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23.10.2009
 

Soziales Lernen

Schimpansen nutzen kulturelles Wissen

Schimpansin im Zoo (in Sydney, Mai 2007): "Der kulturelle Unterschied muss tiefverwurzelt sein"Zur Großansicht
Getty Images

Schimpansin im Zoo (in Sydney, Mai 2007): "Der kulturelle Unterschied muss tiefverwurzelt sein"

Auch Schimpansen haben Kulturtechniken, die sie weitergeben. Das glauben jedenfalls Forscher, die zwei verschiedene Affengruppen in Uganda beobachtet haben. Um an leckeren Honig zu kommen, setzten die Tiere demnach auf überliefertes Wissen.

Nairobi - Der Mensch hält sich gern für einzigartig - so auch bei der Fähigkeit, eine Kultur zu entwickeln. Aber auch bei wildlebenden Schimpansen, unseren engsten Verwandten, gibt es so etwas offenbar. Es geht um verschiedene Verhaltensmuster, die weder angeboren sind noch durch Versuch und Irrtum erworben wurden.

Auch bei den Affen werden offenbar Gewohnheiten innerhalb sozialer Verbände erlernt und weitergegeben. Dadurch halten sich bei benachbarten Gruppen von Tieren ganz verschiedene Verhaltensweisen. Das hat eine Forschergruppe um den in der Schweiz geborenen Klaus Zuberbühler von der schottischen University of St. Andrews herausgefunden.

Eine Schimpansengruppe im Waldgebiet Kibale Forest in Uganda habe Stöcke benutzt, um an Honig aus einem umgestürzten Baumstamm zu gelangen, berichtet das Team im Journal "Current Biology". Eine Schimpansengruppe im benachbarten Budongo Forest habe dagegen aus zerkauten Blättern eine Art Schwamm hergestellt, um den Honig zu holen. Zwar kennen auch die Kibale-Artgenossen das Schwammprinzip. Aber sie nutzen es nur, um Wasser aus Baumlöchern zu holen.

Suche nach Honig als neue Aufgabe

Die Forscher hatten eigens ein enges Loch in den Stamm gebohrt und den Honig darin versteckt. So einen Speicher hatten die Affen nach Angaben der Wissenschaftler noch nicht gesehen. "Die logischste Erklärung für diese Unterschiede ist, dass die Schimpansen auf bereits vorliegendes kulturelles Wissen zurückgreifen, um die Aufgabe zu lösen", sagt Zuberbühler. Die Schimpansenkultur sei also durch soziales Lernen geprägt.

Es ist nicht das erste Mal, dass Forscher Verhaltensunterschiede innerhalb von Tierpopulationen beobachten. Auch über soziales Lernen beim Schimpansen war bereits spekuliert worden. Selbst Stichlinge, so glauben einige Biologen, könnten ähnlich wie Menschen lernen. Weil man genetische Faktoren oder Umwelteinflüsse als Ursachen nicht ausschließen konnte, tun sich Forscher aber schwer, Verhaltensdifferenzen als Kultur zu interpretieren. Allerdings wurde schon früher gezeigt, dass in Gefangenschaft lebende Schimpansen Verhalten sozial erlernen können.

Die Suche nach dem im Baumstamm versteckten Honig war für beide Gruppen eine neue Aufgabe, die sie unterschiedlich lösten. Für die Wissenschaftler war überraschend, wie schnell die Tiere ihre Lösungen fanden. "Der kulturelle Unterschied muss daher tiefverwurzelt sein", sagte Zuberbühler.

chs/dpa/ddp

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