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27.11.2009
 

Klimaschutz

Initiativen Chinas und der USA entfalten Sogwirkung

Verhandlungen: Frankreichs Minister Jean-Louis Borloo (2. v. l.) und Chinas Vizepremier Li Keqiang (2. v r.) in PekingZur Großansicht
AFP

Verhandlungen: Frankreichs Minister Jean-Louis Borloo (2. v. l.) und Chinas Vizepremier Li Keqiang (2. v r.) in Peking

Zwei Wochen vor Beginn des Klimagipfels in Kopenhagen macht sich wieder Optimismus breit. Die Initiativen Chinas und der USA haben den Druck auf andere Länder erhöht: Auch Indien will seine Haltung nun überdenken. Ein Durchbruch scheint wieder möglich.

Toronto/Neu Delhi/Peking - Kanadas Ministerpräsident Stephen Harper genießt unter Umweltschützern nicht unbedingt den besten Ruf. Spätestens seit der konservative Regierungschef das von der liberalen Vorgängerregierung 2005 ratifizierte Kyoto-Protokoll aufgekündigt hat, gilt er als einer der weltweit größten Bremser in Sachen Klimaschutz. Doch selbst Harper kann sich der Sogwirkung der jüngsten Initiativen aus den USA und China nicht mehr entziehen: Er nimmt nun doch am Weltklimagipfel in Kopenhagen teil, teilte ein Sprecher mit. Noch am Mittwoch hatte Harper erklärt, nicht zu dem Gipfeltreffen vom 7. bis 18. Dezember zu kommen.

Für den Klimaschutz wesentlich wichtiger ist jedoch die Wirkung, die Chinas jüngste Initiative offenbar auf Indien hatte. Peking hatte am Donnerstag erstmals konkrete Emissionskürzungen in Aussicht gestellt und damit Hoffnungen für einen Durchbruch in Kopenhagen geschürt. Kurz zuvor hatte Premierminister Wen Jiabao angekündigt, persönlich an dem Treffen teilzunehmen. "China hat uns einen Weckruf gesandt", sagte der indische Umweltminister Jairam Ramesh der Zeitung "Hindustan Times". "Wir müssen nochmals intensiv über unsere Klimastrategie nachdenken und uns um Flexibilität bemühen." Indien und China haben eine gemeinsame Haltung bei den Verhandlungen in Kopenhagen angekündigt.

China ist der weltgrößte Kohlendioxid-Verursacher noch vor den USA, Indien rangiert auf Platz vier. Der Pro-Kopf-Ausstoß liegt in den USA zwar weiterhin doppelt so hoch wie der in Deutschland, fünf- bis siebenmal so hoch wie in China und etwa zu 20-mal so hoch wie in Indien. Dennoch wäre ein internationales Klimaschutzabkommen von vornherein gescheitert, sollten die großen Schwellenländer nicht mitspielen.

Selbst schwache Zusagen entfalten große Wirkung

Die Zugeständnisse Indiens und Chinas könnten ein Zeichen dafür sein, dass die lange erhoffte Wirkung konkreter Zusagen der großen CO2-Emittenten nun einsetzt. Dabei haben die USA und China bei genauerer Betrachtung keine besonders ambitionierten Zusagen abgegeben. Barack Obama, der nur am ersten Tag des zweiwöchigen Gipfeltreffens in Kopenhagen sein wird, hatte eine Reduzierung der CO2-Emissionen um 17 Prozent bis zum Jahr 2020 angekündigt - allerdings gemessen am Jahr 2005. Gegenüber 1990, das sonst oft als Vergleichsjahr genannt wird, wäre das eine Senkung von nur vier Prozent. Die EU hat sich dagegen verpflichtet, ihre Emissionen bis 2020 gegenüber 1990 um 20 Prozent zu senken - und um 30 Prozent, falls die übrigen Industriestaaten mitmachen.

China wiederum hat gar keine festen Prozentsätze genannt, sondern will die Emissionssenkungen von seinem Wirtschaftswachstum abhängig machen. Die Treibhausgase, die für jeden Yuan Wirtschaftsleistung ausgestoßen werden, sollen demnach bis zum Jahr 2020 um 40 bis 45 Prozent sinken, Vergleichsjahr ist auch hier 2005. Angesichts des erwarteten starken Wirtschaftswachstums in China bedeutet die angestrebte Reduzierung in absoluten Zahlen keine Verringerung, doch fällt der Anstieg dadurch wesentlich langsamer aus.

Dennoch scheinen schon diese verhaltenen Zusagen Chinas und der USA den Druck auf andere Länder zu erhöhen, was wieder für mehr Optimismus vor dem Klimagipfel sorgt. "Die Zuversicht ist zurück", sagte Jean-Louis Borloo, Frankreichs Minister für nachhaltige Entwicklung. "Wir können ein bindendes, detailliertes politisches Abkommen erreichen, das für jedes Land Zahlen enthält." Sollte ein solcher Vertrag zustande kommen, wäre er - gemessen am zuletzt starken Pessimismus - tatsächlich ein Erfolg.

Auch Yvo de Boer, Chef des Uno-Klimasekretariats, äußerte sich wieder zuversichtlich. "Die Selbstverpflichtung der USA auf exakte mittelfristige Ziele zur Minderung ihrer Emissionen und die konkreten Zusagen von China zur Steigerung der Energieeffizienz können zwei der letzten Türen aufschließen, die noch vor einer umfassenden Vereinbarung stehen", sagte de Boer am Donnerstag in Bonn.

Wie groß aber auch das Konfliktpotential noch ist, zeigte der Kommentar von Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva am Donnerstag. Reiche Länder müssten ihre Hilfen zur Finanzierung des Klimakampfes umgehend aufstocken, wenn sie in Kopenhagen einen Erfolg wollten, sagt Lula da Silva bei einem Gipfeltreffen in Manaus. "Die Armen müssen unterstützt werden, ohne dass ein Land seine Souveränität aufgeben muss."

mbe/AP/Reuters/AFP

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Die neuesten Beiträge:
21.12.2009 von cluster15: jetzt mal Tacheles

Tja, was man Sie was schlimmer wird, Wortklauben oder Datenklauben..... Keine Ahnung was Sie meinen, der lineare Trend zeigt einen Anstieg von etwas mehr als 0.4 Grad Celsius Warum 1940 oder 1970? Von 1930-1970 ist [...] mehr...

21.12.2009 von cluster15: A posteriori

Kausalketten im Nachhinein konstruieren zu können, heißt nicht in jedem Fall, dass die Ereignisse tatsächlich in der Abfolge als solche im Vorhinein geplant waren (schönes Beispiel wäre das Minenfeld der Evolution). Ich hatte [...] mehr...

21.12.2009 von snoopdog: Beamtenspeech.

... und falls das Klima sich nicht reglementskonform entwickeln will, dann ist fristgemäß bis spätestens 31.12.09... Beamtenspeech pur ... hoffentlich kriegen Sie Ihre Kaffeepause eben so zuverlässig geregelt mehr...

20.12.2009 von denkmal!:

[QUOTE=Blackjack51;4733832][QUOTE=denkmal!;4733314]Also ich bin meinen chinesischen Solarzellen absolut zufrieden. Sie überteffen sogar die angegebenen Werte. ---Zitat--- Hast du die Panels messen lassen? Das können nur wenige [...] mehr...

20.12.2009 von de.nada: Hatte was zu erledigen. ;)

Ich weiß nicht wie ehrlich "Die Welt" ist. Ich weiß nicht mal ob die Welt weiß was PR ist und was nicht. (hoffentlich erscheint nur dieses) mehr...

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Wer wie viel CO2 reduzieren will

EU

Die Staaten der Union haben sich verpflichtet, ihre CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 um mindestens 20 Prozent unter das Niveau von 1990 zu drücken. Wenn andere Staaten mitziehen, versprechen die Europäer sogar ein Minus von 30 Prozent. Die Aufteilung der EU-weiten Ziele auf Mitgliedstaaten ("Effort Sharing") wird unter Berücksichtigung der Wirtschaftsleistung pro Kopf und der nationalen Voraussetzungen vorgenommen.

Russland

USA

Japan

Brasilien

China

Indien

Australien


Weltklimaverhandlungen

Wichtige Punkte

Die G-8-Staaten haben sich grundsätzlich zu dem Ziel bekannt, den globalen Temperaturanstieg im Vergleich zum Beginn des Industriezeitalters auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Auch die Schwellenländer haben sich dem jetzt angeschlossen. Doch konkrete Vorgaben und Zusagen zur Finanzierung fehlen noch - deshalb könnte es beim bloßen Lippenbekenntnis bleiben.

Worum geht es?

Wer sind die wichtigsten Akteure?

Wie ist der Stand in Europa?

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Was, wenn die Verhandlungen scheitern?

Helden des Klimas

Hightech im Urwald
Indios rüsten sich für die Zukunft

Zurück zur Sonne: Licht für den Changi Airport


Der lange Weg zum Klimaschutz

1988

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) und die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) gründen den Weltklimarat (IPCC). Der IPCC selbst betreibt keine Wissenschaft, er sammelt stattdessen Daten zum Klimawandel und entwickelt Strategien zur Anpassung. Das Gremium hat bisher vier sogenannte Sachstandsberichte verfasst, der nächste ist für 2014 geplant. Der IPCC ist nicht direkt in das Klimasystem der Uno eingebunden, liefert aber den wissenschaftlichen Hintergrund für die Verhandlungen.

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