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03.11.2009
 

Ungewöhnliches Verhalten

Flughunde praktizieren Oralsex

Das hätten die chinesischen Wissenschaftler nicht erwartet: Weibchen des indischen Kurznasenflughunds beugten sich bei der Kopulation vornüber und praktizierten Fellatio am Männchen. Oralsex bei Tieren war bislang so gut wie unbekannt. Nun rätseln die Forscher über die Gründe.

Oralsex hielt man neben der Sprache für eine typisch menschliche Eigenschaft. Nur bei den sexuell sehr aktiven Bonobos, unsere nächsten Verwandten, hatte man dies bislang beobachtet. Allerdings deuteten Wissenschaftler dies bei den Affen als spielerisches Verhalten.

Dass Weibchen des indischen Kurznasenflughunds bei ihren Männchen Fellatio praktizieren, war deshalb eine echte Überraschung für Libiao Zhang und seine Kollegen vom Guangdong Entomological Institute im chinesischen Guangzhou. Die Biologen berichten im Fachmagazin " PLoS One", dass sich Weibchen bei der Kopulation vornüber beugen und die Penisse der Männchen lecken (siehe Video).

Die Forscher untersuchten mit Nachtsichtkameras insgesamt 30 Pärchen, die sie in Käfigen hielten. Bei 20 Pärchen gelang es ihnen, die Paarung zu filmen. 14 der 20 beobachteten Weibchen führten beim Männchen Fellatio aus.

Das Weibchen leckte bei der Paarung nur den Schaft des Penis, schreiben die Forscher. Nicht aber die Eichel, die schon die Vagina penetriert hatte. Der Effekt war, dass sich die Männchen während des Leckvorgangs nie von den Weibchen zurückzogen. Das Weibchen verlängerte also durch den Fellatio die Dauer des Paarungsaktes: Eine Sekunde Lecken bewirkte im Schnitt sechs Sekunden längere Kopulationsdauer. Insgesamt dauerte der Paarungsakt bei Weibchen, die Fellatio praktizierten, vier Minuten lang - fast doppelt so lange wie bei Weibchen, die keinen Oralsex an ihrem Partner ausübten.

Über die Gründe des beobachteten Verhaltens können die Forscher nur spekulieren. Möglicherweise wolle das Weibchen durch die zusätzliche Stimulation die Erektion des Männchens und damit die Kopulationsdauer verlängern. Es könnte eine Strategie sein, die die Befruchtungschancen steigert - was für beide Tiere vorteilhaft wäre. Denkbar sei aber auch, dass das Weibchen durch den verlängerten Kopulationsakt die Männchen stärker an sich binden wollten. Die Tiere leben nicht monogam, sondern in Gruppen. Männchen und Weibchen kommen nur zur Paarung zusammen, ein Männchen begattet dann mehrere Weibchen. Es könnte also eine weibliche Strategie sein, um Rivalinnen auszustechen.

Weitere Theorien: Der befeuchtende Speichel könne auch einfach die Paarung erleichtern. Oder seine desinfizierende Wirkung könnte dazu dienen, Krankheiten zu vermeiden. Diese Theorie scheint wahrscheinlich, weil auch die Männchen nach dem Geschlechtsakt ihre Genitalien lecken.

lub

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