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23.11.2009
 

Emissionen

Landwirtschaft schadet der EU-Treibhausgasbilanz

Traktor im Einsatz (Sachsen-Anhalt, 2004): "Eine große Senke für Treibhausgase"Zur Großansicht
dpa

Traktor im Einsatz (Sachsen-Anhalt, 2004): "Eine große Senke für Treibhausgase"

Stickstoffemissionen aus großflächiger Düngung, Methanemissionen bei der Viehzucht: Europas Landwirtschaft sorgt für große Mengen an Treibhausgasen, wie eine neue Studie belegt. Dabei können Pflanzen eigentlich jede Menge Kohlenstoff binden.

Jena - Wenn Pflanzen wachsen, dann nehmen sie größere Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf. Gerade alte Wälder gelten als kraftvolle Kohlenstoffsenken. In Europa nehmen sie jedes Jahr 305 Millionen Tonnen Kohlenstoff auf, wie eine neue Rechnung belegt. Beim ersten Hinhören klingt das beeindruckend: "Bis jetzt war man der Überzeugung, Europa sei in diesem Bereich eine große Senke für Treibhausgase", sagt Ernst-Detlef Schulze vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena. "Da hat man aber nur Kohlendioxid gemessen, nicht Methan und Stickoxid."

Forscher des europäischen Projekts "CarboEurope" haben nun unter Schulzes Leitung die europäische Treibhausgasbilanz um genau diese Gase erweitert - und herausgefunden, dass die intensive Landwirtschaft in der EU so viel klimaschädigende Stickoxide und Methan freisetzt, dass der positive Effekt von Wäldern als Kohlenstoffspeicher fast zunichte gemacht wird. Die Ergebnisse sind im Fachmagazin "Nature Geoscience" nachzulesen.

Methan und Stickoxide werden bei der Viehhaltung und dem intensiven Ackerbau frei, bei dem besonders viel Stickstoffdünger zum Einsatz kommt. Das ist bei großen Mengen durchaus problematisch, denn die Treibhauswirkung von Methan ist - wenn man jede Tonne des Gases in der Atmosphäre einzeln betrachtet - wesentlich stärker als die von Kohlendioxid. Die größten Emissionen dieser Treibhausgase wurden in Regionen mit intensiver Landwirtschaft und Viehhaltung gemessen - zum Beispiel England, Belgien, Norddeutschland und den Niederlanden.

Die Forscher warnen vor negativen Folgen für das Klima, wenn die intensive Landwirtschaft in Europa noch ausgeweitet wird. Es drohe sogar die Gefahr, dass die Klimabilanz kippe und die Region trotz ihrer Wälder insgesamt zu einer Quelle von Treibhausgasen werde. So sei der Wald im Moment noch eine wichtige Senke, weil das jährliche Wachstum die Holzernte übersteige. "Mit zunehmender Energieholznutzung wird diese Senke aber verschwinden", sagt Schulze.

"In Europa und weltweit kein Thema"

Zusammen mit seinen Kollegen schlägt er deswegen vor, die Bauern sollten Produktionsverfahren einsetzen, bei denen weniger Treibhausgasemissionen entstehen. Vor allem müsse man den Einsatz von Düngemitteln bedenken. Außerdem sollte das bei der Viehhaltung entstehende Methan verstärkt als Bioenergie genutzt werden, schlagen die Forscher vor.

Der Deutsche Bauernverband verweist indes darauf, dass die Treibhausgasemissionen der deutschen Landwirtschaft seit 1990 bereits um 20 Prozent gesenkt worden seien: "Zudem wurde der Einsatz von Handelsdünger in Deutschland seit 1990 um 33 Prozent gesenkt", sagt Steffen Pingen im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Er ist beim Verband verantwortlich für die Umweltpolitik - und erklärt selbstbewusst, dass die Landwirtschaft für gerade einmal sechs Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen verantwortlich sei. Allerdings ist diese Zahl alles andere als unumstritten.

Der Chef des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, hatte jedenfalls am Wochenende angeregt, die Landwirtschaft möglicherweise auch in den Emissionshandel einzubeziehen. Besonders in der intensiven Tierhaltung mit hohen Anteilen an Methangasemissionen wären starke Anreize für Investitionen zum Abfangen dieser Gase notwendig, sagte Flasbarth der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Beim Bauernverband hält man davon jedoch nicht viel. Gegen eine Einbeziehung in den Emissionshandel spreche zum Beispiel, dass die Emissionen der Landwirtschaft wesentlich komplexer zu quantifizieren seien als die der Industrie, sagt Steffen Pingen. Bezüglich der Daten und Messverfahren gebe es erhebliche Unsicherheiten. "Letztlich ist die Struktur der Landwirtschaft im Vergleich zur Industrie eher durch kleinere Familienbetriebe geprägt, der bürokratische Aufwand wäre immens. Insofern ist dies in Europa und weltweit kein Thema", so der Verbandsfunktionär.

chs/dpa/AFP

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21.12.2009 von cluster15: jetzt mal Tacheles

Tja, was man Sie was schlimmer wird, Wortklauben oder Datenklauben..... Keine Ahnung was Sie meinen, der lineare Trend zeigt einen Anstieg von etwas mehr als 0.4 Grad Celsius Warum 1940 oder 1970? Von 1930-1970 ist [...] mehr...

21.12.2009 von cluster15: A posteriori

Kausalketten im Nachhinein konstruieren zu können, heißt nicht in jedem Fall, dass die Ereignisse tatsächlich in der Abfolge als solche im Vorhinein geplant waren (schönes Beispiel wäre das Minenfeld der Evolution). Ich hatte [...] mehr...

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20.12.2009 von denkmal!:

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20.12.2009 von de.nada: Hatte was zu erledigen. ;)

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Wie funktionieren natürliche Kohlenstoffsenken?

Wälder

Wenn Bäume wachsen, dann nehmen sie über die Photosynthese Kohlendioxid auf. Je natürlicher die Wälder dabei sprießen, desto mehr CO2 kann gebunden werden. Den Kohlenstoff speichern die Pflanzen zum Beispiel in ihrem Holz oder in den Wurzeln. Wenn die Bäume absterben und verrotten - oder wenn sie verbrennen -, dann wird das CO2 wieder frei. Die Wälder sind also nur ein CO2-Zwischenlager. Wenn sich aber die Waldgebiete auf ehemals landwirtschaftliche Flächen ausdehnen - wie zumindest an einigen Stellen der Nordhalbkugel - dann ergibt sich eine positive Klimawirkung.

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