Mittwoch, 10. Februar 2010

Wissenschaft



Klimawandel

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
12.06.2009
 

Bonner Konferenz

USA präsentieren Vorschlag für neues Klima-Abkommen

Die USA gehen beim Klimaschutz in die Offensive: Erstmals stellten sie einen eigenen Vorschlag für ein neues globales Klimaschutz-Abkommen vor. Die Uno-Konferenz in Bonn blieb dennoch ohne konkretes Ergebnis.

Bonn - Der überraschende Vorstoß kam erst ganz am Ende der Klimakonferenz in Bonn. Die USA strebten beim Uno-Gipfeltreffen im Dezember in Kopenhagen ein "umfassendes Abkommen" an, sagte Jonathan Pershing, stellvertretender Chefunterhändler der US-Regierung. Der Vorschlag läuft auf eine Absage an eine Fortschreibung des Kyoto-Protokolls hinaus, dessen erste Phase 2012 endet. Die USA haben den Vertrag nie ratifiziert.

Umwelt-Aktivistin in Bonn (am 6. Juni): "Die Aktionen sollen verpflichtend sein."
Zur Großansicht
dpa

Umwelt-Aktivistin in Bonn (am 6. Juni): "Die Aktionen sollen verpflichtend sein."

Der amerikanische Vorschlag sehe für die Industrieländer feste Ziele zur Minderung des Treibhausgas-Ausstoßes vor, sagte Pershing. Doch auch Entwicklungsländer müssten Beiträge leisten. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview hatte der Top-Diplomat zuvor bereits erklärt, was das heißen könnte: Die Klimaschutzziele der einzelnen Entwicklungsländer könnten "von Fall zu Fall anders aussehen". Brasilien mit seinen riesigen Wäldern werde etwas anderes unternehmen als Indien, wo die Waldfläche im Vergleich kleiner ist. Beide Länder aber, erklärte Pershing, sollten sich verbindlichen Zielen stellen, die Teil eines Langzeitplans seien, die globalen CO2-Emissionen angemessen zu reduzieren.

Letztendlich gehe es um ein langfristig klimafreundliches Umsteuern auf der ganzen Welt mit Konsequenzen für Energienutzung, Transport und Verkehr, so Pershing. Laut dem US-Vorschlag sollen Industrieländer ihre Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2050 um 80 Prozent reduzieren. Das Neue an dem Vorstoß ist, dass die USA von Schwellenländern wie China nicht mehr verlangen, sich zu konkreten CO2-Reduktionszielen zu verpflichten. Das hatte die Regierung Bush immer wieder gefordert.

Nun sollen sich die wirtschaftlich leistungsfähigeren Entwicklungsländer zu konkreten Maßnahmen verpflichten, etwa der Nutzung von erneuerbarer Energien in festgelegter Höhe. Das soll laut Pershing den Entwicklungsländern die Angst nehmen, beim Verbrauch fossiler Brennstoffe durch einen internationalen Klimavertrag gefesselt zu sein.

Ausnahmen für die ärmsten Staaten

Das neue Abkommen solle diesen Staaten erlauben, Klimaschutzmaßnahmen im Uno-Rahmen durchzuführen, ohne sich auf konkrete Reduktionsziele festzulegen. Die Resonanz auf den Vorstoß sei sehr positiv, sagte der US-Delegationsleiter. Er rechne damit, dass der US-Kongress einem Kopenhagen-Abkommen zustimmen werde, sofern die Maßnahmen der Entwicklungsländer bindend und glaubwürdig seien. Für die ärmsten Länder der Erde solle es freilich Ausnahmen geben, ihnen müsse direkt geholfen werden. Pershing hofft, mit dem neuen Konzept die langjährige Blockade der Klimaverhandlungen zu überwinden.

Die USA hätten sich unter der Regierung von Barack Obama dem Kampf gegen den Klimawandel verschrieben, sagte Pershing. Das von den USA angestrebte neue Abkommen sei eine Fortschreibung der Uno-Klimakonvention, die 1992 in Rio de Janeiro vereinbart wurde.

Die Bonner Klimakonferenz mit rund 4600 Teilnehmern aus aller Welt endete mit kleinen Fortschritten in Detailfragen. Bei den großen Streitthemen wie der erforderlichen Minderung von Treibhausgasen in Industrieländern und Finanzzusagen der reichen an ärmere Länder wurden keine Durchbrüche erzielt. Durch viele Vorschläge von verschiedenen Ländern wurden die Verhandlungstexte aufgebläht. Umweltorganisationen kritisierten einen "schleppenden Verlauf" der Verhandlungen.

Yvo de Boer, der Chef des Uno-Klimasekretariats, äußerte sich trotzdem positiv. Er sei optimistisch für die Zeit bis zum Kopenhagener Gipfel im Dezember. Dann soll die Staatengemeinschaft ein neues Klima-Abkommen in der Nachfolge des Kyoto-Protokolls beschließen. "Es kann ein Abkommen in Kopenhagen geben, wir haben dafür noch Zeit", sagte de Boer.

chs/dpa

Social Networks

  • Twitter
  • Facebook
  • MySpace
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Folkd
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • Newsvine
  • reddit
  • StumbleUpon
  • Windows Live
  • Yahoo! Bookmarks
  • Yigg

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



FORUM

Klimawandel - Gefahr oder Segen? Diskutieren Sie mit anderen Lesern!










Service von SPIEGEL-ONLINE-Partnern