London/Potsdam - Vergangene Woche endete die letzte Vorkonferenz zum Klimagipfel in Kopenhagen - ohne konkrete Ergebnisse. Einen Monat vor Beginn des Uno-Gipfels erscheint es immer unwahrscheinlicher, kaum einer glaubt, dass in der dänischen Hauptstadt ein neues Klimaschutzabkommen zustande kommt, welches das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll ablösen kann.
Einige Nobelpreisträger wollen ihre Hoffnung aber nicht aufgeben und fordern deshalb in einem Memorandum ein tragfähiges Klimaabkommen. Bisher haben rund 60 Nobelpreisträger aus aller Welt die Forderung unterzeichnet, wie das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) am Montag mitteilte.
Zu den Unterzeichnern zählen die Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow und der Dalai Lama, die Literaturnobelpreisträger Doris Lessing, John Coetzee und Wole Soyinka sowie die deutschen Preisträger für Physik und Chemie, Klaus von Klitzing und Paul Crutzen. "Kaum eine andere Initiative zur Klima- und Nachhaltigkeitsproblematik dürfte über eine ähnliche intellektuelle Schlagkraft verfügen wie dieses Memorandum", erklärte der Direktor des PIK, Hans Joachim Schellnhuber, in Potsdam.
Dringlichkeit des Jetzt
Das Schreiben richtet sich an internationale Regierungschefs und fordert, die bisherige kohlenstoffintensive Wirtschaftsweise durch eine nachhaltige und gerechtere zu ersetzen. "Wir müssen die unerbittliche Dringlichkeit des Jetzt begreifen. Wir wissen, was zu tun ist. Wir können nicht warten, bis es zu spät ist", heißt es im Memorandum.
Konkret verlangt wird, bis 2015 müsse der Gipfelpunkt des weltweiten Ausstoßes an Treibhausgasen überschritten sein und dann bis 2050 auf höchstens 50 Prozent des Gesamtausstoßes von 1990 sinken. Dies bedeute auch, dass die Industriestaaten ihre Emissionen bis 2020 um 25 bis 40 Prozent senken müssten. Zur finanziellen Unterstützung von Entwicklungsländern bei der Bewältigung von Klimafolgen müsse ein angemessener Anpassungsfonds eingerichtet werden. Gefordert werden zudem Schutz, Erhaltung und Wiederherstellung tropischer Wälder.
Das Memorandum entstand bereits im Mai in London während eines Nobelpreisträgersymposiums und wurde zunächst von rund 20 Teilnehmern unterzeichnet. Es habe nun weitere Kreise gezogen, sagte eine Sprecherin des PIK. Das Symposium in London war Teil einer interdisziplinären Veranstaltungsreihe zur globalen Nachhaltigkeit, die im Oktober 2007 von Hans Joachim Schellnhuber, dem Direktor des PIK, in Potsdam ins Leben gerufen wurde.
"Die beiden entscheidenden Herausforderungen dieses Jahrhunderts sind die Bewältigung des Klimawandels und die Bekämpfung der weltweiten Armut. Wir werden die Aufgaben nur gemeinsam lösen oder aber an ihnen scheitern", wird der Londoner Autor des Stern-Reports, Lord Nicholas Stern, zitiert.
cib/dpa/AFP
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