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04.11.2009
 

Begehrter Schmuck

Forscher züchten Perlen aus Meeresschnecken

Von Cinthia Briseño

Begehrtes Juwel: Forscher züchten Perlen aus Meeresschnecken
Fotos
FAU's Harbor Branch Oceanographic Institute

Mehr als 25 Jahre lang blieben die Versuche erfolglos - jetzt ist es Meeresbiologen erstmals gelungen, Perlen in der Großen Fechterschnecke zu züchten. Für die Industrie ist das eine wichtige Entwicklung, denn die Qualität der Meeres-Juwelen ist beeindruckend.

Die Perlenzucht ist eine hohe Kunst. Sie wird ausgeübt, weil viele Menschen von den Juwelen des Meeres fasziniert sind und es nicht erwarten können, bis die Natur sie mit einem solchen Schatz beschenkt.

Normalerweise nutzen Perlenzüchter Austern, um sie dazu zu bringen, die runden, edlen und begehrten Kugeln aus Perlmutt herzustellen. In Zukunft könnten sie aber auch von einem anderen Tier profitieren: Seit mehr als 25 Jahren versuchen Menschen, Perlen auch aus Meeresschnecken zu züchten - bisher vergeblich. Doch jetzt ist Forschern des Atlantic University's Harbor Branch Oceanographic Institute (HBOI) in Florida genau das gelungen. Knapp zwei Jahre lang brauchten die Wissenschaftler, um einer karibischen Meeresschneckenart, der Großen Fechterschnecke, schillernde, große kugelrunde Perlen zu entlocken. Weiß, rot, pink, orange, gelb oder braun - mehr als 200 solcher Perlen haben sie inzwischen gezüchtet.

Die bisherigen Versuche waren fehlgeschlagen, so die Vermutung der Forscher, weil die Meeresschnecken empfindlich auf das Einbringen eines Fremdkörpers reagieren. Das ist die Methode, mit der die Züchter aus gewöhnlichen Austern Perlenaustern machen. Es war zu Beginn des vorigen Jahrhunderts, als das geheimnisvolle Entstehen echter Perlen enthüllt wurde. In den frühen zwanziger Jahren entwickelte der Japaner Kokichi Mikimoto eine Technik, die bis heute genutzt wird: Taucher suchen auf dem Meeresboden nach kräftigen, gesunden Austern, in die sie einen kleinen Fremdkörper betten.

Schutz gegen den Fremdkörper

Es gibt dabei zwei Vorgehensweisen: Bei der einen Variante pflanzen die Züchter ein kleines Perlmuttkügelchen, das aus einer Muschelschale gedrechselt wird, zusammen mit einem Stück Mantelgewebe in die Auster. Im anderen Fall bringen die Taucher lediglich ein oder mehrere kleine Stückchen aus der Mantelhaut einer anderen Auster in die Perlenauster. Um sich vor dem Fremdkörper zu schützen, umschließt die Auster den Eindringling Schicht um Schicht mit Perlmutt und Conchin, jener Substanz, die Perlen zum Leuchten bringt, und schafft so das begehrte Juwel. Es dauert etwa zwei bis drei Jahre, bis man die fertige Perle entnehmen kann.

Beide Methoden haben die HBOI-Forscher nun verfeinert und vor allem an die Anatomie der Großen Fechterschnecke angepasst. Der Aufbau der Schneckenschale ist komplex und spiralförmig. Das macht es normalerweise schwierig, an die Keimdrüsen - wo der Fremdkörper schichtweise ummantelt wird - zu kommen, ohne das Tier dabei zu verletzen oder gar zu töten. Wie die neue Prozedur zur Einpflanzung genau erfolgt, will Megan Davis, einer der Erfinderinnen am HBOI, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE nicht verraten. Die Methode sei zum Patent angemeldet und werde derzeit geprüft. Davis sieht aber einen wichtigen Vorteil in der neuen Perlenzucht: "Sie ist sehr effektiv. Zum einen überleben die Tiere diese Prozedur zu 100 Prozent und werden dabei nicht verletzt, und zum anderen produzieren sie nach der ersten Ernte eine weitere Perle."

Natur- oder Zuchtperle?

"Das ist eine wichtige Entwicklung für die Perlenindustrie", sagt der Edelsteinforscher Tom Moses. Gemmologie heißt die Wissenschaft, die sich ausschließlich mit Edelsteinen und deren Imitationen befasst. Moses ist der Vizepräsident des Gemological Institute of America (GIA). Unabhängige Forscher des GIA nahmen die neuen Zuchtperlen genau unter die Lupe. Ihr Ergebnis: "Mehrere der Perlen, die wir untersucht haben, sind wirklich Juwelen von hervorragender Qualität", sagt Moses. Es sei gar nicht so einfach, eine gezüchtete Perle von ihrem natürlichen Ebenbild zu unterscheiden. Allerlei chemische, spektroskopische und spektrometrische Analysetechniken seien notwendig, um sie voneinander zu unterscheiden. Die GIA-Wissenschaftler erarbeiten derzeit einen Katalog mit Kriterien zur Identifikation.

Wie groß eine gezüchtete Meeresschnecken-Perle wird, hängt von der Größe des eingebrachten Fremdkörpers und von der Zeit ab, die das Tier für die Perlmuttbildung bekommt. Aber auch im Zuchtperlengeschäft lautet das Credo: Gut Ding will Weile haben. So stellten die Wissenschaftler fest: Je länger die Züchtungszeit, desto größer wird die Perle. Zwischen sechs Monaten und zwei Jahren ließen die Forscher die Meeresjuwelen heranwachsen - in großen Wassertanks ihrer Forschungseinrichtung.

Für gewöhnlich leben die Tiere in den Seegras-Wiesen vor den Küsten Floridas, der Bahamas, Bermuda und der karibischen Inseln. Allerdings steht die Große Fechterschnecke unter Artenschutz. Überfischung und die große Beliebtheit ihrer großen und schönen Schneckenhäuser, die vor allem für Touristen ein begehrtes Souvenir sind, gefährden den Bestand der Tierart.

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