ThemaÄthiopienRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
01.10.2009
 

Sensationeller Skelettfund in Äthiopien

"Ardi" revolutioniert Bild unserer Urahnen

Von Kurt F. de Swaaf

Ardi: Der Affenmensch aus Äthiopien
Fotos
AP/ Science

2. Teil: Verräterische Füße

Die vielleicht wichtigsten anatomischen Details finden sich an Ardis Händen und Füßen. Erstere haben recht lange Finger, doch deren Knochenbau fehlt die typische Struktur, welche es zum Beispiel den Schimpansen erlaubt, problemlos vierbeinig auf den Knöcheln zu gehen, die Hände praktisch zu Fäusten geballt. Ardis Hände dürften gut zum horizontalen Herumklettern in Bäumen geeignet gewesen sein, schreiben die Forscher. Das Gewicht ruhte dabei auf den Handflächen.

Im Gegensatz zu den Händen zeigen die Füße dieser Ur-Hominiden gewisse Anpassungen an das Leben auf dem Boden. Mit ihren äußerst beweglichen großen Zehen konnten sie zwar gut greifen, was der Beweglichkeit in den Baumkronen zugutekam. Andererseits aber ist das Fußskelett nicht so flexibel wie das von Schimpansen oder Gorillas. Diese Rigidität begünstigte wahrscheinlich das Gehen, auch wenn Ardi und ihre Artgenossen - anders als Australopithecus - noch nicht über ein gewölbtes Fußbett verfügten. Dauerlauf und Fernmärsche waren mit solchen Plattfüßen ausgeschlossen.

Dennoch dürfte Ardipithecus ziemlich viel Zeit am Boden verbracht haben, glauben die Wissenschaftler. Beckenbau und Oberschenkelknochen lassen auf einen halbwegs aufrechten Gang schließen. Tim White und seine Kollegen vermuten, dass die Affenmenschen ihren Lebensraum zu Fuß auf der Suche nach Essbarem durchstreiften. Stundenlang. Der aufrechte Gang habe sich wohl nicht erst in offenem Gelände entwickelt, sondern noch im Wald, schreiben die Forscher.

Kein Macho-Gehabe?

Ardis Eckzähne liefern Hinweise auf das Sozialverhalten. Sie sind klein und diamantenförmig statt spitz und langwüchsig. Mit anderen Worten: Sie eigneten sich nicht als Waffen im Kampf oder zum Drohen. Bei den heutigen Menschenaffen dagegen verfügen vor allem männliche Schimpansen und Gorillas im Oberkiefer über regelrechte Hauer, die sogar ständig an den darunter liegenden Zähnen geschliffen werden. Doch auch die Eckzähne der Menschenaffenweibchen sind ausgeprägter als bei Ardi.

Die Wissenschaftler sprechen Ardipithecus daher ein eher friedliches Verhalten ohne Macho-Gehabe oder schwere Rangordnungskämpfe zu. Männchen und Weibchen dürften weitgehend ebenbürtig gewesen sein. Der Knochenbau weist auf nur geringe Unterschiede in der Körpergröße hin. Vielleicht kooperierten die Geschlechter gar bei der Nahrungssuche und der Betreuung des Nachwuchses.

Ein solcher Gruppenzusammenhalt wird in der harten ostafrikanischen Lebenswelt des Miozäns sehr von Vorteil gewesen sein. Raubtiere gab es anscheinend viele. Die fossilen Knochen von Huftieren, die in derselben Schicht wie Ardis sterbliche Überreste lagen, zeigen meistens ausgiebige Bissspuren. Oft wurden sie regelrecht zermalmt, was wahrscheinlich auf die besonderen Essgewohnheiten von Hyänen zurückzuführen ist.

Der Mangel an intakten Skeletten lässt darauf schließen, dass tote Tierkörper normalerweise in kürzester Zeit zerpflückt und gefressen wurden - so wie es noch heute in der Savanne üblich ist. Ob sich Ardipithecus manchmal auch von Aas ernährte und sich somit an der Kadaverfledderei beteiligte, ist noch ungeklärt. Aber man konnte damals nicht allzu wählerisch sein.

mit Material von dpa und ddp

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 566 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
09.10.2009 von Pink: kein Problem

Ich lasse Sie doch in Ruhe. Sie sind es doch, der jedes neue Affenskelett triumphierend gegen den christlichen Glauben herumwedelt, als ob das Ihr Hauptanliegen in der Feldforschung wäre! mehr...

09.10.2009 von Willie: -

Da haben sie recht. Man kann ihn aber zurueckweisen. Es ist nicht sinnvoll daruber zu diskutieren, denn die Beurteilung und Konsequenzen fuer den Nichtglaeubigen liegen auch jenseits der Glaeubigen. Es ist weder Aufgabe noch [...] mehr...

09.10.2009 von Pink: ganz harmlos

o.k., dann müssen Sie sämtliche Gulags auch als Beweis für die Toleranz uind Harmlosigkeit der Atheisten gelten lassen. mehr...

09.10.2009 von Celegorm: ...

Na dann, bitte bitte, ergötzen Sie sich doch einfach irgendwo an Ihrem vermeintlichen "Sinn" und lassen alle anderen Menschen sich in Ruhe mit dem "zusammenhangslosen" Wissen beschäftigen. Wär doch optimal [...] mehr...

09.10.2009 von Celegorm: ...

Bei manchen Christen scheint allerdings etwas zuviel "Liebe" der Motor für "gute" Taten zu sein.. [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
alles aus der Rubrik Natur
alles zum Thema Äthiopien

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Homininen und Hominiden

Affen- und Menschenartige

Ein Hominid oder Menschenaffe ist ein Mitglied der taxonomischen Familie, zu der Menschen, Schimpansen, Gorillas und all deren ausgestorbenen gemeinsamen Vorfahren gehören. Der Begriff Hominine umfasst dagegen alle Mitglieder der Gattung Homo und deren ausgestorbenen Verwandten, die dem Menschen näher stehen als den Schimpansen. Dazu zählen also nicht Schimpansen und Gorillas sowie deren Vorfahren.

Sahelanthropus tchadensis (7 bis 8 Millionen Jahre)

Orrorin tugenensis (6 Millionen Jahre)

Ardipithecus ramidus (4,4 Millionen Jahre)

Australopithecus afarensis (3,2 - 3,6 Millionen Jahre)

Homo rudolfensis (2,5 - 2,3 Millionen Jahre)

Australopithecus sediba (2 - 1,8 Millionen Jahre)

Homo erectus (1,8 Millionen - 300.000 Jahre)

Homo heidelbergensis (780.000/500.000 Jahre)

Homo sapiens (160.000 Jahre bis heute)

Homo floresiensis (120.000 - 10.000 Jahre)

Homo neanderthalensis (130.000 - 30.000 Jahre)







TOP



TOP