Computertomografen (CT) sind nicht nur in der Medizin nützliche Werkzeuge - sie erlauben auch faszinierende Einblicke in die ferne Vergangenheit. Dreidimensionale Bilder von Mumien verraten etwa, wie die Ägypter ihre Toten einbalsamierten - und ermöglichen mitunter auch, nicht nur Jahrtausende, sondern Jahrmillionen zurückzublicken.
Ein solcher Coup ist jetzt Forschern des Imperial College London und des Museums für Naturkunde der Berliner Humboldt-Universität gelungen. Das Team um Russel Garwood hat alte Verwandte der heutigen Spinnen, die vor rund 300 Millionen Jahren lebten, durchleuchtet. Rund 6000 Röntgenbilder der beiden versteinerten Tiere wurden anschließend zu beeindruckenden dreidimensionalen Modellen zusammengesetzt.
Die beiden Spinnenvorfahren namens Cryptomartus hindi und Eophrynus prestvicii besaßen etwa die Größe einer Zwei-Euro-Münze und krabbelten im Erdzeitalter des Karbon umher, also vor 359 bis 299 Millionen Jahren. In dieser Zeit, lange bevor die ersten Dinosaurier lebten, begannen die ersten Lebewesen gerade damit, das Land zu besiedeln.
Die 3-D-Modelle sind nach Angaben der Forscher so präzise, dass sie erkennen lassen, welche körperlichen Merkmale es den Tieren erlaubten, Beute zu jagen und Feinden zu entgehen. Frühere Untersuchungen an den fossilen Überresten von Cryptomartus hindi hatten ergeben, dass das spinnenähnliche Tier acht Beine hatte. Dank der CT-Aufnahmen scheint nun klar, dass das vordere Beinpaar in Richtung Körper zeigte. Das lege nahe, dass Cryptomartus hindi seine Beute erst geschnappt und dann getötet habe, schreiben die Forscher in den "Biology Letters" der britischen Royal Society. Die Jagdtaktik habe deshalb vermutlich darin bestanden, Beutetieren aufzulauern und sie aus dem Hinterhalt anzugreifen - so wie es auch heute einige Spinnarten tun.
Eophrynus prestivicii dagegen habe wohl eher auf dem offenen Waldboden gejagt. Lange Beine hätten das Tiere in die Lage versetzt, über Pflanzenreste zu rennen und seine Beute auf diese Art zu verfolgen, zu fangen und zu verspeisen. Die 3-D-Modelle zeigten auch erstmals, dass Eophrynus prestivicii Stacheln zur Verteidigung auf seinem Rücken trug - wahrscheinlich, um für Amphibien weniger verlockend zu sein.
"Unsere Modelle erwecken diese uralten Geschöpfe wieder zum Leben", schwärmte Studienleiter Garwood, der derzeit Doktorand am Department of Earth Science and Engineering des Imperial College ist. Die Studie helfe, einen Eindruck von der Zeit zu gewinnen, als die ersten Tiere das Land eroberten. Auch über längst bekannte Fossilien könne man mit der CT-Technologie neue Erkenntnisse gewinnen.
Schon frühere Untersuchungen hatten gezeigt, welches Potential die Röntgentechnik auf dem der Paläontologie besitzt: Im Oktober 2007 etwa konnten Forscher auf Röntgenbildern zahlreiche Details einer fossilen Spinne erkennen - bis hin zu den inneren Organen. Ähnliches war drei Jahre zuvor bereits mit einer Asselspinne gelungen, die vor rund 425 Millionen Jahren lebte.
mbe
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