Mittwoch, 10. Februar 2010

Wissenschaft



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21.10.2009
 

Schwedischer Klimadiplomat

"Kopenhagen wird nicht das Ende des Weges sein"

In weniger als 50 Tagen beginnt der Weltklimagipfel in Kopenhagen. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview erklärt Schwedens Sonderbeauftragter Lars-Erik Liljelund, was vor dem Treffen noch passieren muss - und warum es am Ende wohl keinen völkerrechtlich verbindlichen Vertrag geben dürfte.

SPIEGEL ONLINE: Was erwarten Sie sich vom Klimagipfel in Kopenhagen?

Liljelund: Ich glaube nicht, dass wir einen völkerrechtlich verbindlichen Vertrag zustande bekommen werden. Aber es wird eine politische Einigung mit substantiellem Inhalt geben. Sicher wird Kopenhagen aber nicht das Ende des Weges sein.

SPIEGEL ONLINE: Der Klimagipfel von Bali hat 2007 bereits einen Fahrplan, eine roadmap, produziert. Warum sollte die Welt noch eine brauchen?

Liljelund: Die Bali roadmap war eine Erklärung, wie man weiter verhandeln wollte. Diese Gespräche sind aber aus verschiedenen Gründen zu langsam vorwärtsgekommen. Kopenhagen muss nun mehr als eine Absichtserklärung liefern. Etwas, das die weiteren Verhandlungen leiten kann. Einige der wichtigsten Punkte müssen gelöst werden.

SPIEGEL ONLINE: Angesichts der dramatischen Folgen des Klimawandels erscheint so ein langsamer Ansatz einigermaßen unverantwortlich…

Liljelund: In der Tat ist das aus Sicht der EU unverantwortlich. Aber um Tango zu tanzen, braucht es immer zwei. Die Weltgemeinschaft muss zusammenkommen und sich auf etwas einigen. Die EU hat konkrete Zahlen auf den Tisch gelegt. Im Moment diskutieren wir über unseren finanziellen Beitrag. Andere haben sich noch nicht geäußert - und das ist ein Problem.

SPIEGEL ONLINE: Das Klimagesetz in den USA hängt seit Monaten im Senat fest. Wird sich da noch etwas bewegen, bis der Gipfel von Kopenhagen im Dezember startet?

Liljelund: Die USA sind so vorsichtig, weil sie beim letzten Mal schlechte Erfahrungen gemacht haben. In Kyoto haben sie konkreten Zahlen zugestimmt und hatten dann zu Hause keine Chance, die Sache im Kongress abgesegnet zu bekommen. Jetzt, so scheint es uns zumindest, muss der Senat sich mit dem Klimaschutzgesetz befassen, das ihm vorliegt. Nur dann können sich die USA an einem Abkommen beteiligen, wie es uns vorschwebt.

SPIEGEL ONLINE: Bis jetzt haben sich aber auch China und Indien nur wenig bewegt.

Liljelund: China war ziemlich konstruktiv. Und Indien ist gerade dabei, sich zu bewegen. Ich wäre nicht überrascht, wenn das Land noch vor dem Gipfel in Kopenhagen konkrete Zahlen auf den Tisch legen würde.

SPIEGEL ONLINE: Selbst wenn diese Staaten das tun, werden sie sich tatsächlich bereit erklären, ihren CO2-Ausstoß zu senken?

Liljelund: Zunächst einmal müssen sie zeigen, dass sie nicht einfach weitermachen wie bisher. Um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, und darum muss es gehen, muss China im Jahr 2020 seinen maximalen CO2-Ausstoß erreichen.

SPIEGEL ONLINE: Kann die EU eine Führungsrolle in den Verhandlungen übernehmen?

Liljelund: Eine Führungsrolle ist etwas, das man angetragen bekommt. Man kann sich das nicht selbst verleihen. Was die Finanzierung angeht, haben wir bereits die Führung übernommen. Wir wissen aus bilateralen Gesprächen mit Schwellenländern, dass das durchaus anerkannt wird. Hoffentlich kann sich der Europäische Rat am Ende dieses Monats auf konkrete Zahlen zur Finanzierung einigen.

SPIEGEL ONLINE: Streit zwischen den EU-Mitgliedstaaten über eine Verteilung der Lasten könnten jegliche Einigung gefährden…

Liljelund: Wir dürfen nicht vergessen, dass die EU zwölf neue Mitglieder hat. Es gibt große wirtschaftliche Unterschiede zwischen einigen dieser Länder und den alten Mitgliedstaaten. Wir müssen das anerkennen und damit gut umgehen. Länder wie Lettland stehen unter extrem großen wirtschaftlichen Druck. Wir können nicht verlangen, dass sie in demselben Maß Beiträge leisten, wie die alten EU-Mitglieder.

Das Interview führte Christoph Seidler.

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ZUR PERSON

Government Offices of Sweden
Lars-Erik Liljelund, 62, ist Sonderbauftragter des Schwedischen Ministerpräsidenten für den Klimaschutz. Schweden vertritt auf dem Klimagipfel in Kopenhagen die Position der Europäischen Union, weil das Land derzeit den EU-Ratsvorsitz innehat. Liljelund war vor seinem Job als Klimadiplomat unter anderem neun Jahre lang Chef der Umweltschutzagentur Schwedens. Der promovierte Ökologe hat außerdem fünf Jahre lang die Europäische Umweltagentur geleitet und berät die chinesische Regierung in Umweltfragen.

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