Sheffield - Schon einmal hat das Worldmapper-Team sich angeschickt, die Welt der Kartografie auf den Kopf zu stellen. Vor zweieinhalb Jahren präsentierten die Briten computergenerierte Landkarten, bei denen zum Beispiel HIV-Rate, Sturm-Todesopfer oder Alkoholkonsum die Größe eines Staates bestimmten. Die Idee dabei: Die verzerrten Weltkarten sollten dabei helfen, abstrakte statistische Werte konkret darzustellen und erfahrbar zu machen.
Nun haben die Wissenschaftler von der University of Sheffield 200 neue, beeindruckende Karten generiert. "Wir haben die Welt in 37 Millionen Rasterzellen aufgeteilt", sagt Benjamin Hennig im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Mit ihrer Hilfe kann der aus Deutschland stammende Forscher den Darstellungen ein bisher nicht gekanntes Maß an Detailgenauigkeit verleihen. "Bei den alten Karten haben wir nur einen Zahlenwert pro Land verwendet, jetzt sind es zum Beispiel im Fall von Deutschland genau 27.416."
Die neuen Karten (siehe Fotostrecke oben) zeigen die Bevölkerungsverteilung sowohl innerhalb einzelner Staaten als auch auf dem gesamten Planeten. Ballungsräume werden dargestellt wie unter einer Lupe, schwach bevölkerte Gegenden erscheinen als eine Art geografischer Wurmfortsatz. Insgesamt bemühen sich die Forscher aber darum, auf ihren Darstellungen die Originalform der Länder so weit wie möglich beizubehalten.
Die Daten für die Karten stammen aus nationalen Volkszählungen, deren Angaben von Forschern der Columbia University in New York noch einmal aufbereitet wurden. Außer Bevölkerungsdaten sind kaum ähnlich detaillierte Angaben für den gesamten Planeten vorhanden. "Es gibt kaum soziodemografische oder wirtschaftliche Daten in dieser Auflösung", sagt Hennig. Mit statistischen Tricks könne man aber anhand der Bevölkerungsverteilung auch andere Daten zumindest grob darstellen. Die aktuellen Worldmapper-Darstellungen dürften also nicht der letzte Streich der Kartografie-Revoluzzer aus Sheffield sein.
chs
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