • Platz 2 (19,8 Prozent): Welche Prozesse bestimmen im Einzelnen das Klimageschehen?
  • Platz 3 (10,4 Prozent): Wie ist das Leben auf der Erde entstanden?
  • Platz 4 (9,4 Prozent): Welche Prozesse spielen sich im Inneren der Erde ab?
  • Platz 5 (7,3 Prozent): Wie kann man die Menschheit in Zukunft umweltschonend mit Energie versorgen?
  • Platz 6 (6,2 Prozent): Wie lassen sich Vulkanausbrüche vorhersagen?
  • Platz 7 (5,2 Prozent): Wie sind die verbleibenden Rätsel der Plattentektonik zu erklären?
  • Platz 8 (3,6 Prozent): Wie sah es in der Frühzeit der Erde auf dem Heimatplaneten aus?

Auf weitere 31 Themen entfielen jeweils unter 3 Prozent der Stimmen.

Wissenschaftler fordern Nobelpreis für Geowissenschaften

Die Gelehrten blicken nicht nur mit Neugierde in die Zukunft: Die Erforschung der Erde würde gegenüber anderen Disziplinen benachteiligt, bemängeln sie. Erstmals fordern renommierte Geoforscher öffentlich die Ausschreibung eines Nobelpreises für Geowissenschaften. Bislang werden Nobelpreise nur für Physik, Chemie, Medizin, Literatur, Frieden und Ökonomie verliehen - eine gleichrangige Auszeichnung für Durchbrüche bei der Erforschung der Erde gibt es nicht. "Ich empfinde das als große Ungerechtigkeit", sagt etwa Marcia Bjørnerud, Geologieprofessorin an der Lawrence University in Appleton (US-Bundesstaat Wisconsin).

"Wir brauchen einen Nobelpreis", meint auch Paul Baker von der Duke University in Durham (US-Bundesstaat North Carolina). "Selbst die Wirtschaftswissenschaftler haben einen." Ein Nobelpreis würde der Geoforschung die Beachtung geben, die sie verdiene, sagte der Geologe Volker Lorenz von der Universität Würzburg. Themen wie Wasserknappheit, Rohstoffe, Umweltschutz oder Naturkatastrophen seien von immenser globaler Bedeutung.

Die Nobel-Stiftung in Stockholm aber weist den Vorstoß der Geoforscher zurück: "Die Direktoren haben entschieden, keine weiteren Nobelpreise zuzulassen", erklärte das Nobel-Komitee auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Die Einführung des Wirtschaftspreises vor 41 Jahren solle die letzte Ergänzung im Nobel-Sortiment bleiben. Ihn hatte die Bank von Schweden 1968 anlässlich ihres 300-jährigen Bestehens gestiftet. Es war das bislang einzige Mal, dass den von Alfred Nobel im Jahr 1900 ausgeschriebenen fünf Auszeichnungen eine weitere hinzugefügt wurde.

Fächer mit Nobelpreis wie Chemie und Physik profitieren vom Renommee der Auszeichnung. Nobelpreisträger wurden zu gefragten Botschaftern ihrer Disziplinen, den Geowissenschaften fehlen solche Idole. Die Politik des Komitees hatte bisher zur Folge, dass selbst die größten Durchbrüche beim Verständnis der Erde ohne Anerkennung auf höchster Ebene blieben. Dazu gehören:

  • Die Entdeckung, dass Erdplatten über den Planeten driften. Dabei kann erst die Plattentektonik Phänomene wie Erdbeben, Vulkane oder die Bildung von Rohstoffen und Gebirgen schlüssig erklären.
  • Die Einsicht, dass der Mensch die Luft mit Treibhausgasen aufheizt.
  • Die Entdeckung des Globalen Förderbandes der Meeresströme, zu dem der Golfstrom gehört.
  • Das Aufspüren von Atomen, die es erlauben, das Alter von Fossilien und Mineralien zu bestimmen - sie öffneten der Menschheit das Geschichtsbuch der Erde.

"Wie wäre es", fragt Reinhard Hüttl, Vorstandschef des GFZ Potsdam, "wenn wir die Erde wirklich verstünden?" Vor Naturkatastrophen könnte gewarnt werden, Folgen von Umweltveränderungen ließen sich abschätzen, der Bedarf an Energien und Rohstoffen könnte besser bedient werden, Probleme bei Ernährung oder Schadstoff-Entsorgung wären lösbar. Ähnlich äußerte sich Wolfgang Jacoby, Geophysiker an der Universität Mainz: "Mensch und Erde bilden schließlich eine Schicksalsgemeinschaft."

SPIEGEL ONLINE stellt die vier Probleme vor, die Geoforscher heute am meisten bewegen:


AFP
Erdbeben: Seit rund 100 Jahren suchen Geoforscher vergeblich nach verlässlichen Warnsignalen. Mehr ...



DPA
Klima: Über Ausmaß und Auswirkungen der zu erwartenden globalen Erwärmung besteht weiterhin Unklarheit. Mehr ...



University of Washington
Entstehung des Lebens: Seit 1953 haben Geochemiker keine wesentlichen Fortschritte gemacht, um die Entstehung des Lebens zu erklären. Mehr ...



DER SPIEGEL
Erdinneres: Wäre die Erde ein Apfel, hätten wir noch nicht annähernd die Schale durchstoßen. Mehr ...


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07.11.2009 von e.schw: Das Problem mit den "Nullständen"...

Keine Frage, stellen die radiometrischen Datierungsmethoden für jene einen harten Brocken dar, die von weit kürzeren Zeiträumen der Erdgeschichte ausgehen. Auf die widersprüchlichen Ergebnisse zu verweisen, die nach wie vor ein [...] mehr...

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05.11.2009 von Willi Winzig:

Unbedingt! Dann quillt der Erdmantel raus! Und profitieren tut die Camorra, weil sich dann die Magmablase unter dem Vesuv verzieht. mehr...

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