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17.11.2009
 

Erderwärmung

Klimaforscher protestieren gegen Institutsdirektoren

Von Gerald Traufetter

Klimawandel in Asien: Die fünf am schlimmsten betroffenen Städte
Fotos
REUTERS

Maximal zwei Grad wärmer - dieses Klimaziel halten die Direktoren dreier deutscher Geoforschungsinstitute für wenig sinnvoll. Jetzt protestieren namhafte Forscher gegen die Äußerungen.

Hamburg - Unter den deutschen Klimatologen gibt es Streit über die Haltung zur globalen Erwärmung. Die Direktoren des Alfred-Wegener-Institutes für Polar- und Meeresforschung (AWI), des Geoforschungszentrums Potsdam und des Senckenberg-Zentrums hatten unlängst in einem Zeitungsinterview Zweifel an der Beweislage für den vom Menschen verursachten Klimawandel geäußert und das politische Ziel einer Begrenzung der Erwärmung auf zwei Grad für "praktisch unsinnig" erklärt. Dieses Interview hat in den eigenen Instituten und bis weit in die Gemeinde der Klimawissenschaftler für heftige Diskussionen gesorgt.

Jetzt haben namhafte Forscher eine Protestnote gegen diese Äußerungen verfasst und ihr "großes Befremden" darüber geäußert. Die Sichtweise der Institutschefs lasse "die Geowissenschaften in einem falschen Licht dastehen", schreiben die Autoren, darunter der Fachbereichsleiter Klimawissenschaften am AWI, Peter Lemke. Mit unterzeichnet haben auch der Berner Glaziologie-Professor und ehemalige AWI-Forscher Hubertus Fischer, der Leibniz-Preisträger Gerald Haug, Professor für Klimageologie, und Nicolas Gruber, Professor für Umweltphysik, beide an der ETH Zürich.

Die wissenschaftlichen Fakten, dass der Mensch mit dem Verbrennen fossiler Energieträger die Erdatmosphäre verändert seien klar, schreiben die Initiatoren des Appells. Bei einer Zunahme der globalen Temperatur über zwei Grad riskiere die Menschheit das Überschreiten von Klimaschwellenwerten mit gefährlichen Auswirkungen etwa auf das Abschmelzen des Eises in der Arktis und der Instabilität des westantarktischen Eisschildes.

Die von der Politik formulierten Klimaziele müssten besonders aus geowissenschaftlicher Sicht erreicht werden, "da eine Welt mit dann wohl neun Milliarden Menschen mit massiven Veränderungen beim Überschreiten von kritischen Klimaschwellenwerten allein durch Adaption nicht klarkommen kann", heißt es in dem Kommuniqué, das SPIEGEL ONLINE vorliegt.

"Dramatische Folgen für die Menschheit"

Die Geoforscher verweisen dabei auf die Erdgeschichte, wo es einen um drei Grad Celsius wärmeren Planeten Erde mit einer atmosphärischen CO2-Konzentration von mehr als 400 ppm ( ppm = parts per million) zuletzt vor drei Millionen Jahren in der pliozänen Warmzeit gegeben habe, als die Nordhemisphäre im Wesentlichen eisfrei war und der Meeresspiegel um mindestens sieben Meter über dem heutigen Niveau lag.

"Eine Atmosphäre mit einem CO2-Gehalt von etwa 800 ppm gab es zuletzt vor etwa 40 Millionen Jahren. Damals war die Erde etwa fünf Grad Celsius wärmer, eisfrei und der Meeresspiegel lag um mehr 70 Meter höher als heute", so die Forscher und warnen davor, dass der Mensch bei CO2-Konzentrationen jenseits von 450 ppm damit zu rechnen hat, noch in diesem Jahrhundert einen Klimazustand wie vor drei Millionen Jahren initiieren könne. "Mit dramatischen Folgen für die Menschheit", so schließen sie.

Die Initiatoren des Appells pochen darauf, dass "ein Erfolg eines Klimaabkommens im Dezember auf der Kopenhagener Konferenz große Dringlichkeit" habe. Allerdings gilt es inzwischen als wenig wahrscheinlich, dass in der dänischen Hauptstadt im Dezember tatsächlich verbindliche Ziele vereinbart werden.

Beim Gipfel des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforums (Apec) in Singapur hatten die beteiligten Staaten, darunter China, Russland und die USA, bilanziert, dass mit einem völkerrechtlich verbindlichen Klimaschutzabkommen in Kopenhagen nicht zu rechnen sei. Denkbar sei lediglich eine politische Absichtserklärung. Als Grund für die Entwicklung gilt vor allem das Zögern der US-Regierung. China erklärte außerdem, dass man das Ziel einer Reduzierung von CO2-Emissionen um 50 Prozent bis 2050 gestrichen habe.

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insgesamt 52 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
23.11.2009 von Wurrhak: Gibt es überhaupt gesicherte Erkenntnisse und Möglichkeiten???

Irgendwie schon seltsam. Obwohl die "Experten" nicht mal das Wetter von übermorgen exakt vorhersehen(-rechnen, -sagen) können, werden Modelle für 100 Jahre aufgemacht. Dreht man dort an einem Paramater, kippt das [...] mehr...

22.11.2009 von sponliner: Auf Reputation achten

Die Institustdirektoren müssen, anders als jene Leute, die nur vorübergehend mal in den Rang der Wertschätzung in durchaus zeitlich begrenzten Verirrungsströmungen gelangen wollen, darauf achten, daß ihre Institute sich nicht [...] mehr...

19.11.2009 von Kai Frederking: Zwar sowieso hoffnungslos, aber trotzdem ...

Für alle, die nicht an offene Systeme glauben: http://de.wikipedia.org/wiki/Offenes_System#Physik Jetzt kommt von Silberlocke sicher wieder ein guter Grund, warum der Erde keine Energie zu- oder abgeführt wird. Oder warum das [...] mehr...

19.11.2009 von Kai Frederking: Keine Antwort ist auch eine Antwort

Sie sind also ein Laie, der sich als Physiker ausgibt, seine eigenen Naturgesetzte erfindet, den Begriff "System" nicht kennt, aber dem Rest der Menschheit gute Ratschläge gibt. "Scharlatan" hieß so etwas [...] mehr...

19.11.2009 von Silverhair: Ugga Ugga

Sie übersehen hier zwei Dinge. Erstens die Biologie und Technik des Menschen. Gegen Kälte ist der Mensch sogar recht unempfindlich, wir können Temperaturen von 0 oder -20 Grad durchaus überleben, Feuerchen zur Not anmachen. Nach [...] mehr...

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Geo-Engineering

Pro und Contra

Wenn der Klimawandel dramatische Ausnahmen anzunehmen droht, bleibt als letzte Option wohl nur Geo-Engineering, sagen viele Forscher. Entweder man verringert die Sonneneinstrahlung auf der Erde, etwa durch Wolken oder Aerosole. Oder man filtert massenhaft CO2 aus der Atmosphäre und lässt es unter der Erde oder im Meer verschwinden. Doch so gut das auch klingt, Geo-Engineering ist umstritten.

Die einen warnen vor den Risiken und Nebenwirkungen menschlicher Eingriffe, die nur wenig erforscht sind. Die anderen fürchten, Geo-Engineering könnte die Menschheit dazu verleiten, andere Maßnahmen zum Klimaschutz gleich ganz bleiben zu lassen. Möglicherweise lässt sich mit den Eingriffen aber Zeit gewinnen. Geo-Engineering könnte für 10 oder 20 Jahre helfen, den Klimawandel zu bremsen. Um die eigentliche Aufgabe, den CO2-Ausstoß drastisch zu reduzieren, wird die Menschheit jedoch nicht herumkommen.

Mit Aeorosolen das Sonnenlicht dimmen

Ozeane mit Eisen düngen

Sonnenschirme im All

Die Wolken aufhellen

Künstliche Bäume (Air Capture)

Bäume anpflanzen, verbrennen, CO2 auffangen

Wer wie viel CO2 reduzieren will

EU

Die Staaten der Union haben sich verpflichtet, ihre CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 um mindestens 20 Prozent unter das Niveau von 1990 zu drücken. Wenn andere Staaten mitziehen, versprechen die Europäer sogar ein Minus von 30 Prozent. Die Aufteilung der EU-weiten Ziele auf Mitgliedstaaten ("Effort Sharing") wird unter Berücksichtigung der Wirtschaftsleistung pro Kopf und der nationalen Voraussetzungen vorgenommen.

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