Ein blaues Flirren - mehr bekommen die meisten Menschen von einem Eisvogel nicht zu sehen. Aber das reicht. "Den ersten Eindruck vergisst man nie", sagt der Fotograf und Eisvogelfan Charlie Hamilton James. "Ich habe das als Junge erlebt. Seither bin ich versessen auf den Anblick."
Ein paar Jahre lang spürte er dem Vogel im Südwesten Englands, in der Gegend um Bristol, mit leeren Händen nach. Später nahm er eine Kamera mit, um eine Rechtfertigung zu haben, wenn er sich wieder stundenlang an den Flussufern herumtrieb, an denen die Eisvögel jagen. Das war vor 20 Jahren.
Alcedo atthis, der Europäische Eisvogel, hat schon viele Naturfreunde fasziniert. Anders als die meist unauffällig gefiederten Vögel in den gemäßigten Klimazonen der Erde sticht der Eisvogel farblich heraus. Er schießt durch die Luft wie ein türkisfarbener Torpedo.
Das Blau ist dabei - anders als bei gelben, roten und braunen Farbtönen - nicht die Folge eingelagerter Pigmente. Es entsteht durch Lichtbrechung. Winzige Strukturen in den Federn streuen das Sonnenlicht, so dass es mal saphirblau, mal smaragdgrün reflektiert wird.
Der Fluch der Schönheit
Doch Schönheit kann auch zum Fluch werden. Zu manchen Zeiten standen Eisvogelfedern auf einer Stufe mit Edelsteinen, Seide und Gewürzen. Ein chinesischer Text aus dem 3. Jahrhundert enthält unter anderem eine Liste der Schätze, die im Römischen Reich zu holen waren: Elfenbein, Gold, Perlen - und Eisvogelfedern.
Auf ihnen basierte eine Kunstform namens tian tsui ("mit Eisvögeln besetzt"): Man applizierte die glitzernden Federn an Schmuck, Fächern, spanischen Wänden und Paravents, Tagesdecken auf Betten wurden in blaugrüne Landschaften verwandelt. Auch das koreanische Königshaus teilte diese Leidenschaft, die sich bis Anfang des 20. Jahrhunderts hielt.
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