Hamburg - Wölfe, Pferde, Katzen, Greifvögel und sogar Elefanten: Menschen haben zahlreiche wilde Tiere zu sich geholt und gezähmt - oft zu beiderseitigem Nutzen. Nicht selten aber waren Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte der Zucht notwendig, ehe sich die einst wilden Geschöpfe auf den Menschen einließen.
Arbeitselefant mit seinem Besitzer (in Thailand): Forscher erkunden genetische Grundlagen der Zahmheit
Die Studie geht bis ins Jahr 1972 zurück, als Forscher im sibirischen Nowosibirsk eine große Anzahl Ratten gefangen haben. Im Labor teilten sie die Tiere in zwei Gruppen auf: In der ersten befanden sich diejenigen, die auf Menschen recht freundlich reagierten, in der zweiten die aggressiveren Exemplare.
Über mehr als 60 Generationen konnten sich die Ratten innerhalb der Gruppen vermehren - und mit der Zeit haben sich deutliche Unterschiede im Verhalten entwickelt. Die zahmen Nager haben nichts dagegen, von Menschen berührt oder gar in die Hand genommen zu werden. Die Artgenossen in der anderen Gruppe sind dagegen ziemlich kratzbürstig: Nähert sich ein Mensch, suchen sie das weite, kreischen oder beißen zu.
Für die aktuelle Studie kreuzten die Wissenschaftler die freundlichen mit den frechen Ratten und kontrollierten 45 Charakteristika wie Zahmheit und Aggression, Zeichen von Angst, Organgewichte oder Bestandteile des Blutserums. Am Ende konnten die Forscher zwei Regionen im Genom identifizieren, die offensichtlich für die Verhaltensunterschiede verantwortlich sind. Mit ihrer Hilfe sollen später die einzelnen Gene dingfest gemacht werden, die für Zahmheit verantwortlich sind - "bei Ratten und möglicherweise auch generell bei Haustieren", so die Forscher.
"Ich hoffe, dass unsere Studie am Ende zu einem detaillierten Verständnis der Biologie der Zahmheit führen wird", sagte der Leipziger Wissenschaftler Albert. "Vielleicht können wir dann auch einige der Spezies domestizieren, bei denen das bisher nicht gelungen ist - etwa den Afrikanischen Büffel."
mbe
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