Mittwoch, 10. Februar 2010

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02.09.2009
 

Klangexperiment

Affen stehen nicht auf Menschenmusik

Affen mögen dem Menschen in Vielem ähnlich sein, seinen Musikgeschmack aber teilen sie nicht. In einem Experiment stellte sich heraus, dass Affen nur auf Klänge stehen, die von ihren Artgenossen stammen - oder von Metallica.

Affen und Menschen teilen sich gemeinsame Vorfahren und oft auch ihren Lebensraum, nur nicht das Interesse für Musik. Das ist das Ergebnis eines Experiments, in dem Forscher jetzt Lisztaffen beschallt haben. Die in Südamerika lebenden Tamarine wollten sich partout nicht erwärmen für Musik, die von Homo sapiens dargeboten wird. Mitunter reagierten sie sogar ablehnend, wie Charles Snowdon von der University of Wisconsin in Madison und der Musiker David Teie von der University of Maryland in College Park in den "Biology Letters" der britischen Royal Society schreiben.

Die Wissenschaftler wollten herausfinden, ob auch Affen Musik als solche erkennen. So könnte irgendwann geklärt werden, wie sich die Vorliebe für harmonische Tonabfolgen beim Menschen entwickelt hat. Die Forscher komponierten für ihren Versuch verschiedene Musikstücke aus Tamarin-Geräuschen. So entstanden Stücke aus Lauten, die Gruppenzugehörigkeit anzeigen oder in Angst- und Konfliktsituationen ausgestoßen werden.

Während die jeweils 30 Sekunden langen Songs liefen, registrierten die Forscher nichts Auffälliges. Unmittelbar danach aber begannen die Lisztaffen, sich genau dem Musikstück entsprechend zu verhalten. Basierten die Lieder auf Warnschreien oder Angst anzeigenden Lauten, konnten die Tiere nur noch schwer stillsitzen und bewegten sich deutlich mehr als normal, so die Forscher. Die Affen hätten zudem Verhaltensmuster gezeigt, die mit Angst verbunden seien, während sie sich nach der Primatenmusik aus Gruppenzugehörigkeitslauten deutlich entspannter verhalten hätten. Statt Zuflucht bei ihren Artgenossen zu suchen, hätten sich die Tiere in aller Ruhe der Futtersuche gewidmet.

Menschliche Musik aber ließ die Affen weitgehend kalt. Egal, ob Samuel Barbers herzzerreißendes "Adagio for Strings", "The Grudge" von der Rockband Tool oder "The Fragile" von Nine Inch Nails - den Affen war es gleichgültig. Nur ein Song habe überhaupt irgendeine Reaktion ausgelöst: "Of Wolf and Man" von der US-Metalband Metallica. Allerdings nicht die, die man eigentlich erwartet hätte: Statt sie wilder zu machen, stimmte der harte Song die Affen milde.

"Die emotionalen Komponenten von Musik und Tierrufen könnten sehr ähnlich sein", sagte Snowdon der britischen Zeitung "The Guardian". "Aus evolutionärer Sicht sind Dissonanz und Timing sowohl bei Tieren als auch bei Menschen wichtig für das Kommunizieren von Gefühlszuständen."

Dennoch bleibe Musik wohl ein artspezifisches Phänomen: Was der Mensch mit Stimme und Instrument anstellt, ist Affen einerlei - ebenso wie sich Walkühe wohl nie vom Gesang eines männlichen Vogels werden reizen lassen. Deshalb sollte man auch die in vielen Zoos und Labors gängige Praxis der Beschallung von Tieren mit Menschenmusik überdenken, meint Snowdon: "Warum sollte ein Tamarin unsere Musik beruhigend finden? Ich finde Affenmusik auch ziemlich lästig."

mbe/ddp

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