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21.10.2009
 

Suche nach Menschen-Urahn

Neuer Fund entzaubert Fossil "Ida"

Von Jens Lubbadeh und Christoph Seidler

Primatenfossil: Ida - Medienstar nach 47 Millionen Jahren
Fotos
PloS

Mit großem Tamtam präsentierten Forscher das Primatenfossil "Ida" als möglichen gemeinsamen Vorfahren von Affe und Mensch. Eine neue Untersuchung weckt nun Zweifel daran - das 47 Millionen Jahre alte Tier war wohl kein Ururahn des Homo sapiens, sondern gehörte zu einer bedeutungslosen Nebenlinie.

Es war ein gelungener PR-Coup - und für Paläontologen äußerst ungewöhnlich. Normalerweise graben die Forscher in langjähriger und geduldiger Arbeit Millionen Jahre alte Fossilien aus. Dann rekonstruieren und analysieren sie diese so gut wie möglich und versuchen, den Fund in einen großen Stammbaum einzuordnen. Zugegeben, um den genauen Ort auf der Landkarte der Evolution gibt es manchmal Streit - aber fast immer, ohne dass die Öffentlichkeit davon Notiz nimmt.

"Ida" war anders. 47 Millionen Jahre nach seinem Tod wurde das Fossil des kleinen lemurenähnlichen Primaten im Mai zum Medienstar. Es ging hier nicht um irgendein Insekt, ein Reptil oder einen Dinosaurier. Es ging hier womöglich um den "Missing Link", den gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Affe. Angeblich.

Seine rasante Medienkarriere zu verdanken hatte Ida dem norwegischen Paläontologen Jørn Hurum. Der hatte das Fossil fast schon in Indiana-Jones-Manier besorgt. Der kleine Primat wurde zwar schon 1983 in der Grube Messel bei Darmstadt entdeckt, doch zunächst keiner sah in ihm das Potential zum Wissenschafts-Star. Ida wurde in zwei Hälften gespalten, die eine gelangte zunächst in ein Museum im US-Bundesstaat Wyoming, die andere, bessere Hälfte von Ida, hing fortan gerahmt in der Wohnung eines deutschen Sammlers.

Hurum überzeugte die Universität Oslo, dem Sammler seine Hälfte für viel Geld abzukaufen. Für wie viel ist nicht genau bekannt, Gerüchte beziffern die Summe auf bis zu eine Million Dollar. Hurums Coup sollte das Fossil wiedervereinen - die Wissenschaftlergemeinde aber tief spalten.

Das Fossil hieß mit wissenschaftlichem Namen Darwinius masillae. Aber das war zu sperrig. Also musste ein Künstlername her: Hurum nannte den fossilen Primaten Ida, nach seiner Tochter. So wurde Ida zum medialen Alter Ego von Darwinius und zu Hurums Baby.

Dann musste alles sehr schnell gehen: Statt in einem der renommierten Fachjournale veröffentlichten Hurum und sein Team ihre Analyse bei "PLoS One", einem relativ jungen, öffentlich zugänglichen Fachjournal im Internet. Was vielen Wissenschaftskollegen sauer aufstieß: Parallel zu der Veröffentlichung hatte Hurum auch eine Fernseh-Dokumentation gedreht, die Ida einer breiten Öffentlichkeit als möglichen Missing Link präsentierte (siehe Videos).

Nachbildung derzeit in Frankfurt zu sehen

Damit gab Hurum die Bewertung des Fossils schon vor, noch während es in der wissenschaftlichen Begutachtung lag - und Kollegen möglicherweise zu einer anderen Interpretation kommen könnten als er. Ein für Wissenschaftler äußerst unübliches Vorgehen, das ihm den Vorwurf einhandelte, der Wissenschaft insgesamt geschadet zu haben. Unterdessen ließ Hurum im Keller des Naturhistorischen Museums der Universität Oslo zahlreiche aufwendige Kunststoffkopien seines Medienstars anfertigen, für die sich Museen aus der ganzen Welt interessierten. Eine Replik ist derzeit zum Beispiel in der Ausstellung " Safari zum Urmenschen" im Frankfurter Senckenberg-Museum zu sehen. Im kommenden Februar will man am Main auch das echte Fossil ausstellen.

Wighart von Koenigswald, Paläontologe an der Universität Bonn, war Co-Autor der Darwinius-Veröffentlichung. Die Eile und das Vorgehen Hurums hatten seiner Darstellung zufolge einen ganz einfachen Grund: "Herr Hurum musste die nicht unerheblichen Geldmittel beschaffen. Dafür brauchte er einen Knalleffekt und das ist ihm gelungen."

Viele kritisieren die Medienshow Hurums als völlig überzogen. Ida sei mitnichten der Missing Link, womöglich sei sie überhaupt kein Verbindungsglied. Davon ist auch der Paläontologe Erik Seiffert von der Stony Brook University in New York State überzeugt. Im Fachmagazin "Nature" hat er nun eine Analyse eines zehn Millionen Jahre jüngeren engen Verwandten von Ida veröffentlicht. Sein Fazit: Die Gruppe, zu der Ida gehörte, war nicht das fehlende Bindeglied in unserer Ahnenreihe - und sie ist offenbar ausgestorben. Die beobachteten Ähnlichkeiten im Körperbau von Ida und ihren Artgenossen zu höheren Primaten seien einfach parallel in der Evolution entstanden.

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22.10.2009 von frubi: .

Wieso enttäuschend? Ob direkter Urahn oder abgewracktes, nicht evolutionsfähiges Auslaufmodell. Ist für mich als Laie genau so faszinierend. Immerhin sehen wir damit einen unserer alten Rivalen gegen den wir uns durchgesetzt [...] mehr...

22.10.2009 von Schnurz321: Dogmatiker?

Hmm, in dem letzten Thread haben mich doch fundamentalistische Christen darüber aufgeklärt, dass Wissenschaftler bzw. Evolutionsbiologen Dogmatiker seien, die alle Erkenntnisse in ihr Weltbild einfügten und keine Fehler [...] mehr...

22.10.2009 von e.schw: Datierungsprobleme...

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22.10.2009 von gsm900: Publish or perish

Da kommen solche Schnellschüsse vor. Und sein Ziel hat er doch erreicht, er wurde berühnt, wie Pons und Fleischmann: http://de.wikipedia.org/wiki/Kalte_Fusion auf dem gleichen Wege. mehr...

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