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22.07.2009
 

Neue Statistik

Schmelzende Arktis bedroht Eisbären noch stärker

Die Zahl der Eisbären nimmt wegen der Erderwärmung noch stärker ab als bisher befürchtet. Das belegt eine neue Statistik. Umweltschützer warnen angesichts der neuen Zahlen vor "eisbärfreien Zonen" rund um den Pol.

Frankfurt am Main - Die genaue Zahl der Eisbären auf der Erde kennt niemand, ihre Population wird auf 25.000 geschätzt - maximal. Genaue Zahlen sind schwer zu beschaffen, weil Bestandsaufnahmen in den unwirtlichen Habitaten kaum durchzuführen sind. Aktuelle Daten der Weltnaturschutzunion IUCN und der Umweltstiftung WWF zeigen nun, dass die Tiere offenbar stärker bedroht sind als bisher bekannt.

Den am Mittwoch veröffentlichten Zahlen zufolge, gibt es rund um den Pol immer mehr Eisbärpopulationen, die schrumpfen. Im Jahr 2005 seien die Bestandszahlen von fünf Populationen rückläufig gewesen, erklärte der WWF. Innerhalb von nicht einmal vier Jahren habe sich diese Zahl mittlerweile auf acht erhöht. "Damit schrumpfen zwei Drittel der zwölf wissenschaftlich untersuchten Eisbärbestände", erklärte der Artenschutzexperte Stefan Ziegler.

Wenn sich die derzeitige Entwicklung ungebremst fortsetze, dann könne die Zahl der Eisbären im Jahr 2050 um mindestens 30 Prozent niedriger liegen als heute. Große Gebiete am Nordpol wären dann "eisbärfreie Zonen". Verantwortlich dafür sei der von Menschen verursachte Klimawandel, der das Ökosystem der Arktis im rasanten Tempo verändere.

Tatsache ist: In keinem anderen Teil der Welt schlägt der Klimawandel stärker zu als in der Arktis. "Der Eisbär hat aufgrund der Schnelligkeit, mit der sich sein Lebensraum verändert, keine Gelegenheit sich anzupassen", warnte Umweltschützer Ziegler.

Die Tiere drohten zu verhungern, zu ertrinken und stellten aufgrund von Stress die Fortpflanzung ein. Sie seien bei der Jagd auf ihre Hauptnahrungsquelle, die Robben, auf Packeis angewiesen. "Wenn sich die Menschheit nicht damit befasst, wird die Zukunft der Tiere nicht mehr lange dauern", hatte auch Norwegens WWF-Chef Rasmus Hansson vor einiger Zeit im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE gewarnt.

Die Umweltschützer gehen immerhin davon aus, dass die weißen Riesen noch nicht vollkommen verloren sind. Sie sagen, dass der negative Trend noch umgekehrt werden könne - wenn die weltweiten Treibhausgasemissionen schnell und massiv sinken.

chs/AP

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