Von Thilo Thielke, Bangkok
Mong Las Bärenfarm "Sing Bow" liegt direkt an einem wildromantischen See, einige Kilometer außerhalb der Stadt. Ein paar Chinesen angeln, ein paar andere spielen Karten. In der Nähe zerrt ein Elefant, der für eine Touristenshow einst aus Thailand hierher geschmuggelt wurde, an seiner Kette. Ein paar Touristen schmeißen zur Gaudi lebende Enten ins Krokodilbecken und delektieren sich am Todeskampf. Einige Kunden feilschen um einen Tigerzahn, und daneben sortiert ein Händler sein Elfenbein. 2000 Dollar will er für ein besonders schönes Stück.
Es ist ein unscheinbares weißes Gebäude, in dem hier seit Jahren 45 asiatische Schwarzbären in engen Käfigen gehalten werden. Einmal täglich wird ihre Gallenblase angezapft. Das ergibt dann rund 45 Flaschen Gallenblasenwein pro Tag, die Flasche kostet 15 Dollar - kein schlechtes Geschäft. Nebenan, im dazu gehörenden Laden, kann man die Produkte gleich erwerben: als Pulver oder Wein in Flaschen nebst Pillen, die den Magen nach der Einnahme beruhigen. "Es ist von knackiger Qualität, delikat und erfrischend vom Geruch, leicht fischig und bitter im Geschmack", informiert ein Beipackzettel.
Doch es ist nicht viel los heute. Ein paar Mitarbeiter untersagen Karl Ammann, den sie von früheren Besuchen bereits als störenden Gast kennengelernt haben, etwas halbherzig den Zugang zu den Bärenzwingern. Eine kleine Gruppe chinesischer Gäste wird kurz hineingebeten. Doch das Hauptgeschäft von Sing Bow ist ganz offensichtlich der Export. Eine Kiste mit Pulverflakons wird gerade fertig gemacht für den Abtransport nach China. Das Etikett verrät, dass die Lieferung für den Importeur Jen Cheng in der Stadt Shan Deng bestimmt ist - ein klarer Verstoß gegen das Washingtoner Artenschutzabkommen Cites, das auch China unterzeichnet hat, und welches den asiatischen Schwarzbären im Anhang 1 als besonders gefährdet ausweist.
Karl Ammann hat chinesische, aber auch europäische Cites-Delegierte immer wieder mit den Bildern aus Mong La konfrontiert. Nie hat es Wirkung gezeigt. "An China wagt sich niemand heran", sagt Ammann, "niemand will sich das Geschäft mit der aufstrebenden Wirtschaftsmacht verderben." Dabei sei es höchste Zeit, den illegalen Handel mit Wildtieren zu stoppen. Weite Teile des burmesischen Waldes sind nämlich mittlerweile entvölkert. "Empty Forest Syndrom" nennen Wissenschaftler das: Die Bäume stehen noch da, doch es befindet sich kaum noch Leben im Wald.
In der unscheinbaren Ladenzeile der Tierhändler Mong Las kann man begutachten, was der Wald derzeit noch hergibt. Zwei Leopardenbabys werden in einem kleinen Käfig gemästet, um später geschlachtet zu werden. Eine Frau versteckt eilig mehrere Felle ausgewachsener Leoparden. In einem gelblichen Sud liegt ein Tigerknochen. Einige Schildkröten dümpeln in einer Plastikwanne mit lauwarmem Wasser. Zum Abtransport in die Spezialitätenrestaurants liegt das Fleisch eines frisch geschlachteten Nebelparders im Hof bereit. Die schmackhaftesten Teile seien die Beine, speziell die Oberschenkel, versichert Li Wae, der Verkäufer und zieht an seiner Opiumpfeife: "Sie werden mit Chili und Reis angerichtet." Vielleicht 30 Kilo gibt so ein Tier her, bei einem Jäger will er am frühen Morgen 100 chinesische Yuan für ein Kilo dafür bezahlt haben - etwas mehr als neun Euro.
Kaum noch Sambar-Antilopen auf dem Teller
"Aber die Zeiten werden härter", sagt Li Wae, "im Moment werden uns nur noch zwei bis drei Leoparden im Jahr angeboten und Tigerfelle fast gar nicht mehr." Den Schwund der Tierwelt bemerken auch die Jäger, die meist den Bergstämmen in Burmas Norden angehören.
Sai San ist so ein Waidmann. Er lebt im Dorf Mong Paun, vielleicht eine halbe Autostunde außerhalb der Casinostadt und stammt vom Volk der Thai Lu. Die Asphalstraße ist nicht schlecht, die sich hier hoch in die Berge windet. Sie wurde einst vom Geld, das die chinesischen Zocker hier verloren, finanziert und soll den Abtransport des Regenwalds beschleunigen helfen. Sai San trägt eine grüne Jägerkluft und schultert einen uralten Vorderlader aus eigener Produktion.
"In unseren Wäldern ist nicht mehr viel los", klagt der Alte. "Vor vier Jahren haben wir hier noch Bären gejagt und jetzt legen wir auf jeden Vogel an, den wir sehen." Die Entwicklung lasse sich bereits an den Preisen ablesen, die für das erlegte Wild gezahlt werden. Ein Sumpfluchs brachte vor einem Jahr noch 15 Yuan, und heute sind es schon 30 oder 40 Yuan. Ab und an bringt Sai San noch eine Sambar-Antilope mit nach Hause und seltener einen Makaken. Einen Elefanten hat er seit Ewigkeiten nicht mehr in freier Wildbahn gesehen. Nach einer neuen Studie der Universität Zürich sollen die Gibbons in diesem Teil der Welt bereits ausgerottet worden sein.
Es ist spät geworden in Mong La. Die Tierteile werden in Kartons verladen, die lebenden Tiere vor die Restaurants verfrachtet, und die Damen der Nacht werfen sich in Schale. Müde packt Karl Ammann seine Bestimmungsbücher in den Koffer. In Mong La ist alles beim Alten geblieben. Und das sind keine guten Nachrichten. Morgen will er abreisen, zurück nach Kenia. Er hat gehört, dass chinesische Straßenarbeiter bei den Einheimischen dort bevorzugt Elefantenfleisch bestellen.
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